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StartseiteWirtschaft und Gesellschaft"Wir sind keine Einkommensmillionäre"06.11.2015

Flugbegleiter bei Lufthansa "Wir sind keine Einkommensmillionäre"

250.000 - als die Piloten der Lufthansa streikten, wurde diese Zahl immer wieder genannt. Denn bis zu 250.000 Euro verdienen Piloten dort am Ende ihrer Karriere. Wie viel aber verdienen Flugbegleiter der Lufthansa verglichen mit ihren Kollegen im Cockpit? Und wie sieht der Vergleich mit Billigfliegern wie Ryanair aus?

Von Stefan Wolff

Flugzeuge der Airline Lufthansa stehen auf dem Rollfeld des Flughafen in München. (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Ist der Abschlusstest bestanden, dann winkt dem neu eingestellten Bordpersonal bei der Lufthansa ein Einstiegsgehalt in Höhe von 1.670 Euro. Mit zunehmenden Dienstjahren steigt der Lohn jedoch teilweise stark. (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
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Der Beruf des Flugbegleiters lässt sich leicht erlernen. Die Ausbildung dauert bei der Lufthansa zwölf Wochen, bei vielen anderen Gesellschaften sogar nur halb so lang. Abitur muss nicht sein, doch verlangen die Airlines gute Fremdsprachenkenntnisse, bei der Lufthansa mindestens Englisch, sodass davon auszugehen ist: Es werden Bewerberinnen und Bewerber mit höheren Schulabschlüssen bevorzugt.

Ist der Abschlusstest bestanden, dann winkt dem neu eingestellten Bordpersonal ein Einstiegsgehalt in Höhe von 1.670 Euro. Zwar kommen bei der Lufthansa noch eine Schichtzulage und weitere Zahlungen hinzu. Doch ein Monatsgehalt in Höhe von 2.200 Euro brutto rechtfertigt die kürzlich getroffene Einschätzung von Nicolai Baublies, dem Chef der Flugbegleitergewerkschaft UFO: "Wir sind keine Einkommensmillionäre"

"Die Lufthansa ist konkurrenzfähig bei den Einstiegsgehältern"

Innerhalb des Lufthansa-Konzerns genießt die Lufthansa-Crew erst einmal keine Vorteile. Berufseinsteiger bei Germanwings bekommen 1.600 Euro Grundgehalt. Auch die deutsche Konkurrenz zahlt nicht viel schlechter. Wer bei Air Berlin anheuert, verdient in der Kabine 1.350 Euro, Tuifly zahlt als Einstiegsgehalt sogar über 1.700 Euro.

Auch sonst braucht sich die Lufthansa in diesem Segment nicht verstecken, erklärt Stefan Schöppner, Luftfahrexperte der Commerzbank:

"Also die Lufthansa ist konkurrenzfähig bei den Einstiegsgehältern. Also wenn man jetzt Neueinstellungen bei Ryanair oder Easyjet vergleicht, dürfte da kein so großer Unterschied sein. Es ändert sich dann, wenn man lange bei der Lufthansa gewesen ist, und Lohnsteigerungen nach dem Senioritätsprinzip genossen hat. Dann zahlt die Lufthansa deutlich mehr als die Wettbewerber."

Und auch mehr als die interne Lufthansa-Konkurrenz. Alle zwei Jahre rutscht das Bordpersonal eine Gehaltsstufe höher. Wer es dann noch zu einer verantwortungsvolleren Tätigkeit schafft, kann zu den Spitzenverdienern aufsteigen. Eine Purserin oder ein Purser, das sind die Chefs einer Crew, können nach 25 Berufsjahren bei der Lufthansa mit einem Bruttogehalt in Höhe von 6.700 Euro im Monat rechnen. Zuzüglich Spesen. Das ist ein gutes Gehalt, jedoch aus Arbeitgebersicht ein Problem, erklärt Stefan Schöppner:

"Etablierte europäische Airlines haben dieselben Probleme wie die Lufthansa. Das ist auch für die Lufthansa nicht die Messlatte, sondern die Messlatte sind die Neueinsteiger. Die sind in den letzten Jahren so stark gewachsen, dass die Probleme gar nicht vorhanden sind, weil diese Gesellschaften vor 10, 20 Jahren gar nicht in dieser Größe operiert haben."

Das heißt: Billigflieger wie Ryan Air oder die aufstrebenden Gesellschaften aus der Golfregion haben eine völlig andere Mitarbeiterstruktur als die Lufthansa, nämlich weit jüngere Personal, das damit auch billiger ist. Ein Purser bei Emirates kommt nach Konzernangaben auf ein Basisgehalt von umgerechnet 1.323 Euro. Das allerdings ist steuerfrei.

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