• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 18:10 Uhr Informationen am Abend
StartseitePISAplusFreie Wahl04.06.2011

Freie Wahl

Perspektiven für Kerntechnik-Studenten nach dem Atomausstieg

Nach der Katastrophe von Fukushima entschied sich Bundesregierung in aller Eile für einen vorgezogenen Atomausstieg. Obwohl die Kernkraft in Deutschland ein schlechtes Image hat, gibt es auch hierzulande noch Studenten, die Kerntechnik studieren. Was bedeutet der Atomausstieg für sie und ihre Zukunft?

Von Ingo Wagner

Leitstand eines Atomkraftwerks: "Zehn bis 20 Jahre, bis die Anlagen zurückgebaut sind". (picture alliance / dpa)
Leitstand eines Atomkraftwerks: "Zehn bis 20 Jahre, bis die Anlagen zurückgebaut sind". (picture alliance / dpa)

Die 23-Jährige Dilek Tastepe studiert Nuclear Safety Engineering an der RWTH Aachen auf Master. Angesichts des schlechten Images der Kernenergie musste sie schon öfter mit anderen Studenten über die Wahl ihres Studiums diskutieren.

"Das ist durchaus schon mal vorgekommen, dass mich Leute gefragt haben, Kernenergie, das ist doch etwas Schlimmes, wie kannst Du so etwas nur mit deinem Studiengang auch noch fördern?"

Sie ist nach wie vom Nutzen der Kernenergie überzeugt - trotz Fukushima. Die große Mehrheit der Deutschen einschließlich der Bundesregierung aber will den Ausstieg aus der Atomenergie. Angst davor, deshalb nach dem Studium keinen Job mehr zu bekommen, haben Studenten wie der 26-Jährige Lasse Götz aber nicht.

"Die Kernenergie geht ja nicht von heute auf morgen zu Ende. Wir haben jetzt Laufzeiten, die bis 2020 gehen. Danach brauchen sie auch noch mal zehn bis 20 Jahre, bis die Anlagen zurückgebaut sind, also bis 2040. Dann noch die Endlagerforschung. Da hätte ich sogar in Deutschland noch genug zu tun für mehr als ein Berufsleben."

Tatsächlich gibt es bereits jetzt auf dem Arbeitsmarkt für Kerntechniker einen erheblichen Fachkräftemangel. Und er wird sich weiter verschärfen: Rund ein Drittel des heute noch tätigen Fachpersonals geht in den nächsten Jahren in Rente. Dilek Tastepe und Lasse Götz müssen sich um ihre beruflichen Perspektiven keine Sorgen machen – im Gegenteil: Sie werden wohl die freie Auswahl haben, ob nun in Deutschland oder dem Ausland – denn da sieht es mit der Zustimmung zur Kernenergie ganz anders aus.

"Schauen wir in die Niederlande, Planung von zwei neuen Reaktoren. Polen möchte auch einsteigen. Finnland und Frankreich bauen weiterhin. Die Chinesen haben auch nicht aufgehört. Wir haben 62 Anlagen die im Bau sind. Es ist international sehr wenig von Bedeutung ob Deutschland jetzt aussteigt. Wir sind hier nicht der Nabel der Welt, und die Welt ist ein bisschen größer als dieses eine Land."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk