Mittwoch, 13.12.2017
StartseiteCampus & KarriereEin Kampf an vielen Fronten 25.11.2017

FörderschulenEin Kampf an vielen Fronten

Die Uppenbergschule in Münster sollte eigentlich als eine von 13 Förderschulen in NRW dicht machen. Jetzt sieht es so aus, dass die Förderschulen nach dem Willen der neuen Landesregierung doch eine Zukunft haben. Bericht einer emotionalen Berg- und Talfahrt.

Von Marco Poltronieri

Ein Schulkind steht vor einer Tafel, auf der das Wort "Inklusion" geschrieben steht. (picture alliance / dpa)
Viele Betroffenen würden es begrüßen, wenn die Regierung die Wahlfreiheit für Förderschulen offen ließe. (picture alliance / dpa)
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Auf dem Pausenhof herrscht gute Stimmung: Lehrerin Sabine König hat im Moment nicht allzu viel zu tun, gleich geht’s mit Unterricht drinnen weiter. Seit 20 Jahren ist sie Förderschullehrerin an der Uppenbergschule. Fragt sich nur: "Wie lange noch?

"Es ist natürlich schwierig, mit einer Prognose zu arbeiten, die überhaupt nicht klar ist. Also, wir wissen weiterhin nicht, ob wir Bestand haben werden. Wir sind personell sehr knapp aufgestellt. Es wäre günstig, wenn nicht so viele halbe Stellen da wären. Es sind viele Kollegen in Abordnungen unterwegs, die hier nur stunden- oder tageweise sind. Also wir kämpfen ganz schön."

Kehrtwende: Noch einmal eine Verlängerung

Und das an allen Fronten. Im März hatte der Rat der Stadt Münster entschieden: Die Schule muss schließen, der Grund: zu wenige Schüler. Und das war landespolitisch auch so gewollt. Tatsächlich sank die Schülerzahl auf derzeit gerade mal 52. Dann die Kehrtwende: Die neue Landesregierung gab der Uppenbergschule noch einmal eine Verlängerung. Aufatmen bei Schulleiterin Ursula Krawinkel: 

"Die neue Landesregierung hat dann ein Moratorium ausgesprochen, das jetzt erst mal für zwei Jahre gilt. Wir warten sehr dringend hier auf die neue Verordnung über die Mindestgrößenzahl für Förderschulen, weil wir ja in Beratung mit Eltern treten, und da kommt immer die Frage, kann mein Kind hier noch einen Abschluss machen, wenn das im fünften Schuljahr nun eingeschult werden sollte."

Das ist die große Frage, um die sich derzeit alles dreht: Kann die Schule Eltern wie Katja Green davon überzeugen, ihr Kind mit Förderbedarf dieser Schule anzuvertrauen, oder entscheiden sich Eltern doch für eine Regelschule, wo es ja auch Inklusionsangebote gibt? Katja Green würde sich diese Frage nie stellen.

"Für mich gab's das noch nicht, weil die Gespräche zwischen Eltern und Lehrer sind so, dass die Lehrer auch einschätzen, wie es ist. Meine Kinder sind hier gut aufgehoben, warum soll ich sie auf eine andere Schule tun und hinterher kommen sie nicht klar?"

Zwei Kinder hat sie auf der Uppenbergschule. Als es im Frühjahr hieß, die Schule muss dicht machen, war auch bei ihr die Nervosität groß.

Große Unterschiede je nach Schulform

"Das war schrecklich, muss ich ehrlich sagen, also ich bin froh, dass die Schule erst mal erhalten bleibt, weil die Kinder fühlen sich hier auch sehr wohl. Ich hoffe, dass sie hier auch ihren Abschluss machen können."

Dafür will Lehrerin Sabine König alles tun. Wenn auch nur mit halber Stelle, die andere leistet sie als sogenannte Teilabgeordnete an einer Realschule ab, die Kinder mit Bedarf ebenfalls fördert. Sie hat also den Vergleich, wo was wie läuft. Den Grundgedanken der Inklusion findet sie gut, sagt sie, wie übrigens alle an der Uppenbergschule. Allerdings mit einem großen: Aber! 

"Der Teufel liegt wie oft im Detail, räumliche, sächliche Ausstattung, die an vielen Schulen fehlen, es fehlt Zeit, es müssten viel mehr Sonderpädagogen, die leider gar nicht da sind, in die Schulen gehen. Die Umsetzung war nach meiner Erfahrung zum einen sehr unterschiedlich in den Schulformen, zum anderen viel zu schnell."

Aber genau das ist die große Stärke der Uppenbergschule: Die Kinder gezielt zu fördern, bei denen die Lernfähigkeit oder die soziale und emotionale Entwicklung im Argen liegt. Ein maßgeschneidertes Angebot. Und niemand weiß es besser als die Sonderpädagogen dieser Schule: Kinder sind verschieden, und lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Ursula Krawinkel: 

"Was für das eine Kind gut ist, braucht für das andere nicht gut sein und umgekehrt. Ich find das gut, dass die Regierung die Wahlfreiheit für Förderschulen offen lässt und sollte bei diesen Möglichkeiten bleiben."

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