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Folkmusik und Liedermacher der DDRVolkes Stimme

Ostdeutsche Folkmusik war zu DDR-Zeiten ein Weg, verklausuliert politische Realitäten anzusprechen. Vieles hat sich seither verändert, eine einheitliche Szene gibt es nicht. Aber noch immer spielen Folk- und Volksmusik sowie Liedermacherkunst in Ostdeutschland eine besondere Rolle.

Von Jan Tengeler

Die sieben Mitglieder der Gruppe Bierfiedler/Folkländer von oben aufgenommen. (Uli Doberenz)
Keimzelle der ostdeutschen Folkmusik: Die Bierfiedler/Folkländer (Uli Doberenz)

Die Folkszene im Osten Deutschlands beginnt mit der Singebewegung Mitte der 1960er Jahre und lebt heute noch - nicht zuletzt auf dem alljährlichen Folk- und Weltmusikfestival im thüringischen Rudolstadt. Der Herbst vor 40 Jahren gilt dabei als Gründungszeitraum einer Bewegung, die das ganze Land ergriff. Eine Bewegung, die aus dem Wunsch entstand auch im sozialistischen Einheitsstaat eine eigene Stimme zu haben.

Musik: "Sternpolka" – Folkänders Bierfiedler

Eine Band, die im Mittelpunkt der ostdeutschen Folkszene stand, war die Leipziger Gruppe Folkländer. Gegründet wurde sie im Frühjahr 1976, um Musiker und Studenten wie Jürgen Wolff, Wolfgang Leyn, Uli Doberenz und Peter Uhlmann. Sie spielen bis heute für die Entwicklung der Folkszene in Ostdeutschland  eine wichtige Rolle, so betreiben Uli Doberenz und Jürgen Wolff eine Plattenfirma, die zeitgenössische Folkbands veröffentlicht.

Der Journalist und Perkussionist Wolfang Leyn wiederum begleitet die Szene zwischen Liedermachern und Volkstanz, zwischen alten Weisen und irischen Songs auch als Chronist. Rückblickend begann die Ostfolkszene 1966 mit der Singebewegung, bei der viele Oberschüler und Studenten mitmachten.

"Sie ist dann aber vereinnahmt worden von der FDJ, die FDJ war Partei gelenkt. Es wurden immer mehr sozialistische Erbauungslieder gesungen, das Publikum ging verloren, der Musizierspaß war irgendwie weg. Es gab einen Höhepunkt das waren die zehnten Weltfestspiele 1974 in Berlin, die zehnten Weltfestspiele der Jugend und Studenten und da war die ganze Welt in Berlin, ich habe mir sagen lassen, da war ein Hauch von Woodstock eine Woche lang in Ost Berlin. Und da war sehr viel Folklore, das war sicher auch die Anregung."

Aufmüpfige Lieder

"Die erste Phase, da hat man das wieder entdeckt, speziell den Steinitz mit den ‚Deutschen Volksliedern demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten’, erschienen 1956 und 62 in Ostberlin in der DDR im Akademie Verlag und damit sanktioniert. Und damit haben bereits die Liederjan in Hamburg und Zupfgeigenhansel in Esslingen, aber auch Folkländer in Leipzig und Jack&Genossen in Berlin und Brummtopf ihre Lieder gefunden, die Lieder, die man aus der Schule nicht kannte. Das waren dann aber aufmüpfige Lieder die uns unterschlagen worden waren."

Musik: "König von Preußen" – Peter Ruhland

"Die haben wir benutzt und haben schnell gemerkt, dass man mit diesen Liedern auch Kritik üben kann an Zuständen, ohne sie direkt ansprechen zu müssen. Also, man hat ein Lied gegen den Grill in der preußischen Armee im 19. Jahrhundert gesungen und alle im Publikum wussten, es war die Nationale Volksarmee gemeint."

Das revolutionäre "König von Preußen", das um 1800 entstanden ist, wurde in den 1960er Jahren zu einem Klassiker der kritischen Folkkultur in Ost-  wie in Westdeutschland. Der Rückgriff auf traditionelles Liedgut war eine Finte im ewigen Katz und Maus Spiel mit den offiziellen Kulturbehörden.

Politische Substanz in Volksliedern

"Das war der Pluspunkt, den die Folkszene in DDR, händereibend, vor sich hertrug: das haben wir nicht geschrieben, das ist Tradition und zur Tradition stehen wir doch, das war eine erklärte Kultur – Strategie – Linie: die progressive Tradition ist unser und da wurde gesagt: klar das machen wir, wir haben nichts dazu getan, das ist so. Auf Steinitz wurde viel Bezug genommen."

Manfred Wagenbreth, Sänger und Gitarrist der Bands Windbeutel und Folkländer. Und Jürgen Wolff, Gründungsmitglieder der Folkländer, der bis heute aktiv ist mit seinem sogenannten brachialromantischen Kabarett-Duo Sonnenschirm, ergänzt:

 "Uns hat das sehr interessiert, was an politischer Substanz in  Volksmusik drin ist, weil wir uns ja auch als kultureller Stachel im Fleisch des angepassten sozialistischen Kulturbetriebs sahen. Wir wollten Soldaten, Auswandererlieder singen, das war unser Ding rumzustänkern."

Musik: "Schlimme Zeiten" - Folkländer

"Wir haben als Folkloristen die Biermann-Krisenzeit gefüllt. Zwischen 76 und 83 da hatten die Liedermacher schlechte Karten in der DDR, die einen mussten raus, die anderen mussten genau überlegen, was sie sagen und wir haben uns immer hingestellt und haben gesagt: es ist traditionell!"

Die Gruppe Folkländer spielt auf einem Marktplatz  (Uli Doberenz)Die Gruppe Folkländer in den 1970er Jahren (Uli Doberenz)

Die Folkländer besingen die 'Schlimmen Zeiten’, die ab Mitte der 70er Jahre in der DDR vor allem für Liedermacher herrschten. Das Katz und Maus - Spiel mit der Obrigkeit war ja eben nicht nur ein Spiel, es konnte durchaus ernst werden. Uli Doberenz, ehedem Bassist der Folkländer und heute Labelbesitzer und Chef des großen Folklore und Weltmusikfestivals in Rudolstadt:

"Es war vieles möglich in der DDR"

 "Wenn man hier nicht gelebt hat, dann kann man es nicht begreifen. Es war vieles möglich, auch in der DDR. Aber sobald es eine Größe erreichte, dann wurden die oben gewarnt, dann konnten sie ganz anders drauf sein. Bei Krawczyk war es extrem, der dann auch nicht mehr spielen durfte oder nur noch in Kirchen. Aber so lange du nicht mit dem Plakat auf dem Markt standst auf dem man liest: ‚Nieder mit der DDR’ konntest du vieles machen. Wir haben ja auch diese ganze Straßenmusikbewegung ins Leben gerufen, und da waren die Oberen auch erst mal: Oh Gott jetzt stellen Sie sich einfach auf die Straße und singen ihre Lieder, das war erst mal was ganz Verpöntes, aber wir haben es durchgesetzt."

Musik: "So geht es in Schützelputzfingen" - Stephan Krawczyk/Liedehrlich

Wolf Biermann und später auch Stephan Krawczyk, hatten irgendwann eine Größe erreicht, die die Machthaber in der DDR dazu veranlassten, den Radius dieser Künstler drastisch einzuschränken. Gleichzeitig wuchs die Folkszene als solche weiter: Im Oktober 1976, wenige Tage vor der Ausbürgerung Biermanns, lud die Band Folkländer zur ersten DDR-offenen Folkwerkstatt nach Leipzig ein. Zehn Gruppen und vier Solisten nahmen teil. Das Datum gilt als konstituierend für eine eigenständige Szene. Die Folkwerkstätten fanden nun regelmäßig statt, neben den Folkländern nahmen Bands teil wie Brummtopf, Jack & Genossen, Wacholder, Bettelsack, der Singeklub der EOS Neuhaus, Liedehrlich oder Jams. 

Noch jede dieser Gruppen kannte die Widersprüchlichkeiten des DDR Systems und musste sich damit arrangieren: Die Formation Landluper etwa bekam 1984 wegen des antimilitaristischen Liedes "Der unerbittliche Hauptmann" ein einjähriges Auftrittsverbot. Dass sie eben jenen Song kurz zuvor für den Rundfunk der DDR aufgenommen hatten, spielte dabei keine Rolle.

Musik: "Der unerbittliche Hauptmann" - Landluper

Wenn man die Entwicklung der Folkmusik in Westdeutschland mit der im Osten vergleicht, lassen sich einige Parallelen ziehen  z.B. bei den Liedermachern, die ab Mitte der 1960er Jahre von der westdeutschen Burg Waldeck im Hunsrück auszogen, auch um mit deutschen Texten kritisch Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Themen zu nehmen. Wie in der DDR auch entwickelte sich diese Szene aus einer Tradition des gemeinsamen Singens. Vergleichbar ist auch der Einfluss des Irish Folk, der in den 70er Jahren gleichermaßen begeistert in Ost- wie Westdeutschland aufgegriffen wurde. Dann aber passierte etwas, das nur in der DDR eine flächendeckende Begeisterung hervorrief: es wurde getanzt. Wolfgang Leyn erinnert sich:

"Ich bin 77 in Ungarn gewesen, da gab es diese Tanzhausbewegung: das waren Studenten, die nach Siebenbürgen gefahren sind, dort haben sie sich abgeguckt, wie das gespielt wird, wie das getanzt wird. Dann haben sie das mitgenommen und haben mit Livemusik in Budapest und anderen großstädtischen Clubs mit jungen Leuten alte ungarische Volkstänze gemacht. Das habe ich dort erlebt und habe mit einem der Gründer der Bewegung ein Interview gemacht damals und habe ihm erzählt: ja, in der DDR gibt es auch so etwas Ähnliches wie hier, aber da wird nur gesungen, da wird nicht getanzt. Da hat er gesagt: das geht doch gar nicht! Das gehört zusammen: singen und tanzen!"

Musik: "Malzhauslied" – Notentritt

Tanzen, aber richtig, dazu müssen die Besucher wissen, was sie tun. Also übernahmen die folkbegeisterten Studenten aus der DDR auch die Idee des Tanzmeisters, bzw. der Tanzmeisterin von den sozialistischen Nachbarn aus Ungarn. Auf der Bühne musiziert die Band, vor der Bühne zeigt mindestens eine Person den Besuchern die richtigen Schritte. Tanzen wurde zur Mode. Auch den Kulturbehörden der DDR gefiel es, getreu dem Motto: "Wer tanzt, singt keine kritischen Lieder". Und so kam es, dass die ersten Veranstaltungen im Rahmen großer Parteifeste stattfanden.        

"Die Kinder haben angefangen, die kleinen Mädchen, die machen sich keinen Kopf und tanzen das einfach so, wie sie es verstehen. Und die Eltern haben mit den Füßen gezuckt und irgendwie hat man gemerkt: Lust haben die Leute eigentlich, man muss ihnen nur sagen wie es geht. 1979 bei einem großen nationalen Jugendfestival in Berlin mit einer Massendemonstration, wo die SED-Jugend die SED- Politik unterstützte, am Rande dieses nationalen Jugendfestivals gab es den Leaderpark in Lichtenberg. Und dort haben wir, ich war der Mitveranstalter, auf so einer kleinen Bühne, da haben wir angefangen mit zwei Tänzen, wir haben einen Squaredance getanzt und das andere war eine Polka, Polka Hacke-Spitze.

Musik: "Sternpolka" - Volksweise

Ab 1981 fanden in Leipzig regelmäßig Volkstanzabende statt. Die Folkländer, die sich in dieser Zeit in ‚Folkländers Bierfiedler’ umbenannten, musizierten. Die Tanzmeisterin und die Vortanzpaare der Gruppe ‚Kreuz & Square’ erklärten Schritte und Tanzfassungen. Auch in Berlin wurde Volkstanz unter jungen Leuten bald zum Renner, insbesondere die Band Jams lud regelmäßig - zeitweise dreimal im Monat – zu solchen Tanzabenden. Manfred Wagenbreth:

 "Ich wollte das niemals, aber das wurde ein Riesending, Veranstaltung mit tausend Leuten, die Volkstanz machen wollten: "Dann, jetzt alle!" Da staune ich heute noch, wie das funktionierte! Dazu waren Gäste eingebettet, Liedermacher, Rockbands, Punk, das war eine tolle Kiste, an die Zeiten denken Viele: Säkreterinnen, Autoschlosser kamen und walzten durch den Saal oder sowas."

"Die Folkszene war eine weitgehend studentische Bewegung"

Das klingt, als sei der Volkstanz in der DDR in den Achtziger Jahren zu einem Massenphänomen geworden. Wolfgang Leyn, Autor des Buches "Volkes Lied und Vater Staat" erinnert jedoch daran, dass die Bewegung von einer überschaubaren Gruppe von Künstlern ausging. Sie sei auch deshalb so stark beachtet worden in der DDR, weil es noch nicht so viele andere Dinge gegeben habe.

"Das Hauptpublikum für die Folkszene war eine weitgehend studentische Bewegung. Das war in den Studentenclubs, davon gab es sehr viele. Allein in Leipzig gab es zwölf Studentenclubs, von dem größten in der Moritzbastei, das war der größte Studentenclub in ganz Europa, bis zu einem kleinen Raum irgendwo in einem Studentenwohnheim. Viele von denen, nicht alle natürlich, haben neben Disco auch Konzerte gemacht. Die Clubs waren ganz wichtig, Jugendclubs gab es ein paar Tausend in der DDR, die hatten alle ein Budget und konnten Bands engagieren."

Die DDR Folkszene konnte von ihrer Musik leben

Und sie auch bezahlen. So konnten viele der Protagonisten der DDR Folkszene von dieser Musik tatsächlich leben. Paradiesische Zustände meint Wolfgang Leyn, die sich allerdings mit der Wende schlagartig ändern sollten.  

"Es ist so, dass 1990 ein ganz harter Einschnitt war, man muss vielleicht zum paradiesischen dazu sagen: Das Materielle war sehr günstig, die Instrumentenversorgung war schlecht und es gab natürlich auch eine politische Gängelung. Aber: Wie hat es sich entwickelt? 1990 sind erst mal die meisten Jugendclubs zugemacht worden. Damit war die Infrastruktur weg."

Und die Leute, die bis dahin professionellen Folk gemacht hatten, mussten sich nach etwas anderem umsehen. Von den siebzig Bands, die Wolgang Leyn in seinem Buch "Volkes Lied und Vater Staat" porträtiert, ist etwa die Hälfet noch heute musikalisch aktiv. Und es sind neue Bands mit jungen Musikern nachgewachsen

"Also, von der Zahl der Bands her ist es nicht weniger geworden. Aber, die können eben nicht davon leben."

Musik: "Vetter Michel" – Folkloregruppe der EOS Neuhaus

Von Folkmusik alleine kann heute kaum einer leben, weder in Ost- noch West-Deutschland. Und so erscheint im Rückblick die Geschichte der Folkszene der DDR der 70er und 80er Jahre, die Wolfgang Leyn in seinem Buch "Volkes Lied und Vater Staat" anlässlich des 40 jährigen Jubiläums der Band Folkländer erzählt, als historischer Sonderfall. Dort gab es eine Szene, die das gesamte Land umfasste.

"Eine Szene in der BRD hat es nie gegeben. Es gab wahrscheinlich eine im Norden in Hamburg, eine im Ruhrpott und eine im Alpenvorland. In der DDR hat es sie gegeben, die DDR war kleiner, die DDR war ein Zentralstaat und es gab immer bei allen Genres immer irgendwelche DDR zentralen Wettbewerbe.Das gab eine starke Vernetzung, die sogar heute noch funktioniert. Ich treffe Leute, die ich 20 Jahre nicht gesehen habe und es ist, als hätten wir uns gestern gesehen."

In Rudolstadt trifft sich die Folkszene aus Ost und West

Die eine Szene gibt es nicht mehr, aber es gibt tatsächlich den einen Ort, wo sich die Protagonisten der alten DDR Folkszene genauso treffen, wie die Folkies aus Westdeutschland, ein Ort, an dem die Volkstanztradition genauso lebendig ist, wie das gemeinsame Singen, an dem aber auch die neuen Strömungen rund um Volksmusik, Folk und Weltmusik vorgestellt werden. Es ist das Rudolstadt Festival, das jedes Jahr Anfang Juli in Thüringen stattfindet, und über das Jürgen Wagenbreth sagt:  

"Rudolstadt hat schon aus den Wurzeln profitiert. Uli Doberenz als Direktor hat die Konzeption gemacht, nach dem Mauerfall wurde es internationaler, aber es ist auch eine gerade Linie."

Musik: "Tourdion No2" - Ulman

"Aber wie sich die Folkszene verändert hat: Weltmusik kam dazu, nach der Wende ist der Deutschfolk den Bach runtergegangen, die Leute waren an anderen Sachen interessiert: Skandinaven, Balkan, Klezmer, die didaktische Textlastigkeit der Folkszene war nicht mehr so gefragt, für jüngere Musiker ist das eher lästig. Ich erinnere ein Gespräch mit Liederjan. 'Da passiert gar nichts in der Szene', habe ich gesagt. Ja, lass die doch mal Spaß haben, wir haben lange genug gelabert und insofern hat sich das Festival geändert, dieses Festival spiegelt das wieder, diese Diversifizierung. Das halte ich für einen der größten Vorzüge des Festivals."

Folk in unterschiedlichen Spielarten

Diversifizierung ist das Stichwort für die Folkszene Ostdeutschlands 27 Jahre nach dem Fall der Mauer und 40 Jahre nach der Konstituierung dieser vielbesungenen Szene. Die Übersichtlichkeit und auch die Strahlkraft mag verloren sein, aber Folk ist und bleibt in unterschiedlichen Spielarten lebendig: etwa in der Band ULMAN, in der die Kinder von einem der Gründer der Folkländer ihre traditionellen Instrumente mit elektronischer Klangerzeugung vermischen, um eine Art Trancefolk zu erzeugen.

Die Band Ulman aus Leipzig spielt mittelalterlich angehauchten Trancefolk. Aber es wird auch weiterhin gesungen: Die Formation Weltkind um den Dresdner Geiger Friedemann Hasse verbindet klassische Musik mit Singer Songwriter Elementen und Texten von Heine, Hölderlin und anderen Dichter der Klassik und Romantik.

Musik: "Weltlauf" – Weltkind

Folk 2016 im Osten Deutschlands bedeutet vor allem, dass die Genregrenzen durchlässiger geworden sind. Auch die Sängerin Bobo und der Multiinstrumentalist Sebastian Herzfeld verbinden literarische Texte mit innovativen Arrangements. Bei dem Gitarristen Andreas Schmittges gehen alte deutsche Volkslieder mit jiddischen Klezmerstücken eine Symbiose ein.

Musik: "Fort a Yidele" – Voices of Ashkenaz

Andere Bands, wie etwas das Lao Xa Trio, greifen auf die Klänge außereuropäischer Folklore oder öffnen sich auf Basis der Volksmusik dem Jazz und der Improvisation, wie etwa die junge Weimarer Gruppe Sammant.

Musik: "Verstohlen geht der Mond auf" - Sammant

Im Osten Deutschlands lebt die Folkmusik nach wie vor: Die politische Gängelung ist lange vorbei, die Doppeldeutigkeit der Texte ist unwichtiger geworden, auch weil man nichts mehr zu verheimlichen braucht. Dafür hat sich der Horizont erweitert. Zum Folk gehört die Musik im Osten lebender Migranten aus der Türkei, Syrien oder Vietnam mittlerweile genauso wie die Rückbesinnung auf alte deutsche Lieder, die immer wieder neu geschieht. Wenn Die Szene schon immer bunt war, dann ist sie heute sogar noch etwas bunter. 

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