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StartseiteSport am WochenendeFrauen auf den Platz!10.03.2012

Frauen auf den Platz!

Sawsan Taqawi hat in Bahrain die Frauenfußball-Nationalauswahl und das Schwimmteam gegründet

Der Duft der großen Sportwelt hat es vielen arabischen Staaten angetan – die Öffnung des Sports für die Frauen aber bereitet ihnen Probleme. Nach Meinung konservativer Geistlicher ist die Hauptaufgabe der Frauen die Betreuung von Mann und Kindern. In Saudi-Arabien beispielsweise werden weibliche Fitnessclubs immer wieder von der Polizei geschlossen. Es gibt aber Bewegung. Das zeigt das Beispiel Sawsan Taqawi.

Von Katharina Hamberger

Sawsan Taqawi (picture alliance / dpa /MAZEN MAHDI)
Sawsan Taqawi (picture alliance / dpa /MAZEN MAHDI)

"Disziplin und Regeln", das sind Dinge, die Sawsan Taqawi mag. Das sieht man ihr aber nicht sofort an. Sie trägt einen schwarzen transparenten Schleier locker über die dunklen Haare, eine Nadelstreifenbluse und einen eher legeren Blazer. Während sie spricht, dreht sie ihr Handy unruhig in ihrer Hand. Der Lebenslauf der 39-jährigen beweist ihren Ehrgeiz. Schon als Kind hat sie viele Medaillen im Turnen gewonnen, später dann Sport studiert, und heute sitzt sie im Parlament von Bahrain, zuständig für Verteidigung, nationale Sicherheit und Außenpolitik. Ihr Herz hängt aber nach wie vor am Frauensport:

"Ich denke Frauen brauchen Sport für ihre Gesundheit, deshalb ist Sport für mich sehr wichtig."

Taqawi ist außerdem Mitglied im Frauen- Komitee des asiatischen Fußballverbandes und zuständig für Frauenfußball in West-Asien. Diese Position hat sie bekommen, weil sie sich zuvor massiv für Frauensport in Bahrain eingesetzt hat. Ohne Sawsan Taqawi gäbe es kein nationales Frauenschwimmteam. Das hat sie nämlich 2001 gegründet. Auch das Frauenfußballteam geht auf die Initiative der 39jährigen Parlamentarierin zurück. Kommt das Gespräch auf diese Mannschaft, dann ist ihr die Begeisterung anzumerken.

"Es gibt Fußball in den privaten Schulen, aber nicht in den staatlichen. Aber wir haben rausgefunden, dass sich die Mädchen von den staatlichen Schulen nachmittags mit denen aus der Privatschule treffen, um Fußball in Hinterhöfen zu spielen. Also sagte ich mir, warum fördern wir nicht Fußball in beiden Schularten."

2003 gründete sie dann die Frauen-Fußballnationalmannschaft. Heute gewinnt Frauenfußball immer mehr an Stellenwert im Land- auch wenn es nach wie vor noch nicht in allen Schulen Unterrichtsfach ist. Mit der in muslimischen Ländern oft schwierigen Kleiderfrage im Sport geht Bahrain pragmatisch um: Ihre Heimat sei zwar ein islamisches Land, aber, so erzählt Sawsan Taqawi, die Sportkleidung unterliege internationalen Regeln. So werden beim Schwimmen Badeanzüge getragen und beim Fußball halten sich die bahrainischen Fussballerinnen auch an das, was international üblich ist.

"Wenn die Vorschrift sagt, es sollen kurze Hosen sein, dann sollen es kurze Hosen sein. Wir folgen dem Reglement. Es wird keine andere Kleidung geben, denn wenn wir den Sport spielen wollen, müssen wir den Gesetzen des Spiels folgen."

Die Fußballerinnen von Bahrain verzichten im Spiel auch aufs Kopftuch. Denn so steht es noch im FIFA–Reglement. Und solche Regeln mag Sawsan Taqawi nicht nur, sie hält sie für sehr sinnvoll:

"Keine Hautfarbe, keine Sprache, keine Religion kann Sport beeinträchtigen. Sport bringt die Menschen zusammen, ohne sie zu diskriminieren. Wir wollen nicht sagen, Sport bringt nur Muslime zusammen, nein Sport bringt Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Alle müssen die gleichen Regeln befolgen genauso wie sie dem gleichen Sportsgeist folgen."

Beim Sport verschwinden für sie auch die Unterschiede zwischen Mann und Frau.

"Ich glaube nicht an die Trennung zwischen Männersport und Frauensport. Jeder soll das machen was er oder sie gerne macht."

Wer heute Sport macht, erlebt heute in Bahrain und vielen Teilen der Welt Gleichberechtigung. Bei den Sportfunktionären sieht die Parlamentarierin noch Nachholbedarf.

"Wenn mehr Frauen in diesen Bereich kämen, würde das sicher großes Erstaunen auslösen. Wir brauchen also dringend mehr Frauen, dort, wo bislang Männer sitzen."

Sie selbst hat es in der Welt des Fußballs weit nach oben geschafft. Dass heißt aber nicht, dass sie nicht noch höher hinaus möchte, vielleicht sogar ganz nach oben.

"Wir brauchen eine Veränderung. Wissen Sie, Sepp Blatter tut viel für die Frauen, und ich hoffe er gibt seinen Posten an eine Frau ab, die dann Präsidentin der FIFA werden kann. Ich hoffe es, ja, es ist ein Wunsch."

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