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Fotokunst und Sozialstudie

Das "Paar-Projekt" will das Paarverhalten der Deutschen anhand von Fotos beleuchten

Von Julia Batist

Für die Aufnahmen des "Paar-Projekts" gab es keine Vorgaben - außer in die Kamera zu schauen. Kleidung, Haltung, Mimik, Gestik – all das blieb den Paaren selbst überlassen (Nadine Preiß / Damian Zimmerman)
Für die Aufnahmen des "Paar-Projekts" gab es keine Vorgaben - außer in die Kamera zu schauen. Kleidung, Haltung, Mimik, Gestik – all das blieb den Paaren selbst überlassen (Nadine Preiß / Damian Zimmerman)

1971 erschien das Fotobuch "Paare", für das Beate und Heinz Rose Paare in ganz Deutschland fotografierten. 40 Jahre später versuchen nun die Fotografen Nadine Preiß und Damian Zimmermann eine Art Neuauflage dieses "Paar-Projekts". Paare aus allen gesellschaftlichen Schichten hat das Fotografen-Duo vor die Linse bekommen.

"Heizungsbaumeister, guck dir den mal an! 35 Jahre alt und Lebensmittelverkäuferin 30 Jahre alt."

Damian Zimmermann und Nadine Preiß blättern in dem 40 Jahre alten Fotoband von Beate und Heinz Rose. Schwarz-weiße Ganzkörperporträts, analog fotografiert, als Zeichen einer vergangenen Zeit.

"Sie steht in einem Minikleid da. Hat relativ gut aussehenden Schmuck an, sie stehen sehr stolz dort. Er hat den Arm um sie gelegt. Sie lächelt leicht. Er lächelt gar nicht – er ist sehr ernst. Er hat auch ein eingestecktes Tuch."

"Er hat 'ne Krawatte an. Er hat nen dunkeln Anzug an. Aber nochmal: Heizungsbaumeister und extrem schick angezogen. Und im Vergleich dazu kommen unsere Leute alle im Freizeit-Look."

Auch Preiß und Zimmermann wollen ihre Fotos in einem Buch veröffentlichen. Auch ihre Bilder dokumentieren ein Zeitalter. Der einzige Unterschied: Geknipst wird digital und in Farbe. Im Gegensatz zu früher scheint ein Foto heute nichts Besonderes mehr zu sein.

"Es gibt ein Paar, bei dem war ich ganz sicher, dass er im Anzug kommt. Weil er von Beruf Prokurist ist, gut Geld verdient, immer gut aussehen muss. Dann kommt der da mit Pflaster, barfuß, vom Freibad und hat Schweißflecken auf dem T-Shirt und stellt sich so vor die Kamera."

Nadine Preiß sieht in dem Paare-Projekt nicht nur Fotokunst, sondern sogar eine kleine Sozialstudie.

"Neben den Bildern gibt es ja die Angabe des Berufes und des Alters. Und durch diesen Dreiklang kann man wahnsinnig viel über die Gesellschaft ablesen. Ich glaube nämlich nicht, dass man was über die Paare selber, geschweige denn über die Liebe dieser Paare herausfinden kann, sondern man kann einen Zeitgeist herauslesen."

Und der zeigt sich vor allem in Details.

"Zum Beispiel dass die Frauen damals fast alle Kleider oder Röcke getragen haben. Auf unseren Bildern tragen die meisten Frauen Hosen. Ironischerweise haben die Frauen sich damals die Beine nicht rasiert – heute tun sie es. Dafür tragen sie aber Hosen."

"Wir wurden ganz oft gefragt, warum fotografiert ihr viel jüngere Paare als Beate Rose damals fotografiert hat. Dem ist nicht so. Wir schätzen diese Menschen von 1970, die Paare, viel älter ein."

Umarmungen und Körperkontakt vor der Kamera sind heute selbstverständlich. 1971 sah das anders aus. Distanz zueinander und verschränkte Arme fallen ins Auge.

"Wenn man sich heute die Bilder von damals anguckt, neigt man dazu zu sagen, das sind doch keine Liebespaare – ein Liebespaar hat sich anders hinzustellen."

Innigkeit lautet der Trend von heute. Doch ein Paar zeigt sich anders. Sie halten sich zwar an den Händen, sehen dabei aber fast teilnahmslos aus. Arnd Kriegler, der Mann auf dem Foto:

"Wir sind über 20 Jahre verheiratet, und wir legen keinen Wert auf irgendwelche Rituale."

Nur drei Fotos wurden jeweils geschossen. Nicht ohne Grund. In der digitalisierten Welt werden wir mit Fotos überschüttet. Dieser Bilderflut wollen die beiden Künstler gezielt etwas entgegensetzen.

"Dieses Bewusstsein, was es eben damals auch bei einem Foto gab, das möchten wir in unseren Bildern auch beibehalten. Es ist ein Kunstprojekt, und es geht darum, wie man zueinander steht und sich präsentieren will. Und da muss man ein Bewusstsein bei den Menschen schaffen und eben reduzieren."

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