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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Mittel zum Zweck – aber ein wichtiges16.08.2017

FrauenquoteEin Mittel zum Zweck – aber ein wichtiges

Dass die Frauenquote bislang nur für Aufsichtsräte und nicht auch für Vorstände gilt, bleibe ein Ärgernis, meint Barbara Schmidt-Mattern. Wie immer gilt: Frauen müssen sich selbst durchsetzen. Die Quote ist dafür nur Mittel zum Zweck, aber ein wichtiges.

Von Barbara Schmidt-Mattern

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Eine Frau unter Männern (dpa / picture-alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Der neue Bericht der Bundesregierung zum Frauenanteil in Führungspositionen sei ein Warndreieck für den dringenden Nachholbedarf, meint Barbara Schmidt-Mattern. (dpa / picture-alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
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"Die Frau sieht manche Dinge anders als der Mann, und vielleicht ist ihr Gesamturteil besser als das des Mannes." Konrad Adenauer, von dem diese Worte stammen, war zwar kein Freund von Experimenten, aber ein schlauer Wahlkämpfer. Adenauer kündigte deshalb 1961 an, im Falle seiner Wiederwahl erstmals eine Frau ins Kabinett zu berufen.

So viel Großzügigkeit ist heute gottlob nicht mehr nötig, sechs von 15 Bundesministerinnen sind Frauen. Weniger als die Hälfte zwar, aber immerhin ein besserer Schnitt als in den meisten deutschen Aufsichtsräten. Insofern ist der neue Bericht der Bundesregierung zum Frauenanteil in Führungspositionen ein wichtiger Fingerzeig, ja ein Warndreieck für den dringenden Nachholbedarf.

Knapp zweieinhalb Jahre nach Einführung einer gesetzlichen Frauenquote ist der Anteil weiblicher Führungskräfte in der deutschen Privatwirtschaft zwar um ein paar Prozent gestiegen – was ohne Zweifel gut ist – aber dass die Quote bislang nur für Aufsichtsräte und nicht auch für Vorstände gilt, bleibt ein Ärgernis. Und ein Handlungsauftrag für die nächste Bundesregierung, nach dem 24. September.

Selbstverpflichtungen wirken wie vegetarisches Hundefutter

Beim Blick in die Wahlprogramme machen Linkspartei und Grüne den Wählerinnen hier die meiste Hoffnung. Auch Familienministerin Katarina Barkley von der SPD liegt völlig richtig, wenn sie der Wirtschaft mit rechtlichen Schritten droht, damit endlich mehr passiert. Selbstverpflichtungen in diesem Kontext wirken wie vegetarisches Hundefutter: Beides bleibt liegen.

Dumm nur – und das weiß auch Barley ganz genau – dass die SPD eventuell gar nicht ernst machen muss, weil sie in einem Jahr vielleicht längst auf der Oppositionsbank sitzt. Die FDP lehnt die Frauenquote hingegen komplett ab, die AfD erwähnt sie gar nicht erst. Und die Kanzlerin legt sich nicht fest: Im Wahlprogramm der CDU ist gewohnt nebulös von "weiteren notwendigen Anstrengungen" die Rede.

Frauenquote nützt vor allem hoch qualifizierten Akademikerinnen

Auch rückblickend hat Merkels Regierung einiges versäumt: Der geplante Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit scheiterte am Widerstand der Union, und auch das längst überholte Ehegatten-Splitting, das die Lohnschere zwischen Frauen und Männern aufrecht erhält, ist immer noch in Kraft.

IWF-Chefin Christine Lagarde schüttelt darüber nur den Kopf, und die EU-Kommission ebenfalls. Das Ehegatten-Splitting zu kippen, wäre übrigens ein Schritt, von dem auch weniger gut ausgebildete Frauen profitieren würden. Die Frauenquote hingegen nützt vor allem hoch qualifizierten Akademikerinnen, das gehört zur Wahrheit auch dazu.

1961 übrigens wurde Konrad Adenauer bekanntermaßen wieder gewählt. Die Berufung der ersten deutschen Ministerin, aber musste – trotz Adenauers Wahlversprechen – nachträglich erkämpft werden, durch Sitzblockaden vor Adenauers Büro. Wie immer gilt: Frauen müssen sich selbst durchsetzen. Die Quote ist dafür nur Mittel zum Zweck, aber ein wichtiges.

Barbara Schmidt-Mattern (Deutschlandradio / Bettina Straub)Barbara Schmidt-Mattern (Deutschlandradio / Bettina Straub)Barbara Schmidt-Mattern, geboren in Kiel, studierte Anglistik, Theater- und Literaturwissenschaft in Erlangen, Dublin und Köln. Im Anschluss beendete sie 2002 ihre Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und schrieb zunächst u. a. für die "Süddeutsche Zeitung". 2003-2010 war Schmidt-Mattern als Redakteurin im Kölner Funkhaus des Deutschlandfunk für die Europa- und Außenpolitik zuständig. Danach folgten fünf Jahre als Landeskorrespondentin in Nordrhein-Westfalen. Seit 2015 berichtet sie aus dem Hauptstadtstudio des Deutschlandradio, mit den Schwerpunkten Umwelt, Klima und Grüne.

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