• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 07:05 Uhr Information und Musik
StartseiteForschung aktuellFracking gefährdet auch Oberflächengewässer12.03.2013

Fracking gefährdet auch Oberflächengewässer

Studie belegt erhöhte Belastung mit gelösten Salzen

Im Zusammenhang mit Fracking, dem chemikalienbasierten Freisetzen von zum Beispiel Schiefergas, wurden bisher hauptsächlich die möglichen Folgen für den Untergrund diskutiert. Nun hat sich eine Studie mit der Belastung von Oberflächengewässern beschäftigt. Ein großes Problem ist der Umgang mit dem sehr salzigen Produktionswasser.

Von Dagmar Röhrlich

Eine Fracking-Anlage in Pennsylvania, USA.  (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)
Eine Fracking-Anlage in Pennsylvania, USA. (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)

Gefördert wird Schiefergas in den USA im großen Stil, und zwar aus Tonschiefern durch das sogenannte Fracking: Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und chemischen Zusätzen in den tiefen Untergrund gepresst. Risse entstehen, über die das Erdgas dann fließt. Zwar hat die sogenannte "Schiefergaswende" in den USA zu stark sinkenden Energiepreisen geführt, aber das Verfahren ist umstritten. In der nun veröffentlichten Studie geht es um die Belastung von Oberflächengewässern - unter anderem mit gelösten Salzen. Und untersucht wurden die Oberflächengewässer in Pennsylvania:

"Das erste wichtige Ergebnis betrifft etwas, das wir nicht gefunden haben: Zwischen 2000 und 2011 fanden wir flussabwärts von Schiefergasbohrungen keine gelösten Salze. In dieser Zeit gab es also keine größeren Leckagen in die Flüsse und Ströme."

Sheila Olmstead von der Nicht-Regierungsorganisation "Resources for the Future" in Washington DC. Sie und ihre Kollegen haben mehr als 20.000 Messungen zur Wasserqualität ausgewertet und entdeckten ein anderes Problem:

"In den USA wird dieses salzige Produktionsabwasser aus der Schiefergasförderung normalerweise in den tiefen Untergrund verpresst, damit es weder Oberflächen-, noch Grundwasser belastet. In Pennsylvania und den angrenzenden Gebieten funktioniert das aufgrund der geologischen Gegebenheiten nicht. Also lassen die Betreiber die Abwässer in kommunalen oder industriellen Kläranlagen behandeln. Allerdings werden nur wenige Anlagen mit diesen gelösten Salzen halbwegs fertig. Was wir davon in den Flüssen finden, stammt aus diesen Kläranlagen: Es ist das behandelte Abwasser, das sie in die Flüsse und Ströme leiten."

Das Ergebnis: Unterhalb der Kläranlagen steigt die Salzfracht um zehn Prozent. Das könne die Ökosysteme direkt schädigen und außerdem Schwermetalle oder Phosphate aus dem Sediment mobilisieren. Entfernen lässt sich diese Salzfracht nur mit Entsalzungsanlagen. Das ist teuer und energieintensiv und wird nicht gemacht. In Pennsylvania verschärfen neue Auflagen die Situation dadurch, dass zwar einerseits sehr viel weniger Kläranlagen diese Abwässer annehmen dürfen, neue Anlagen andererseits nur auf dem Papier existieren. Sheila Olmstead:

"Das einzige, was man derzeit gegen die Belastung tun könnte, wäre das Abwasser wieder auf mehr Behandlungsanlagen zu verteilen, damit es nicht so konzentriert an wenigen Stellen in die Flüsse gelangt. Wir brauchen dringend neue Anlagen, die strengeren Richtlinien genügen und sehr viel mehr Salz aus dem Abwasser entfernen als bisher."

Ein zweites Problem, mit dem sich die Gruppe beschäftigt hat, ist die Schwebstofflast der Gewässer:

"Wir fanden heraus, dass während der Bauphase durch Rodungen, den Straßen- und Pipelinebau oder die Installation von Bohrgerät und Förderanlagen die Erosion steigt und die Flüsse in Pennsylvania immer mehr Schwebstoffe transportieren."

Normalerweise werde in den USA Wert auf Anlagen wie Rückhaltebecken gelegt, die die Erosion und das Wegspülen der Sedimente vermindern, erklärt Sheila Olmstead. Seit 2005 ist die Öl- und Gasindustrie davon jedoch ausgenommen. Und längst nicht alle Anlagenbetreiber investieren freiwillig in diese Maßnahmen:

"In Pennsylvania sind Gegenmaßnahmen ohnehin nur bei Baustellen verpflichtend, die größer als zwei Hektar sind. Das ist bei wenigen Schiefergasförderanlagen der Fall. Wann immer ein Bau beginnt und die Oberflächen versiegelt werden, sollte man die Erosion kontrollieren und die Sedimentfracht, die in die Flüsse gelangt."

Auch die Schwebstoffe schädigen die Ökosysteme: Es dringt weniger Sonnenlicht in die Flüsse ein, die Wassertemperatur steigt und der Sauerstoffgehalt sinkt. Außerdem nehme die Wirtschaft Schaden, betonen die Autoren: Bewässerungsanlagen könnten verstopfen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk