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StartseiteWirtschaft am MittagFrankreichs Unternehmer in Sorge21.06.2012

Frankreichs Unternehmer in Sorge

Hollandes Steuerpläne beunruhigen französische Wirtschaft

Frankreich steht unter François Hollande aller Voraussicht nach vor einer Ära der linken Wirtschaftspolitik. Neue Steuern auf Spitzengehälter und Börsengeschäfte dürften das Geschäft der Unternehmen deutlich erschweren. Frankreichs Ökonomie drohe abgewürgt zu werden, kritisiert die Arbeitgeberpräsidentin Frankreichs Laurence Parisot.

Von Ursula Welter

Nachdem die Sozialisten nun auch bei den Parlamentswahlen gesiegt haben, macht sich bei Frankreichs Unternehmern Unruhe über François Hollande Steuerpläne breit  (picture alliance / dpa Ian Langsdon)
Nachdem die Sozialisten nun auch bei den Parlamentswahlen gesiegt haben, macht sich bei Frankreichs Unternehmern Unruhe über François Hollande Steuerpläne breit (picture alliance / dpa Ian Langsdon)

Laurence Parisot ist eine elegante Frau, nicht besonders groß gewachsen, dafür um so energischer. Sprössling einer Familie von Möbelfabrikanten, selbst erfahrene Unternehmerin, Präsidentin des französischen Arbeitgeberverbandes mit 750 000 Mitgliedern.

"Ich denke, dass wir an einem kritischen Punkt der europäischen Geschichte angekommen sind", sagt die Arbeitgeberpräsidentin Frankreichs gegenüber dem Deutschlandfunk. Sie sei alarmiert – auch, angesichts einzelner Vorhaben der neuen französischen Regierung, vor allem aber mit Blick auf den Zustand Europas.

Gerade hat der britische Premier Cameron gesagt, er werde den französischen Unternehmen den roten Teppich ausrollen, falls sie - angesichts der Steuerpläne der neuen französischen Regierung - fliehen wollten: Weitere Besteuerung der Dividenden, von denen bereits Sozialbeiträge abgeführt werden,
höhere Finanz-Transaktionssteuer als von Sarkozy geplant, 75 Prozent Spitzensteuersatz für Einkommen oberhalb einer Million Euro, noch höhere Lohnkosten durch höheres Mindesteinkommen,
Anhebung der Vermögenssteuer - all das beunruhigt Frankreichs Wirtschaftslenker.

Noch, sagt Arbeitgeberpräsidentin Parisot, gebe es keine Absatzbewegung französischer Firmen, aber die Signale der Entmutigung würden durchaus wahrgenommen, Frankreichs Ökonomie drohe, abgewürgt zu werden. Vor allem aber sei sie beunruhigt mit Blick auf Europa, die Wirtschaft und die Demokratie.

"Natürlich müssen wir unsere Differenzen überwinden", sagt Laurence Parisot," angesichts der schwierigen Wirtschaftslage. Aber darüber hinaus wird es Zeit, dass wir die Entscheidungsmechanismus in Europa verändern."

Frankreichs Arbeitgeberpräsidentin fordert den großen Wurf: "Wir, die französischen Unternehmer, wollen eindeutig ein föderales Europa", sagte Laurence Parisot.

Die Firmen hätten in den vergangenen Jahren die Vorteile der Eurozone erfahren, sie alle seien überzeugte Europäer, sagt die Arbeitgeberpräsidentin, aber:

"… sie haben auch die Last getragen der Hyper-Regulierung, der Bürokratie und der Unzulänglichkeiten in diesem Europa."

Auch deshalb wollen die französischen Firmenlenker in der kommenden Woche in Brüssel, wenige Tage vor dem EU-Gipfel, eine Aktion für "Mehr Europa" starten:

"Wir wissen, dass wir gegenüber den großen Spielern wie China, Indien, den USA unsere Produkte und Ideen nur entwickeln können, wenn wir ein geeintes Europa sind. Alle Unternehmer wissen, dass die Regierungen aus Europa eine kreative Zone machen müssen, um Europa aus dem Schlamassel herauszuholen."

Laurence Parisot versteht unter Kreativität den weitreichenden politischen Umbau Europas und sagt, sie wünsche sich Staatenlenker, die zu diesem großen Wurf in dieser kritischen Situation fähig wären.

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