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StartseiteCampus & KarriereMehr Verständnis für Griechenland schaffen06.06.2014

Freie Universität BerlinMehr Verständnis für Griechenland schaffen

An der Freien Universität Berlin eröffnet ein Centrum Modernes Griechenland. Ziel der Einrichtung ist es, in Forschung und Lehre mehr zusammenzuarbeiten und so die europäische Integration voranzubringen.

Von Verena Kemna

Flaggen von Griechenland, Deutschland und der EU wehen im Wind (dpa/picture alliance/Hannibal Hanschke)
In der Euro-Krise sind bilaterale Vorurteile zwischen Griechenland und Deutschland aktiv geworden. (dpa/picture alliance/Hannibal Hanschke)

Miltos Pechlivanos aus Thessaloniki betreut an der FU-Berlin den Fachbereich der Neogräzistik. Pechlivanos befasst sich also vor allem mit neugriechischer Kultur, Literatur und Sprache vom 18. Jahrhundert bis heute. In Zeiten der Euro-Krise machen viele Griechen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren strikten Sparkurs verantwortlich für wirtschaftlichen Niedergang, gestiegene Selbstmordraten und die hohe Arbeitslosigkeit im Land. Die Griechen als Opfer, die Deutschen als Nazis, Experten auf beiden Seiten warnen vor solchen Pauschalisierungen und fordern mehr Sensibilität und Respekt im Umgang. Genau da wollen wir ansetzen, erklärt Miltos Pechlivanos:

"Es war eine große Überraschung während der letzten Jahre, wie bilaterale Vorurteile und Stereotypen plötzlich so aktiv geworden sind. Diese Differenz zwischen Selbstbildern und Fremdbildern zwischen Deutschen und Griechen braucht eine Ausarbeitung und es ist sicher, dass das gerade gegründete Zentrum einen Dauerauftrag auf dieser Ebene haben wird."

Angebot für Soziologen und Politologen

Kongresse, Diskussionen und der Austausch von Wissenschaftlern sind eine wichtige Säule im "Centrum Modernes Griechenland". Eine Tagung zum 40. Jahrestag seit der Wiederherstellung der Demokratie in Griechenland sowie ein Workshop zum Antisemitismus in Griechenland sind in den nächsten beiden Monaten geplant. Angesprochen sind nicht nur Studierende, die sich ohnehin für griechische Geschichte interessieren. Auch Soziologen und Politologen und all diejenigen, die neugriechische Sprache und Literatur mit anderen philologischen Fächern kombinieren, können und sollen das neue Angebot nutzen.

Ein wichtiger Programmpunkt des CeMoG ist die zeitgenössische griechische Literatur. Kaum ein Deutscher kenne griechische Autoren, sagt Konstantinos Kosmas aus Athen. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am CeMoG und baut gerade eine entsprechende Internetbibliothek auf.

"Für jeden, der darüber forschen und lesen will. Das heißt, wir haben mittelfristig eine große digitale online zugängliche Bibliothek der griechischen Literatur oder Literatur zu Griechenland."

Übersetzung griechischer Autoren

Schon in wenigen Wochen ist das Werk des griechischen Autors Thanassis Valtinos Thema eines Workshops.

"Der sich sehr intensiv mit der neugriechischen Postkriegsgeschichte auseinandergesetzt hat, aber auch mit Formen der literarischen Darstellung. Ein sehr interessanter Autor, der leider hier in Deutschland nicht genug gefördert worden ist. Das wollen wir nachholen indem wir den Workshop vorbereiten und wir wollen auch einen Band von ihm veröffentlichen."

Das neu gegründete Centrum Modernes Griechenland an der Freien Universität Berlin plant auch die Übersetzung weiterer griechischer Autoren.

 

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