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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin unbezwingbares Monster23.11.2017

Flughafen BEREin unbezwingbares Monster

Schuld am Ärger mit dem Berliner Flughafen seien nicht nur Politik und die Flughafengesellschaft, sondern auch Technologiekonzerne wie Bosch oder Siemens: Je länger der BER am Boden bleibe, umso größer ihr Profit. Das habe dramatische Folgen, meint Claudia van Laak.

Von Claudia van Laak

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Baustelle Flughafen Berlin Brandenburg (BER) Willy Brandt. (dpa / picture-alliance / Ulrich Baumgarten)
Falscher Anreiz: Weil sie sich nach Stunden und Tagen bezahlen ließen, hatten die Technologiekonzerne lange Jahre kein Interesse daran, den Flughafen fertig zu bauen (dpa / picture-alliance / Ulrich Baumgarten)
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Das aktuelle TÜV-Gutachten schockt selbst hart gesottene, Kummer gewohnte BER-Beobachter. Zitat: "Der Betrieb der Entrauchungsanlage ist nicht zulässig." Zitatende. Das bedeutet: Die Verantwortlichen für den Bau des Hauptstadt-Airports bekommen seit mittlerweile mehr als fünf Jahren den Brandschutz nicht in den Griff. Schon vor genau 2.000 Tagen war es die nicht funktionierende Entrauchungsanlage, die die Eröffnung des BER - Berlins Ewige Ruine - verhinderte. Seitdem müssen wir immer wiederkehrende Szenarien erleben - die Verantwortlichen in Aufsichtsrat und Flughafengesellschaft kommen und gehen, das Monster - so heißt die Entrauchungslange intern - das Monster bleibt. Es wurde mittlerweile in drei Teile zerschlagen, scheint aber immer noch unbezwingbar zu sein.

Je unzuverlässiger, um so profitabler

Schuld daran ist nicht nur die Politik, nicht nur die Flughafengesellschaft. Schuld daran sind auch Technologiekonzerne, die weltweit mit ihrem Image "Made in Germany" reüssieren. Bosch und Siemens, um zwei Namen zu nennen. Diese Konzerne zeigen auf der Berlin-Brandenburger Flughafenbaustelle, wie es nicht geht. Hatten sie doch lange Jahre kein Interesse daran, den Flughafen fertig zu bauen, weil sie sich nach Stunden und Tagen bezahlen ließen. Je länger der BER am Boden blieb, umso größer der Profit.

Warum soll eine Brandschutzanlage fertig gestellt werden, wenn das Geld auch so fließt? Den Schaden hat in erster Linie die Stadt Berlin, die mittlerweile schon als "failed city" gehandelt wird. Dem neuen Flughafenchef Lütke-Daldrup ist es gelungen, einen Großteil der Verträge neu zu verhandeln, der Ärger bleibt. Zumal eine Eröffnung des BER immer noch nicht absehbar ist.

Mögliche Milliardenkosten für Tegel

2019, 2020, 2021? Nie? Die ständigen Verzögerungen haben dramatische Folgen. Solange der BER nicht eröffnet, kann Tegel nicht schließen. Der Flughafen Tegel wird schon lange auf Verschleiß gefahren, in Kürze ist er ein Sicherheitsrisiko - wenn nicht massiv investiert wird. Außerdem haben die Tegel-Anwohner bald einen Anspruch auf besseren Lärmschutz - all das könnte weitere Milliarden kosten.

Trotz der schlechten Nachrichten von heute will Flughafenchef Lütke-Daldrup in Kürze ein Eröffnungsdatum für den BER verkünden. Niemand wird daran glauben - vielleicht noch nicht einmal er selber. 

Claudia van Laak  (Deutschlandradio / Bettina Straub) Claudia van Laak (Deutschlandradio / Bettina Straub)Claudia van Laak, Jahrgang 1963, zog nach ihrem Studium von Germanistik, Journalistik und Wirtschaftswissenschaften in die "Noch-DDR". In Thüringen arbeitete sie beim MDR, wechselte dort als Landeskorrespondentin zum Deutschlandradio. Danach Korrespondentin in Brandenburg, jetzt Leiterin des Landesstudios Berlin.

 

 

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