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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin guter Schritt, aber kein riesiger Wurf27.04.2018

Freiland-Verbot für NeonikotinoideEin guter Schritt, aber kein riesiger Wurf

Das Freiland-Verbot der EU für drei Insektizide sei eine gute Entscheidung, kommentiert Karin Bensch. Damit allein sei es aber noch nicht getan: In Europa seien weiterhin viele andere Pestizide in Gebrauch, bei denen es große Lücken in der Risikobewertung gebe.

Von Karin Bensch

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Bienen kehren zu ihrem Stock auf dem Lohrberg im Nordosten von Frankfurt am Main zurück.  (dpa / Frank Rumpenhorst)
Es mache Hoffnung, dass die meisten Regierungen in der EU zugehört und verstanden hätten, dass nun dringend etwas gegen das Bienen- und Insektensterben getan werden müsse, meint Karin Bensch. (dpa / Frank Rumpenhorst)
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Eine gute Entscheidung! Es ist absolut richtig, dass die meisten EU-Länder eine klare Ansage gemacht haben. Und die lautet: Wir verbieten die drei gefährlichsten Insektengifte auf unseren Äckern. Und zwar in der gesamten Europäischen Union.

Endlich bekommen Bienen, Schmetterlinge und Insekten das, was ihnen schon lange zusteht - eine Überlebenschance. Es macht Hoffnung, dass die meisten Regierungen in der EU zugehört und verstanden haben, dass nun dringend etwas getan werden muss gegen das massive Bienen- und Insektensterben. Positiv ist auch, dass Politiker in diesem Fall Forscher ernst genommen haben. Der neue Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, der die Gefährlichkeit dieser drei Neonikotinoide wissenschaftlich bestätigte, hat tatsächlich etwas bewirkt.

Die gesamte Stoffgruppe muss untersucht werden

Die heutige Entscheidung ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Aber es ist nur ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen. Es reicht bei weitem nicht aus, nur drei Bienenkiller aus dem Freiland zu verbannen. Jetzt muss die gesamte Stoffgruppe der Neonikotinoide untersucht werden, und die für Bienen und Insekten gefährlichen Chemikalien müssen verboten werden.

Schaut man genauer hin, sind die Neonikotinoide nur ein Teil des Problems. In Europa sind noch sehr viele andere Pestizide in Gebrauch, bei denen es große Lücken in der Risikobewertung gibt. Langfristig gibt es nur eine Lösung: weniger Gift in der Landwirtschaft einsetzen, statt die Äcker mit Chemie voll zu kübeln. Allein in Deutschland gibt es derzeit 14 verschiedene Pflanzenschutzmittel, die die drei, bald verbotenen Wirkstoffe enthalten. Die meisten werden für die Behandlung von Zuckerrüben- und Futterrüben-Saatgut verwendet.

Es geht auch ums knallharte Geschäft

Frustrierend ist, dass das neue Verbot nur ein halbes Verbot ist. Denn es gilt ja nur für das Freiland. In Gewächshäusern dürfen die drei Bienenkiller auch weiterhin versprüht werden – so als wäre nichts gewesen. Bedanken kann man sich dafür zum Beispiel bei der niederländischen Regierung. Denn sie hat – wohl auf Druck der eigenen Obst- und Gemüseanbau-Lobby – diese Ausnahme durchgesetzt. Damit das Freiland-Verbot eine Mehrheit bei der Abstimmung bekam, musste die Ausnahme für die Gewächshäuser her. Es geht eben nicht nur um die bunte Welt der Bienen, sondern auch um das knallharte Geschäft der Lebensmittelproduktion.

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