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Frauen werden Männer

Neue Filme: "Coriolanus", "Die 1000 Euro-Generation" und "Man for a Day"

Von Jörg Albrecht

Diane Torr (l) in einer Szene aus dem Film "Man for a day"
Diane Torr (l) in einer Szene aus dem Film "Man for a day" (picture alliance / dpa / Salzgeber & Company Medien)

Die Dokumentation "Man for a Day" zeigt eindringlich und unterhaltsam die "Mann-Werdung" einer Frauengruppe in einem Workshop der Genderaktivistin Diane Torr. Das Regiedebüt "Coriolanus" des Schauspielers Ralph Fiennes kommt dagegen eher hölzern daher.

"Aufstand in Rom. Weil es hungert, geht das Volk auf die Straße und protestiert gegen den Staat. Zur gleichen Zeit erhebt sich eine italienische Provinz und zieht gegen Rom in den Krieg."

"Für den römischen General Cajus Marcius ist es ein Kampf an gleich zwei Fronten. Zum einen geht er mit aller Härte gegen die Angreifer von Außen vor, zum anderen verhöhnt er die Aufständischen im Innern."

"Was gibt es – streitsüchtiges Gesindel, die Ihr das bisschen Eurer Meinung so lange kratzt, bis Ihr schließlich zu Schorf werdet. – Von Euch bekommen wir doch immer gute Worte."
Schauspieler Ralph Fiennes, der Cajus Marcius spielt, gibt mit der Verfilmung von Shakespeares nicht gerade populärem Römerdrama "Coriolanus" sein Regiedebüt. Fiennes hat die Geschichte aus dem 4. Jahrhundert in eine womöglich nicht allzu ferne Zukunft verlegt und ihr so dystopische Züge verliehen. Shakespeare in modernem Gewand, aber vorgetragen in Originalsprache. Keineswegs eine neue Idee. Zeitgenössische Interpretationen von Shakespeare haben seit der Gründung der Royal Shakespeare Company Anfang der 1960er Jahre durch den Theaterregisseur Peter Hall in Großbritannien Tradition.

"Was verlangt Ihr, Ihr Hunde, die Krieg nicht wollen noch Frieden. Der Eine schreckt Euch, der Andere macht Euch stolz. ... What would you have, you curs, that like nor peace nor war? The one affrights you, the other makes you proud.."

Ob im englischen Original oder auf Deutsch – egal also welche Version man auf der DVD bzw. Blu-ray auch wählt: Es ist weniger die 400 Jahre alte Sprache, die Befremden auslöst als vielmehr die halbgare Inszenierung. So sehr sich Ralph Fiennes auch bemüht, die Aktualität von Shakespeares Coriolanus zu unterstreichen – sowohl in den Szenen, in denen die Volksvertreter miteinander diskutieren, als auch in denen des Straßenkampfs – sein Versuch einer zeitlosen Parabel wirkt leblos, hölzern und aufgesetzt. Eine interessante, aber doch eher missglückte Shakespeare-Modernisierung.

"Coriolanus" von Ralph Fiennes – zwiespältig.
Erhältlich ab sofort als Kauf-DVD und Blu-ray.

"Die 1000 Euro-Generation"

Auf die Straße gehen, um gegen fehlende berufliche Perspektiven und niedrige Löhne zu demonstrieren, würde Matteo, der Protagonist aus dem Film "Die 1000 Euro-Generation", wohl eher nicht. Von sich selbst sagt der 30-jährige Italiener, dass er ein Klischee sei. 1000 Euro verdient er im Monat in einem Job, den er nicht möge – für eine Firma, die ihn nicht möge. Jeder erzähle ihm, dass er doch glücklich sein müsste. Wenn Matteo nur wüsste, wie es weitergehen soll und was die Zukunft für ihn bereithält.

Um die Ungewissheiten des Lebens als Bedrohung zu empfinden, braucht der italienische Filmemacher Massimo Venier – anders als Ralph Fiennes in "Coriolanus" – keinen Hunger, keinen Volksaufstand und keinen Krieg. Venier reicht dazu ein Blick auf die Lebenswirklichkeit der Generation Y oder auch Praktikum – also den jungen Menschen in den Industriestaaten, die heute zwischen 25 und Anfang 30 sind. Gut ausgebildet, aber ohne Chance auf eine Festanstellung. Daraus kann man nun ein sozialkritisches Drama machen oder eine Komödie oder aber auch beides. Massimo Venier hat sich für die dritte Variante entschieden mit deutlicher Betonung der komischen Anteile. Das geht zwar mitunter auf Kosten der Glaubwürdigkeit von Figuren und Geschichte. Dafür aber überzeugt die frische, lebendige Inszenierung. Der Film läuft in der italienischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

"Die 1000 Euro-Generation" von Massimo Venier – akzeptabel!

"Man for a Day"

"I just wanna say, that this week is going to be such an exciting week. And I am so overjoyed that you could all come. "

Eine aufregende Woche liege da vor ihnen. Die aus Schottland stammende Diane Torr begrüßt die Teilnehmerinnen an ihrem Workshop in Berlin. Eine Woche, in denen die Frauen ein Ziel verfolgen: Sie alle wollen sich in den Mann ihrer Wahl verwandeln. Dabei gehe es, betont die Künstlerin, um mehr als nur um Maskerade. Als sogenannte Gender-Aktivistin hat sich Diane Torr einen Namen gemacht. Ihre These: Geschlechtsspezifisches Verhalten entwickle sich nicht von Natur aus. Mann und Frau eigneten es sich an.

"Just as being woman is about a performance. Gender is just a repeated series of gestures."

Die Hamburger Filmemacherin Katarina Peters hat den Workshop und die einzelnen Stationen der Mann-Werdung mit der Kamera begleitet. Das Resultat ist die unterhaltsame Dokumentation eines spannenden Experiments mit subtilen Einblicken in Frauen- und Männerwelten.

"Man for a Day" von Katarina Peters – empfehlenswert!

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