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StartseiteUmwelt und VerbraucherMit Laserpointer und Pyrotechnik gegen Vogelschlag24.05.2018

FlugsicherheitMit Laserpointer und Pyrotechnik gegen Vogelschlag

Treffen Vogelschwärme in der Luft auf Flugzeuge, kann es gefährlich werden. Im schlimmsten Fall kommt es zum Absturz der Maschine - oder es gelingt eine Notlandung. An deutschen Flughäfen sorgt der Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr dafür, dass keine größeren Unglücke passieren.

Von Uschi Götz

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Ein Flugzeug der Gesellschaft Etihad hebt am Flughafen Frankfurt ab und trifft auf einen Vogelschwarm (imago / Bo van Wyk)
Wenn Vögel in die Triebwerke geraten, wird es gefährlich (imago / Bo van Wyk)
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Ein paar Hundert Meter entfernt von der Star- und Landebahn am Stuttgarter Flughafen steht Anna Kopp auf der Motorhaube ihres Jeeps. Mit dem Fernglas hält Ausschau nach Vögeln:

"Wenn wie jetzt gerade vom Westen her die Flieger starten und der Vogelschwarm unten im Osten ist, dann belasse ich den da."

Besondere Vorsicht ist nach der Brutzeit geboten

Anna Kopp ist Expertin für Wildtiergefahrenmanagement, sie kennt das Verhalten aller Vogelarten sehr genau. Start und Landung eines Flugzeugs sind mit Blick auf den Vogelschlag die gefährlichsten Phasen. Immer wieder geraten Vögel in Triebwerke, meist in Höhen um 200 Meter. Dabei machen vor allem große Vögel oder Vogelschwärme Probleme. Nach der Brutzeit ist besondere Vorsicht geboten:

"Also langsam wird es wieder mehr, da die Vögel schlüpfen, ausfliegen, dann haben wir wieder Starenprobleme, im großen Schwarm kommen die dann auch auf die Fläche."

Im Auftrag des Stuttgarter Flughafens sorgt sie mit den Mitarbeitern ihres kleinen Unternehmens dafür, dass möglichst keine Vögel den Flugbetrieb behindern. Von vergrämen sprechen dabei die Vogelexperten:

"Teilweise kontaktiert mich der Tower, ein Pilot hat einen Vogelschwarm gemeldet, dann fahre ich da hin und vergräme den, dass die beruhigt starten können."

Vergrämt werden Vögel und Vogelschwärme etwa mit Laserpointer, in hartnäckigen Fällen auch mit Schreckschusspistolen. Denn wenn Vögel in Triebwerke geraten, kann das Flugzeug dadurch beschädigt werden, oder sie fallen ganz aus. Jährlich entstehen allein deutschen Fluggesellschaften Schäden von rund 45 Millionen Euro. Manchmal muss das Vergrämen sehr schnell gehen, in der Nähe von der Start- und Landebahn werden dann sogar Gaskanone gezündet:

"Die kann ich mit Fernbedienung auslösen, mit der aktiven Pyrotechnik funktioniert das ganz gut."

Tierschützer sind gegen Pyrotechnik

Tierschützer sind strikt gegen derartige Methoden, immer wieder wird an Flughäfen demonstriert. Bundesweit konnte die Vogelschlagrate in den vergangenen 30 Jahren um rund 60 Prozent gesenkt werden. Das ist vor allem der Arbeit des Ausschusses zur Verhütung von Vogelschäden zu verdanken. Das Expertengremium ist in einem gemeinnützigen Verein organisiert und auf Fragen der biologischen Flugsicherheit spezialisiert. Für nahezu alle deutschsprachigen Flughäfen haben die Fachleute in den vergangenen Jahrzehnten individuelle Konzepte zur Vogelschlagverhütung ausgearbeitet.

"So stellen wir uns den idealen Flugplatz vor."

Heute haben sich die Experten zu ihrem jährlichen Mitgliedertreffen versammelt, das in diesem Jahr in Stuttgart direkt am Flughafen stattfindet. Forstwissenschaftler Christian Hellberg, Leiter der Verbandsgeschäftsstelle, zeigt auf einem Bild, wie der optimale Flugplatz jenseits der Start- und Landebahnen aussieht, nämlich bewachsen, mit hohem Gras.

Dann erfüllt das für die meisten Vögel nicht die Eigenschaft eines idealen Biotops, sondern da können sie sich schlecht drin bewegen, sie können ihre Nahrung schlecht sehen. Die Tötung von Vögeln nutze wenig, neue kämen nach. Etwa bei jedem fünften Vogelschlag erwischt es Allesfresser, wie Tauben und Möwen, besonders häufig, fast bei jedem zweiten Zwischenfall, sind mäusefressende Greifvogelarten betroffen.

Auch Hunde, Füchse und Greifvögel werden eingesetzt

Immer häufiger kommen Vierbeiner auf Flughäfen zum Einsatz. Hunde beispielsweise, in Stuttgart wurden Füchse angelockt - mit künstlichen Fuchs-Bauten. Das Konzept ging auf, Kiebitze, die es lange gab, sind längst verschwunden.

Als biologische Vogelvergrämungsmittel dienen auch abgerichtete Greifvögel und Falken. Anna Kopp trainiert einen Greifvogel, der spätestens in ein paar Monaten auf dem Stuttgarter Flughafen zum Einsatz kommen wird.

"Im Sommer sind wir täglich hier, von Dämmerung bis Dämmerung, da sind auch die größten Starenschwärme."

Ganz verhindern können die Experten Vogelschlag aber nicht: Immerhin rund zweimal pro Jahr muss eine Maschine nach dem Start wegen Vogelschlag wieder auf den Flughafen in Stuttgart zurückkehren. Reisenden ist dabei aber zumindest an diesem Flughafen noch nie etwas passiert.

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