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StartseiteDeutschland heuteKaum Heime, aber volle Turnhallen 07.12.2016

Flüchtlingsunterbringung in BerlinKaum Heime, aber volle Turnhallen

In Berlin wohnen immer noch etwa 20.000 Asylbewerber in Notunterkünften, die eigentlich nur ein paar Wochen lang belegt werden sollten. 38 Turnhallen sind noch besetzt. Gleichzeitig werden nur wenige neue Unterkünfte fertig oder stehen sogar leer - obwohl manche von ihnen sogar vorbildhaft schnell und gut gebaut wurden.

Von Claudia van Laak

ARCHIV - Ein Asylbewerber aus Pakistan telefoniert am 03.07.2013 in Altglashütten (Baden-Württemberg) in einer Asylbewerberunterkunft in seinem Zimmer. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann hat dem neuen Präsidenten des Landkreistags versprochen, die sogenannte Einmalpauschale, die das Land den Kreisen für die Unterbringung von Asylbewerbern zahlt, prüfen zu lassen. Foto: Felix Kästle/dpa (zu dpa «Was kostet ein Flüchtling?» vom 16.10.2013) | Verwendung weltweit (dpa / Felix Kästle)
Nur wenige der geplanten neuen Flüchtlingsunterkünfte in Berlin sind bislang fertig gestellt worden. (dpa / Felix Kästle)
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Berlin-Reinickendorf, Bernauer Straße. Hier hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag in den letzten Monaten Tempo gemacht. Der neu errichtete Plattenbau ist fast bezugsfertig.

"Das sind hier die Drei-Bett-Zimmer und nebenan, das sind die Zwei-Bett-Zimmer. Wir haben den Rohbau mit Holz ausgebaut, Holzfußböden, Holzwände, robuste, lasierte Oberflächen, so dass man sich nicht wie im Container fühlt. So ein bisschen wohnlich, die Fußböden sind geölt, dass man sich einfach ein bisschen wohlfühlt."

Christian Müller, Chef eines am Bau beteiligten Ingenieurbüros, führt durch die künftige Gemeinschaftsunterkunft für 230 Flüchtlinge.

"Wir haben jede Woche ein Geschoss im Rohbau errichtet und in insgesamt sieben Monaten neun Geschosse fertig gestellt und übergabefertig. Das ist meines Erachtens eines der schnellsten Häuser in Berlin, und von außen sieht es wie ein ganz normales Wohnhaus aus."

Bauingenieur: "Wir haben unsere Bundeskanzlerin ernst genommen"

Die Vorgabe war: schnell, preiswert und gut bauen. Es hat funktioniert. So könnte dieser Plattenbau zum Vorbild für weitere, dringend benötigte Flüchtlingsheime in Berlin werden. Christian Müller:

"Wir haben unsere Bundeskanzlerin da ernst genommen und versuchen, das umzusetzen, was da angestoßen ist und fühlen uns auch in der Pflicht, dieses Ergebnis zu liefern."

Leider fühlen sich in Berlin nicht viele in der Pflicht zu liefern. Nur wenige der geplanten neuen Unterkünfte sind bislang fertig gestellt worden. Mal sperrt sich ein Bezirk, mal findet man eine schützenswerte Pflanze, dann wieder klappt die Ausschreibung für den Betrieb des Heims nicht und wird juristisch angefochten. Die Folge: In Berlin wohnen immer noch etwa 20.000 Asylbewerber in Notunterkünften, die eigentlich nur ein paar Wochen lang belegt werden sollten. 38 Turnhallen sind noch besetzt – das ärgert die Schulen und Sportvereine, ist unzumutbar für die Flüchtlinge. In den Turnhallen leben sie ohne Privatsphäre und ohne Perspektive. Flüchtlinge sagen:

"Du kannst nicht schlafen in der Nacht, es ist zu laut." / "Das ist sehr schlecht, es gibt Familien, die brauchen das, andere Leute, die wollen das, so kann man nicht zusammen leben." / "Ich mag bleiben alleine, ich mag nicht so viele Leute." / "Wenn du hier bleibst, musst du schlagen, weil Reden nicht immer funktioniert, das ist das Problem." / "The people get crazy because of that."

Erst versprach der Berliner Senat, die Turnhallen bis zu den Sommerferien freizuziehen

Der Auszug aus den Turnhallen und der Einzug in neue Unterkünfte verzögert sich immer weiter. Erst versprach der Berliner Senat, die Hallen bis zu den Sommerferien freizuziehen, dann hieß es: Ende des Jahres. Jetzt ist vom ersten Quartal 2017 die Rede. Die verantwortlichen Institutionen schieben sich den Schwarzen Peter gegenseitig zu.

Warum wird die fast fertige Unterkunft in Reinickendorf nicht zügig bezogen? Sozialsenator Mario Czaja, CDU:

"Die modulare Unterkunft in der Bernauer Straße ist vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten noch nicht abgenommen worden, weil noch bauliche Probleme, bauliche Mängel bestanden für die Abnahme. Nach unserem Dafürhalten wäre es, wenn jetzt abgenommen werden könnte und die Ausstattung des Objektes erfolgt, es gut möglich, das Objekt im Januar zu beziehen."

Mario Czaja kann problemlos Versprechen abgeben. Er muss sie nicht halten, ist er doch ab morgen nicht mehr im Amt. Den Ärger hat die rot-rot-grüne Nachfolgeregierung.

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