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StartseiteCampus & KarriereFreie Bürgerschule in Berlin geplant18.12.2012

Freie Bürgerschule in Berlin geplant

Bürgerplattform Wedding-Moabit will Chancengleichheit schaffen

In der Bürgerplattform Wedding-Moabit in Berlin engagieren sich Hunderte Berliner in verschiedenen Projekten. Eines davon ist die Gründung einer gemeinnützigen freien Bürgerschule im Kiez. Damit will die Bürgervereinigung jungen Menschen, die an staatlichen Schulen keine Chance haben, eine Perspektive geben.

Von Verena Kemna

Logo Bürgerplattform Berlin Wedding-Moabit (Bürgerplattform Berlin Wedding/Moabit)
Logo Bürgerplattform Berlin Wedding-Moabit (Bürgerplattform Berlin Wedding/Moabit)
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Freie Bürgerschule - Bürgerplattfomr Wedding-Moabit

Suat Özkan bezeichnet sich selbst als klassisches Gastarbeiterkind. Er erzählt, dass vor allem seine Mutter ihm während der Schulzeit im Berliner Wedding immer wieder Mut gemacht hat. Seine Lehrer dagegen hätten ihm nie etwas zugetraut. Heute ist der Chef einer Medienfirma für viele Jugendliche mit türkischen Wurzeln ein Vorbild. Der 42-Jährige engagiert sich bei der Bürgerplattform Wedding-Moabit. Dahinter stecken verschiedene Moscheevereine, Kitas, Migrantengruppen, Jugend- und Kulturprojekte. Für den Geschäftsmann ist die Gründung einer gemeinnützigen Freien Bürgerschule überfällig. Im Berliner Stadtteil Wedding steht jeder Zweite am Ende der Schulzeit ohne Abschluss da.

"Wir wollen Hoffnung schaffen, wir wollen mit Wirtschaft und Politik auf Augenhöhe kommen. Die junge Generation muss wieder eine Perspektive bekommen, eine Bildungschance. Wir wollen nach vorne kommen. "

Auch Kiymet Keklik ist dabei. Die 20-Jährige mit dem Kopftuch ist eine Ausnahmeschülerin, sie hat beste Zeugnisse und studiert.

"Ich habe beobachtet, dass aus der Grundschule nicht so viele studieren, wie ich es mir gedacht habe. Es sind eher wenige. Wir waren 25 Schüler und davon studieren jetzt vier oder fünf und dass die Zahl immer mehr sinkt und nicht zunimmt. "

In einer staatlichen Gemeinschaftsschule versucht die Bürgerplattform bereits seit zwei Jahren, sich mit guten Vorschlägen einzumischen. So können sich Eltern jede Woche über Fortschritte und Schwierigkeiten ihrer Kinder informieren. Bei vielen hapert es vor allem in Deutsch und Mathe. Lehramtsstudenten mit Migrationshintergrund unterstützen die Lehrer im Klassenzimmer. Nur einige "Neuerungen", die sich bewährt haben. Stephan la Barré kennt den Kiez rund um die Schule wie kein anderer. Der Physiker erinnert sich an viele runde Tische, lange Abende und endlose Diskussionen. Herausgekommen sind Ideen für mehr Motivation und Anerkennung von Eltern, Lehrern und Schülern.

Stephan la Barré:
"Da haben wir eine Hall of Fame aufgemacht. Da hängen Plakate, wo draufsteht, was haben die Schüler tolles gemacht und wir arbeiten daran, so eine Assembly zu machen, wo alle Schüler, Eltern und Lehrer sich einmal die Woche treffen und wo gesagt wird, hier Klaus, hat was gewonnen und der hat Geburtstag und da wird der neue Lehrer vorgestellt. Dass Schule Spaß und dass da was passiert."


Hunderte engagieren sich in der Bürgerplattform. Beste Voraussetzung, damit auch ambitionierte Projekte eine Chance haben. Zwar wird es noch dauern, bis die ersten Schüler die Freie Bürgerschule in Wedding besuchen, doch die Gründungsidee für eine Oberschule steht. Die Schule soll sich über Spenden finanzieren. Stiftungen, Einzelpersonen und etwa die Internationale Akademie für innovative Pädagogik an der Freien Universität Berlin, unterstützen das Projekt, erklärt Stephan la Barée.

"Ne neue Schule gründen, die die Ressourcen zur Verfügung stellt, um gute Arbeit zu machen und dabei nicht Eltern braucht, die wohlhabend sind. Jeder hat einen Zugang und damit die gleiche Berechtigung, glücklich zu sein und seine Talente in unserer Gesellschaft auszuleben."

Viele Fragen sind noch offen. Die Finanzierung steht noch nicht, auch über den Standort ist noch nicht entschieden. Dufsun Yurz hofft, dass es vielleicht schon im nächsten Jahr soweit sein könnte. Der Familienvater engagiert sich in der Jugendarbeit der Haci Bayram Moschee. Heute lacht er, wenn er an seine Schulzeit im Wedding denkt. Der 28-jährige hat einen Master als Wirtschaftsingenieur. Kein Lehrer hat ihm diese Karriere oder gar das Abitur zugetraut.

"Dufsun, schaffst du es wirklich, willst du nicht eine Ausbildung machen? Warum das jetzt, ich lerne doch fleißig, ich werde es doch packen. Ende der Fachabiturzeit war ich einer der besten Schüler und habe mich nicht demotivieren lassen."

Seine Kinder sollen mit dem neuen Modell einer gemeinnützigen Freien Bürgerschule schon bald bessere Erfahrungen machen.

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