• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteKalenderblattFreiheit für Angela04.06.2012

Freiheit für Angela

Vor 40 Jahren wurde die US-Bürgerrechtlerin Angela Davis von der Anklage wegen Mordes freigesprochen

Sie war die berühmteste Gefängnisinsassin der USA: Die Kommunistin und Black-Panther-Aktivistin Angela Davis wurde von FBI und Justiz des Mordes beschuldigt. Nach weltweiten Protesten kam sie frei und wurde zur Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Heute ist sie Mitglied von Occupy.

Von Ralf Geißler

Angela Davis (m.) neben Erich Honecker während der Weltjugendfestspiele 1973 (picture alliance / dpa)
Angela Davis (m.) neben Erich Honecker während der Weltjugendfestspiele 1973 (picture alliance / dpa)

Die Rolling Stones haben 1972 ein Lied für sie geschrieben: Sweet Black Angel. Sie singen über eine Frau, die im Gefängnis sitzt, weil sie für die Rechte der Schwarzen gekämpft hat. Es geht um Angela Davis. Die Bürgerrechtlerin musste sich wegen Mord, Menschenraub und Verschwörung vor einem kalifornischen Gericht verantworten. Doch nach weltweiten Protesten öffneten sich für sie am 4. Juni 1972 die Gefängnistore. Freispruch in allen Punkten. Die Jury hatte einstimmig entschieden. Denn die Tatvorwürfe ließen sich nicht beweisen.

"Ich möchte Euch allen danken, die Ihr so lange und so hart für meine Freiheit gekämpft habt. Und ich weiß, dass wir alle weiter für die Freiheit unserer Brüder und Schwestern eintreten. Der Tag wird kommen, an dem wir noch mehr solcher Siege erringen werden."

Angela Davis war eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung. 1944 in Alabama geboren, widerlegte sie jedes Klischee, das man von einem schwarzen Mädchen haben konnte. Sie besuchte eine Privatschule, studierte in den USA und Europa. Zu ihren Lehrern gehörten Theodor Adorno und Herbert Marcuse. Letzterem folgte sie 1968 an die Universität von San Diego, wo Davis der Kommunistischen Partei beitrat.

"Ich bin eine Kommunistin, weil ich daran glaube, dass die Schwarzen, mit deren Arbeit und Blut dieses Land aufgebaut wurde, das Recht haben müssen, an dessen Wohlstand teilzuhaben. Einen Wohlstand den all die super mächtigen weißen Kapitalisten der USA bei sich gehortet haben."

Davis schloss sich der Black Panther Bewegung an, unterstützte schwarze Gefangene und protestierte gegen den Vietnamkrieg. Das missfiel manchem Konservativen. 1970 verlor Davis auf Druck des kalifornischen Gouverneurs Ronald Reagan ihre Stelle als Dozentin für Philosophie an der Universität von Los Angeles. Im selben Jahr geriet sie ins Visier des FBI. Der Grund: Eine Schießerei mit Geiselnahme in einem Gerichtssaal. Der Täter war einer ihrer Freunde, 17 Jahre alt. Er hatte eine Waffe benutzt, die unter Davis' Namen gekauft worden war. Davis kam auf die Liste der zehn gefährlichsten Verbrecher der USA und wurde verhaftet.

Schnell kam der Verdacht auf: Die Anklage ist konstruiert, der Staat will eine Unbequeme loswerden. Bei einer Verurteilung drohte Davis die Todesstrafe. Reporter besuchten sie im Gefängnis.

"Es gibt nichts, wirklich gar nichts, was mich davon abhalten kann, weiter für die Freiheit meiner Leute zu kämpfen. Es gibt keinen Grund zu Weinen, weil ich eingesperrt wurde. Aber es gibt immer einen Grund, stark zu bleiben und weiterzukämpfen."

Weltweit gingen Hunderttausende für Davis' Freilassung auf die Straße. Wissenschaftler schrieben Protestbriefe. "Der Spiegel" druckte eine Titelgeschichte mit ihrem Konterfei.

Die meiste Solidarität kam aus der DDR. Fast jedes Kind schickte eine Postkarte mit einer selbst gemalten Rose ins Gefängnis. Nach ihrer Freilassung besuchte Davis deshalb Ost-Berlin.

"Angela betritt den Boden der Deutschen Demokratischen Republik. Angela, sie lebe hoch, hoch, hoch."

Tausende DDR-Bürger kamen völlig freiwillig zu Kundgebungen, um Davis zu sehen. Im Radio bedankte sie sich auf Deutsch.

"Hier ist Angela Davis. Zuerst möchte ich der Jugend der DDR meine Dankbarkeit und Anerkennung für die bewunderungswürdige Arbeit zum Ausdruck bringen, die sie für meine Freilassung geleistet hat."

Zurück in den USA kämpfte Davis weiter für die Rechte der Schwarzen. Sie durfte auch wieder an der Universität unterrichten. Auszug aus einer Vorlesung:

"Der Grund für die Ausbeutung von schwarzen und farbigen Frauen? Sie sind die Quelle eines unglaublichen Profits. Die Kapitalisten verdienen mit ihnen weit mehr Milliarden, als sie aus weißen Arbeitern herauspressen können."

Noch heute bezeichnet sich Davis als Kommunistin. Sie lebt in Kalifornien und forscht über den Strafvollzug, sie kämpft gegen die Todesstrafe und für bessere Haftbedingungen in den Gefängnissen. Seit Herbst 2011 gehört sie der Occupy-Bewegung an.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk