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StartseiteCampus & KarriereKaum Chance auf regulären Studienplatz13.05.2016

Flüchtlinge an HochschulenKaum Chance auf regulären Studienplatz

BAföG-Falle, rechtliche Hürden und der Dschungel des föderalen Bildungssystems: Flüchtlinge, die in Deutschland studieren möchten, haben es nicht leicht. Einige Unis handeln jetzt auf Eigeninitiative. Mit Sprachkursen und Gasthörerprogrammen wollen sie Flüchtlingen den Einstieg erleichtern.

Von Claudia van Laak

Deutschunterricht für geflüchtete Syrer und Syrerinnen (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert/dpa )
Qualifizierungsprogramm: Deutschunterricht für geflüchtete Syrer und Syrerinnen (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert/dpa )
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Muhammed Lamin Jadama stammt aus Gambia – seit fast fünf Jahren lebt er in Berlin, kann aber hier kein Asyl beantragen. Den Asylantrag müsste er in Italien stellen, weil er dort zum ersten Mal europäischen Boden betreten hat und die Behörden ihn registriert haben. Ein offizielles Studium in Deutschland? Unter diesen Voraussetzungen nicht möglich.

"Das macht die Sache sehr schwierig. Ich bin sehr interessiert an einem Studium. Ich habe so viele Angebote gesehen der Hochschulen, wie sie Flüchtlinge integrieren wollen. Aber weil ich hier nicht registriert bin, habe ich nicht die rechtlichen Voraussetzungen, mich hier in Deutschland einzuschreiben."

Auch Flüchtlinge, die zwar in Deutschland registriert sind, sich aber noch im Asylverfahren befinden, haben kaum eine Chance auf einen regulären Studienplatz. Erstens dürfte ihr Deutsch nicht ausreichen, zweitens sind sie nicht regulär krankenversichert und drittens tappen sie in die BAföG-Falle – erläutert Hannes Schammann, Professor für Migrationspolitik an der Uni Hildesheim.

Angst vor BAföG-Falle

"Die BAföG-Falle schnappt zu, wenn man einerseits BAföG-Anspruch hätte, weil man sich einschreibt, andererseits den BAföG-Anspruch noch nicht erworben hat, weil man noch nicht lang genug in Deutschland ist. Wenn man aber prinzipiell BAföG beziehen dürfte, weil man immatrikuliert ist, kriegt man keine Sozialhilfe mehr als Asylsuchender. So, und dann kriegt man gar nichts. Man kriegt weder BAföG noch Sozialleistungen."

Hannes Schammann hat die Angebote für Flüchtlinge an neun Hochschulen verglichen. Die Fachhochschulen bekommen von ihm besonders viel Lob, weil sie sich mit der Kommune, den Unternehmen oder anderen Akteuren vernetzen.

"Sehr sehr positiv zum Beispiel ist eine Kooperation der Hochschule Magdeburg-Stendal mit dem Jobcenter. Das heißt, man versucht ganz intensiv mit externen Akteuren zu kooperieren und dadurch die Studieninteressierten mit Fluchterfahrung stärker dahingehend zu beraten, was passieren könnte, wenn das Studium alleine vielleicht nicht das Richtige ist."

Besonderes Gasthörerprogramm in Bremen

Die Uni Bremen bekommt Lob für ihr besonderes Gasthörerprogramm. Begleitet von Tutoren werden Flüchtlinge auf das Studieren an einer deutschen Uni vorbereitet. Der nächste Schritt ist jetzt, den regulären Zugang zum Studium zu erleichtern, erläutert Yasemin Karakasoglu Konrektorin der Uni Bremen.

"Darüber ist das Hochschulgesetz geändert worden, die Zulassungsmöglichkeiten sind jetzt eröffnet. Wir haben die Gelder, um Sprachkurse aufzulegen und wir haben ein Vorbereitungsstudium, das je nach Vorkenntnis ein oder zwei Jahre dauert. Und das erste Semester, in dem wir das umsetzen wollen, das beginnt jetzt gerade."

Immer mehr Hochschulen bieten spezielle Sprachkurse an. Doch Achtung - neben der BAföG-Falle droht Flüchtlingen auch die Sprachkurs-Falle. Hannes Schammann, Professor für Migrationspolitik, warnt.

"Sie müssten also eigentlich in einen Bundes-geförderten Integrationskurs in der Volkshochschule. Wollen aber lieber in den Kurs an der Uni, weil der besser ist. Dann verstoßen sie gegen ihre Pflicht, den Integrationskurs zu besuchen und kriegen Leistungskürzungen."

Viele Unklarheiten also, viele rechtliche Hürden, auch der Dschungel des föderalen Bildungssystems erschwert Flüchtlingen den Hochschulzugang. Hannes Schammann wünscht sich mehr Mut von allen Akteuren. Einfach machen – so seine Devise.

"Auf jeden Fall. Dieses Dickicht, diese empfundene Rechtsuntersicherheit, die die Hochschulen äußern, die ist gar nicht so schlimm wie man denkt. Und es gibt die große Möglichkeit, jetzt diese Spielräume weit auszunutzen und die Hochschulen tatsächlich zu öffnen."

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