Sport am Wochenende / Archiv /

 

Forderung nach Reformen

Anti-Doping-Kampf steckt in der Sackgasse

Von Robert Kempe

Wilhelm Schänzer, Leiter des Biochemischen Instituts der Deutschen Sporthochschule Köln
Wilhelm Schänzer, Leiter des Biochemischen Instituts der Deutschen Sporthochschule Köln (AP)

Der dritte Tag der internationalen Sportkonferenz "Play the game " in Köln stand ganz im Zeichen des Anti-Doping-Kampfes. Unterschiedliche technische Standards und die zu große Berechenbarkeit sind nach Ansicht der Experten die größten Probleme für die Dopingjäger.

Im Kampf gegen Doping gäbe es international immer noch große Unterschiede, zu dieser Einschätzung kam Wilhelm Schänzer, Leiter des Dopingkontrolllabors Köln auf der internationalen Sportkonferenz "Play the Game". So sei vor allem der Bereich der Dopinganalytik durch das Fehlen bestimmter technischer Analysegeräte - etwa in Osteuropa oder Asien - immer noch rückständig.

"In der Analytik ist es ja so, dass wir ständig versuchen neue Methoden, neue empfindliche Methoden einzusetzen, und das dauert aus meiner Sicht viel zu lange bis andere Laboratorien in Ländern, die nicht ebenso gute finanzielle Unterstützung haben, entsprechend nachrüsten können."

Dass der Anti-Doping-Kampf längst in einer Sackgasse angekommen sei, führte Prof. Perikles Simon aus. Das bestehende System sei zu durchsichtig und so für Doper und deren Umfeld leicht auszurechnen. Der Sportmediziner von der Universität Mainz regt daher neue Strukturen an:

"Dass zum Beispiel so etwas, ich sage mal, Wettbewerb unter den Dopingfahndern entstehen kann. Das würde ich sehr begrüßen. Also dass beispielsweise eben auch die Kölner die Möglichkeit bekommen in Russland effektiv zu kontrollieren. Und nicht nur die deutschen Athleten zu kontrollieren – und umgekehrt natürlich auch."

Auch Jonas Baer-Hoffmann forderte Neuerungen im Kampf gegen Doping. Als Generalsekretär der deutschen Basketballspielervertretung SPIN, bemängelt er seit Monaten den fehlenden Schutz der Persönlichkeitsrechte von Athleten im Anti-Doping-Kampf. Unverzichtbar ist für ihn daher:

"Dass wir Sportlern Wahlrechte, Mitspracherechte geben und eine Effektivität und den Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte herstellen."

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Sport aktuell

Uniklinik FreiburgMachtwort aus dem Ministerium

Die Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg, Theresia Bauer (Bündnis 90/Die Grünen), spricht im Ausweich-Landtag von Baden-Württemberg in Stuttgart.

In den Streit um die Aufklärung der Dopingpraktiken an der Universität Freiburg hat sich jetzt noch einmal Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Bauer eingemischt. Sie fordert "gründliche Aufklärung".

Anti-DopingNachhilfestunde mit US-Chefermittler Tygart

Der Vorsitzende der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, Travis Tygart, vor Beginn einer Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin

Travis Tygart ist im Anti-Doping-Kampf eine Ikone, nicht erst seit er Ex-Radprofi Lance Armstrong zu Fall gebracht hat. Jetzt war der Chefermittler der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA auf Stippvisite in Bonn, bei den deutschen Kollegen.

Uniklinik FreiburgEine Schlammschlacht sondergleichen

Ein Tropfen an der Nadel einer Spritze

Die Uniklinik Freiburg: sie stand im deutschen Spitzensport jahrzehntelang für Doping. Um die dunkle Vergangenheit hinter sich zu lassen, hat die Unileitung eine unabhängige Untersuchungskommission mit der Aufarbeitung beauftragt. Doch je beharrlicher die Aufklärer im Freiburger Doping-Sumpf wühlen, desto schneller möchte die Hochschulleitung offenbar, dass jetzt Schluss ist.