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StartseiteUmwelt und VerbraucherGeplantes Atommüll-Endlager kämpft mit Kostenproblemen04.02.2016

FrankreichGeplantes Atommüll-Endlager kämpft mit Kostenproblemen

Das Atomendlager-Projekt in Lothringen sorgte für Schlagzeilen: Die Umweltministerin Ségolène Royal hatte eine umstrittene Kostenschätzung für Bau und Betrieb der Anlage veröffentlicht. Zudem kam es im unterirdischen Forschungslabor der geplanten Endlagerstätte zu einem tödlichen Unfall. Nun informierte die staatliche Agentur für die Atommüllverwaltung (ANDRA) in der Nationalversammlung über den Stand des Projekts.

Von Suzanne Krause

Ein Arbeiter im unterirdischen Labor des Atomendlagers Bure in Lothringen. (picture alliance / dpa / ncy)
Ein Arbeiter im unterirdischen Labor des Atomendlagers Bure in Lothringen. (picture alliance / dpa / ncy)
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Der Unfall, bei dem bei Probebohrungen im Versuchslabor, in 500 Metern Tiefe, ein abstürzendes Felsstück einen Arbeiter erschlug und einen zweiten verletzte, sei ein Drama, sagte Pierre-Marie Abadie gleich zu Beginn der Anhörung. Der Generaldirektor der ANDRA, der staatlichen Agentur für Atommüllverwaltung, gab zu: Die Belegschaft sei erschüttert. Die polizeilichen Ermittlungen laufen. Während die Gegner des geplanten unterirdischen Atomendlagers Umweltministerin Royal per Brief aufforderten, das Projekt sofort zu beenden: Nicht auszudenken wären die Folgen, käme es bei der Einlagerung hoch strahlenden Atommülls zu einem Erdrutsch. ANDRA-Chef Pierre-Marie Abadie wiegelt ab: Das Sicherheitskonzept verhindere, dass es zu einem solchen Vorfall kommen könne.

"Unsere doppelte Aktivität steht im Mittelpunkt unserer Betriebsführung. Wir werden zum einen die Anlage ausbauen und zum anderen radioaktiven Müll einlagern. Die Lagerzonen jedoch werden strikt von den Ausbauzonen getrennt sein. Und eingelagert wird nur in fertiggebauten Stollen: Dort, wo die Wände schon rundum Beton-verkleidet, abgestützt sind."

Die Atommüllentsorgung müssen dessen Erzeuger finanzieren, allen voran der Energiekonzern EDF. Der veranschlagte kürzlich die Kosten für Bau und Betrieb von Cigéo, dem sogenannten industriellen Zentrum für die Atommüllentsorgung, mit 20 Milliarden Euro. Umweltministerin Ségolène Royal hingegen bezifferte offiziell mit 25 Milliarden. Die Verwaltungsagentur ANDRA spricht von einem Bedarf von 30 Milliarden. Deren Generaldirektor erläutert, warum bei den unterschiedlichen Berechnungen die Schere weit auseinanderklafft.

"Das hängt davon ab, auf welche Weise man die Kosten nun einschätzt: konservativ oder optimistisch. Das betrifft zum einen die wirtschaftlichen Kosten: wie teuer ein Kubikmeter Beton und die Arbeitsstunde im Jahr 2050 sein werden. Das gilt auch betreffs des technischen Fortschritts, gewisser Ansätze, mit denen wir unser Vorgehen optimieren können."

2025 könnte die Anlage eröffnen

Beim Projektstart hieß es, dass Bau- und Betriebsherr ANDRA 2015 den Antrag auf Baugenehmigung vorlegen solle. Das wird nun voraussichtlich erst Mitte 2018 der Fall sein. Bis dahin muss auch die Umkehrbarkeit der Endlagerstätte, die Rückholbarkeit des Atommülls gesetzlich festgeschrieben werden. 2025 könnte die Anlage eröffnen, anfangs im Pilot-Betrieb. Angelegt ist sie nun nicht mehr nur für 100 Jahre Betrieb, sondern für 140 Jahre. Während der ersten 50 Jahre soll hier lediglich mittelstark strahlender Müll deponiert werden. Der Betriebszeitplan wurde also ausgedehnt. Die Sicherheit der Anlage ist oberstes Gebot, versichert Pierre-Marie Abadie.

Dennoch bleibe manche Frage zum geplanten Atomendlager offen, moniert Denis Beaupin. Der Abgeordnete von Europe Ecologie – Les Verts, der grünen Partei, ist einer der bekanntesten Kritiker des Projekts Cigéo. Beaupin wünscht sich zum Beispiel mehr Klarheit beim Thema Umkehrbarkeit der Endlagerung.

"Die Idee, die Anlage erst einmal im Pilot-Betrieb zu starten, ist nicht schlecht, immerhin wird der komplette Bau und Betrieb der Anlage 150 Jahre dauern – länger als die Bauzeit der ägyptischen Pyramiden. Aber wenn man wirklich die Lagerwaben für die Atommüll-Entsorgung testen will, muss man ihr Verhalten länger als während der zehn Jahre Pilot-Betrieb studieren können. Der Generaldirektor des staatlichen Instituts für Reaktor – und Strahlenschutz verlangt 30 Jahre Probebetrieb."
Der grüne Politiker verlangt eine Alternative zur unterirdischen Atommüllentsorgung. Deren Betreiber ANDRA hingegen ist vom Cigéo-Konzept überzeugt.

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