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Französische ArmeeKriegsnotizen aus Mali

Im westafrikanische Mali ist die französische Armee seit Mitte Januar 2013 im Einsatz. Mit der Opération Serval wurde das Land innerhalb weniger Monate von islamistischen Gruppen befreit - General Bernard Barrera beschreibt in seinem Buch den Einsatz vor Ort.

Von Suzanne Krause

Zu sehen ist ein Arm eines Bundeswehrsoldaten mit dem Missions-Logo von MINUSMA, der Unterstützungsmission der Bundeswehr in Mali. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
Im Rahmen der Mission "MINUSMA" ist die Bundeswehr im Senegal und in Mali im Einsatz (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
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Barreras Buch beginnt mit einer ersten Bilanz, die der General fünf Wochen nach Ankunft des französischen Heers in Mali zieht.

"Samstag 23 Februar 2013 - Gao, am Ufer des Flusses Niger:
Jetzt sind wir mittendrin. Paris bittet mich, so schnell wie möglich anzugreifen, das Bergmassiv von Adrar einzunehmen. Der Kampf beginnt. Innerhalb eines Monats haben wir Timbuktu und den Süden von Mali befreit. Mit unseren Panzern sind wir bis an die Grenzen nach Algerien und Niger vorgestoßen und haben die in die Enge getriebenen Terroristen überrascht, die sich unbesiegbar glaubten. Nun greifen sie uns in den Städten an, bemüht, wieder die Oberhand zu gewinnen. 500 Kilometer weiter nördlich verschanzen sie sich in den glühend-heißen Tälern des Adrar, ihrem Refugium. Bislang hat niemand sie aufspüren können. Der "Nebel des Krieges" lichtet sich langsam, sehr langsam. Wir müssen schnellstmöglich vorankommen, sie zerschlagen."

Die Opération Serval, benannt nach den pfeilschnellen afrikanischen Wildkatzen, war ein Einsatz von 5000 französischen Soldaten in Mali. General Barrera kommandierte die Bodentruppen. Mit seinen Kriegsnotizen liefert er eine akribische Frontchronik. Im März durchkämmten Barreras Männer das Adrar-Massiv: Tal für Tal, Schlacht über Schlacht.

"Die Legionäre finden einen verwundeten Kindersoldaten. Hinter einem Steinmäuerchen unter einer Decke versteckt, zittert das Kind im Wundfieber. Seit zwei, drei Tagen wartet es auf den Tod, genau wie der andere verletzte Dschihadist, der unter einem Felsen gefunden wird, einen Tropf im Arm und an seine Munitionskiste gelehnt. Diese und weitere Entdeckungen markieren zweifellos einen Wendepunkt für die Kämpfer unserer Brigade. Unsere Verbündeten, die Tschad-Soldaten, hatten uns schon vorgewarnt, dass die Terroristen Kinder einsetzen. Aber ein verletztes und wehrloses Kind zu finden, erschüttert uns in unserem Selbstverständnis als Soldaten und als Familienväter. An diesem Tag hat auch der letzte von uns begriffen, dass unser Gegner kein Ehrgefühl hat.

Der Einsatz in Mali lehrte mich: Friede und Freiheit fallen einem nicht einfach zu. Wir waren in Mali, um das Land zu befreien. Und um zu verhindern, dass der Feind uns vor unserer Haustür angreift. Wir haben ein wahres Terroristen-Woodstock ausgehoben, mit Waffendepots, modernsten Computern, die Terroristenhandbücher zur Exekution von Geiseln und zum Bombenbau enthielten. All dies war für den Export in die westliche Welt bestimmt."

Schilderung des Frontalltags

Bernard Barrera gilt in Frankreich als der Mann, der Mali befreite. Mit seinen "Kriegs-Notizen zur Operation Serval" setzt der General seinen Truppen ein Denkmal. Doch das Werk ist mehr als nur ein Soldatenhandbuch der modernen Kriegsstrategie. Anekdotenreich und sehr lebendig schildert der Autor den Frontalltag, geprägt von Gluthitze, Versorgungsengpässen und permanenter Alarmbereitschaft. Seine Beschreibungen ziehen auch Leser, die mit der Welt der Militärs wenig vertraut sind, in den Bann. Viele Medien von der linken Tageszeitung "Libération" über die Illustrierte "Paris Match" bis hin zum öffentlichen Rundfunk lobten das Buch als packend geschriebenes Zeitzeugnis im Stil eines Abenteuerromans.

Die Opération Serval wird als herausragender militärischer Erfolg bezeichnet: Innerhalb von vier Monaten gelang es, die Truppen der Terroristen zu zerschlagen. Ein Vierteljahr später fanden in Mali freie Wahlen statt. Der Friedensvertrag jedoch, den die malische Regierung mit Rebellengruppen im Mai 2015 schloss, wurde bald durch neue Attentate gebrochen.

"Heute sind die Truppen aus Frankreich, Mali und der UN-Mission Minusma mit der Stabilisierung der Zone beschäftigt. Mag es auch immer wieder zu terroristischen Angriffen kommen – im Januar 2013 hatten wir es mit Hunderten von Terroristen zu tun, die Städte besetzt hielten und die Bevölkerung peinigten. Die Waffen haben gesprochen, aber der Konflikt kann nur auf politischer Ebene gelöst werden. Die langjährigen Unstimmigkeiten zwischen den malischen Tuareg und den Süd-Maliern sind keineswegs bereinigt und drängender denn je."

Viele Soldaten, die unter General Barrera vor drei Jahren in Mali dienten, patrouillieren heute durch Frankreichs Straßen, um islamistische Terroraktionen zu vereiteln.

Kürzlich erhielt Bernard Barrera Neuigkeiten aus Gao: Auf den Straßenmärkten herrscht wieder buntes Treiben, die Scharia-Parolen an den Hauswänden sind heute übertüncht. In Gao sollen künftig die Bundeswehrsoldaten stationiert werden.

"Das Wichtigste für die Soldaten bei diesem Einsatz ist meiner Meinung nach, dass sie ihre Prinzipien und den Ehrenkodex der Armee respektieren. Sich von den Terroristen nicht zu Hassausbrüchen und verabscheuungswürdigen Taten verführen lassen. Denn das streben die an – uns zu ihresgleichen zu machen."

Buchinfos:
General Bernard Barrera: "Opération Serval - Notes de Guerre Mali 2013", Editions du Seuil, Mai 2015, 446 Seiten, Preis: 21,50 Euro

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