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StartseiteVerbrauchertippWenn eine Fluggesellschaft in Turbulenzen gerät14.06.2017

Flugastrechte bei Insolvenz Wenn eine Fluggesellschaft in Turbulenzen gerät

Flugausfälle, Verspätungen, Rekordverluste: Die Fluggesellschaft Air Berlin steckt tief in der Krise. Das sorgt bei den Kunden für Verunsicherung. Welche Rechte hätten sie bei einem Konkurs?

Von Dieter Nürnberger

Ein Flugzeug der Fluggeselleschaft Air Berlin befindet sich am 05.10.2016 im Landeanflug auf den Flughafen Berlin-Tegel. (dpa / picture-alliance / Ralf Hirschberger)
Aktuell hat Air Berlin mit Problemen zu kämpfen (dpa / picture-alliance / Ralf Hirschberger)
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"Wir wären froh, sie würden aufgekauft werden und es würde dann wieder funktionieren." - "Schwierig zu sagen, da ich in der letzten Zeit nicht so gute Erfahrungen gemacht habe." - "Dann würde eine andere Gesellschaft einspringen - hoffe ich."

Verspätungen, Flugausfälle, Übernahmegerüchte und nun noch geistert auch noch das böse Wort einer Insolvenz von Air Berlin durch die Lüfte. Die Passagiere sind verunsichert: Was wäre wenn?

Im Falle einer Insolvenz hat ein Kunde, der bereits sein Flugticket selbst gekauft und bezahlt hat, relativ schlechte Karten. Denn grundsätzlich bleibt ihm nur die Möglichkeit, die eigene Forderung gegenüber dem gescheiterten Unternehmen im späteren Insolvenzverfahren anzumelden, sagt Eva Klaar. Sie ist Expertin für Reiserecht bei der Verbraucherzentrale Berlin:

"Wenn Air Berlin Insolvenz beantragen muss, dann bleibt nichts weiter übrig, als dass man sich bei dem zuständigen Amtsgericht in die Insolvenztabelle eintragen lassen muss. Und hier ist der Kunde natürlich immer - was die Gläubigerschlange anbetrifft - derjenige, der ganz hinten steht. Aus der Erfahrung heraus ist das Geld, was man für das Ticket gezahlt hat, verloren."

Im Klartext: Nur wenn genug Geld in der Konkursmasse vorhanden ist, können Ticketinhaber unter Umständen auf einen Ausgleich hoffen.

Pauschalreisende sind besser abgesichert

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, hat dagegen im Zweifelsfall Glück im Unglück. Denn gesetzlich wird zwischen einer reinen Flugbuchung und einem Reisepaket unterschieden. Im Paketpreis sind dann neben dem Flugticket meist noch die Unterbringung und gegebenenfalls Verpflegung vor Ort enthalten. Vertragspartner bei einer solchen Pauschalreise ist der Reiseveranstalter - und eben nicht die insolvente Fluggesellschaft. Im Idealfall wird der Kunde von der Pleite wenig mitbekommen, weil der Veranstalter rechtzeitig auf eine andere Fluggesellschaft umgebucht hat.

Bei Pauschalreisen gibt es außerdem die Sicherungsschein-Regelung: Der Kunde erhält ihn mit den Buchungsunterlagen, er sollte prüfen, ob die Angaben darauf, die Reisedetails, korrekt sind:

"Und auch nur mit der Herausgabe des Sicherungsscheines ist der Reiseveranstalter überhaupt in der Lage und berechtigt, Zahlungen auf den Reisepreis - auch eine Anzahlung beispielsweise - anzunehmen oder zu fordern."

Startet die Pauschalreise dennoch aufgrund einer Airline-Insolvenz verspätet oder fällt sie ganz aus, kann der Kunde außerdem den Reisepreis entsprechend mindern und auch Schadenersatz bei möglichen Folgeschäden verlangen.

Nicht übereilt stornieren

Pauschalreisende sind somit bei einer Pleite der Fluggesellschaft besser abgesichert als lediglich Flugbuchende. Doch was tun? Ein gebuchtes Flugticket allein auf Konkursverdacht hin stornieren? Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin rät ab:

"Wenn jemand einen Flug gebucht hat und sagt, dass er das Risiko nicht eingehen möchte und somit vom Beförderungsvertrag zurücktritt, dann muss er damit rechnen, dass die andere Seite natürlich Stornokosten verlangt. Und bei den Sondertarifen sind das in der Regel 100 Prozent des Netto-Ticket-Preises. Lediglich die personenbezogenen Steuern und Gebühren sind dann in der Folge erstattungspflichtig."

Verbraucherschützer fordern aufgrund der unterschiedlichen Absicherung von Kunden im Falle eines Konkurses nun den Gesetzgeber auf, Airlines zu einer Insolvenzversicherung zu verpflichten. Ähnlich wie es bei Pauschalreiseanbietern schon seit rund 20 Jahren der Fall ist.

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