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StartseiteUmwelt und VerbraucherStreit um Chlorhühnchen spaltet USA und Europa30.12.2013

Freihandelsabkommen Streit um Chlorhühnchen spaltet USA und Europa

Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa sind eine zähe Angelegenheit. Es geht um einen Markt mit rund 800 Millionen Konsumenten und um geschätzte 100 Milliarden Dollar, die das Abkommen pro Jahr bringen soll. Wie weit Europäer und Amerikaner auseinanderliegen, zeigt der alte Streit um das Clorhühnchen.

Von Nana Brink

Verbraucherschützer fürchten, dass hormon-behandeltes Fleisch, Gentech-Lebensmittel oder Chlor-Hähnchen auf deutschen Esstischen landen könnten. (dpa / Paul Zinken)
Verbraucherschützer fürchten, dass hormon-behandeltes Fleisch, Gentech-Lebensmittel oder Chlor-Hähnchen auf deutschen Esstischen landen könnten. (dpa / Paul Zinken)
Weiterführende Information

Ökonom warnt vor Freihandelsabkommen mit den USA (Deutschlandradio Kultur, Interview. 04.11.2013

Die Parteien und das Freihandelsabkommen mit den USA (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher 04.09.2013)

Grüne warnen vor "unermesslichen Gefahren" bei Freihandelsabkommen  (Deutschlandradio Kultur, Interview 09.07.2013)

Bill Roenigk beschäftigt seit 40 Jahren nur eines: Hühnchen. Der Alterspräsident des National Chicken Council, der Lobbyorganisation der amerikanischen Geflügelindustrie, war vor Weihnachten in Washington, um das zu tun, was er immer tut: Für seine Hühnchen zu werben.

"Für uns als Geflügelindustrie gibt es viele Möglichkeiten, der Fast Food-Service, all die Chicken-Nuggets und Hühnchenstreifen, die immer populärer werden bei den jungen Leuten in der ganzen Welt und auch in Europa. Wir machen einen tollen Job hier in den USA, wenn wir diese Produkte herstellen".

Und deshalb hat Roenigks Branche hat ein Ziel: Die amerikanischen und europäischen Verhandlungsführer der Handelsunion zu überzeugen, die US-Geflügelindustrie wieder nach Europa zu lassen. Dort nämlich hat man seit 1997 die mit Chlor desinfizierten Fleischprodukte verboten. Die amerikanische Landwirtschaftslobby kämpft schon seit Langem gegen die europäischen Barrieren. Es geht schließlich um viel Geld.

"600 Millionen Dollar im Jahr. Wenn wir wieder in diesem Markt wären, würde dies 10 Prozent unseres Exports bedeuten, und die EU wäre wieder an dritter Stelle; unser wichtigster Markt ist Mexiko, dann China, Hongkong. Es wäre sehr wichtig, wenn wir das wiedergewinnen könnten".

Dazu allerdings müssten die strengen europäischen Verbraucherschutzregeln klein verhandelt werden, denn die Landwirte in den USA setzen konsequent auf Technik und Medikamente, die hierzulande auf dem Index stehen. Die meisten Pflanzen sind resistent gegen Insekten; 88 Prozent des in den USA angebauten Mais stammt aus genmanipuliertem Saatgut, bei Zuckerrüben sogar 95 Prozent. Die Mehrzahl der Rinder wird mit Hormonen behandelt, zum Beispiel mit dem vom Agrarkonzern Monsanto entwickelten Wachstumspräparat Ractopamin. Nur wenige US-Verbraucherschützer setzen sich für ein Verbot ein, wie Jaydee Hanson vom Center for Food Safety, einer nicht staatlichen Organisation.

"116 Länder auf der Welt haben Rectopamin verboten, sogar China und Russland. Es schädigt das Herz der Tiere, das wurde an Ratten getestet. Ich komme aus einer Familie von Rinder- und Schweinezüchtern, mein Cousin würde Fleisch, das mit Rectopamin behandelt wurde, nicht essen, ich auch, aber in den USA ist das gang und gäbe".

Die meisten Amerikaner haben – ganz anders als viele Europäer – kein Problem mit genveränderten Lebensmitteln. Wichtig ist für den amerikanischen Markt: Sie müssen billig sein und gut aussehen.

"Die EU müsste mit Wachstumshormonen behandelte Rinder akzeptieren und Geflügel, das durch Medikamente verändert wird. Europa müsste seine Standards senken, mit Antibiotika versetzte Lebensmittel auf seinen Markt lassen".

Ein weiteres Problem ist das Klonen von Tieren, - in den USA gängige Praxis. Einige europäische Züchter verwenden das Sperma geklonter US-Turbo-Rinder. Das Fleisch ihrer Nachfahren könnte auch in deutschen Supermärkten liegen, ohne Kennzeichnung. Bei den Verhandlungen um ein transatlantisches Freihandelsabkommen wird man sich wohl auf einen Standard einigen müssen. Gerade darin liege eine große Gefahr, meint Robert Weissman von Public Citizen, einer amerikanischen Verbraucherschutzorganisation.

"Die Idee, dass es auf einen einheitlichen Standard hinausläuft, würde beide Seiten einengen, weil sie sowohl die USA wie auch Europa davon abhält, neue innovative Standards zu entwickeln, falls neue Risiken auftauchen".

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