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StartseiteCampus & KarriereHaushaltskasse fürs Smartphone23.09.2014

Flatmate-AppHaushaltskasse fürs Smartphone

Bei Geld hört die Freundschaft auf, heißt es so schön. Und auch der WG-Frieden kann ziemlich leiden. Studenten der Universitäten Witten/Herdecke und der TU Dortmund haben nun eine neue App entwickelt - quasi eine Haushaltskasse 2.0.

Von Hilde Braun

Lebensmittel, Obst, Einkauf (dpa / pa / Uli Deck)
Wer hat beim letzten Mal den Einkauf bezahlt? Dank App wissen alle Mitbewohner Bescheid. (dpa / pa / Uli Deck)

Juliane Ruf lebt in einer Dreier WG und hat seit Kurzem eine neue App auf ihrem Smartphone: die Flatmate-App.

"Jeder hat sein Handy ja eigentlich immer dabei und dann kann man es im Auto oder im Bus oder was weiß ich wo eingeben, und dann sieht auch jeder, was eingekauft wurde."

Eine App für korrekte Haushaltsführung - unter Studierenden oft nicht gerade selbstverständlich. Die Idee hatten die beiden Wittener Wirtschaftsstudenten Niklas Priddat und Dennis Ortmann im Urlaub:

"Wir waren mit ein paar Leuten im Skiurlaub letzten Winter und haben uns gedacht, das ist doch kompliziert, wenn man abends an eine Bar geht, dann gibt der eine eine Runde aus, dann der andere und denkt dann, man hat mehr gezahlt. Und irgendwie muss es doch eine Lösung geben. Dann haben wir geguckt, was es auf dem Markt gab momentan und waren nicht zufrieden."

Wieder zuhause gingen sie an die TU Dortmund und suchten sich zwei Programmierer, um ihre Idee umzusetzen: Zu viert entwickelten sie dann die Flatmate-App:

"Wir haben es halt alle parallel gemacht neben dem Studium und nicht jetzt jeden Tag montags bis freitags acht Stunden, sondern so gut wie es ging. Meistens einmal in der Woche, Ziele festgelegt, in einer Woche wieder getroffen."

App über Smartphone oder PC nutzbar

David Reher, einer der Programmierer, ist zufrieden. Nach einer mehrwöchigen Testphase kommt das Programm gut an. Über 1.000 Nutzer haben sich die App auf das Handy geladen. Sie kostet in ihrer derzeitigen Form nichts:

"Direkt wenn man die App öffnet, sieht man das eigene Guthaben als allererstes: Bin ich im Plus oder im Minus? Dann: Wem schulde ich wie viel? Und danach sind direkt die Ausgaben gelistet."

Die App lässt sich über das Smartphone leicht bedienen, wer keines besitzt, kann seine Ausgaben aber auch zuhause am Rechner eingeben. Stehen noch Zahlungen aus, können die Mitbewohner das jederzeit sehen. Säumige Mitbewohner werden daran erinnert. Kommen neue Mitbewohner in die WG, können sie per Klick hinzugefügt werden, quasi mithilfe von Satelliten. Niklas Priddat erklärt:

"Über GPS funktioniert das, dass Leute gefunden werden können, und man die ganz einfach per Klick in die Gruppe hinzufügen kann. Also wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, wie man das noch einfacher machen kann als mit E-Mails, und einfach, wenn man am Küchentisch sitzt in der WG, sagt: Komm, starten wir einfach den 'Handshakemodus' in der App, den wir haben, und schon seid ihr in der Gruppe hinzugefügt."

Datenschutz wird großgeschrieben

Die Ausgaben können unter neun Kategorien eingegeben werden, zum Beispiel Essen/Trinken, Miete, Sonstiges. Die App ist ganz schlicht gehalten. Es gibt weder Werbung noch schrille Farben, unscheinbar - dafür anwenderfreundlich. Sie kommt ohne viel Schnickschnack aus. Und: Datenschutz wird großgeschrieben, es gibt Kennwörter beim Registrieren, jede WG kann außerdem ein eigenes Passwort vergeben. Programmierer David Reher:

"Wir haben es halt so gemacht, dass alle Daten verschlüsselt übertragen werden, und wir haben auch bewusst darauf geachtet, dass unsere Server in Europa stehen, sodass der europäische Datenschutz auf jeden Fall eingehalten wird. Und dass wir jeden Tag einen Back-up der Daten machen, sodass - sollte mal etwas passieren - wir das auf jeden Fall nachvollziehen können, sollte mal etwas verloren gehen."

Damit beim Abrechnen alles seine Richtigkeit hat und keiner draufzahlt, gibt es außerdem eine Kontrollfunktion. Niklas Priddat:

"Wenn man abrechnet, wird jedem gezeigt, wem man wie viel Geld schuldet, und von wem man Geld bekommt. Und es muss von beiden abgehakt werden, erst dann ist es erledigt."

WG-Bewohnerin Juliane Ruf schätzt vor allem, dass sie Ausgaben von unterwegs eingeben kann. Aber: Nur mit der App allein lässt sich der WG-Frieden nicht aufrecht erhalten:

"Solange jeder weiß, was der WG gehört und was jedem Einzelnen gehört, ist das eigentlich ganz einfach und wenn sich alle dran halten."

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