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Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteEuropa heuteFremdsprachenreform an tschechischen Schulen14.04.2011

Fremdsprachenreform an tschechischen Schulen

Deutsch gerät ins Abseits

An tschechischen Schulen könnte schon bald Deutsch als Fremdsprache vom Lehrplan verschwinden. Englisch soll künftig als einzige Pflichtsprache unterrichtet werden - so die Empfehlung von Experten.

Von Stefan Heinlein

Englisch verdrängt Deutsch als Fremdsprache in Tschechien. (AP)
Englisch verdrängt Deutsch als Fremdsprache in Tschechien. (AP)

Schon jetzt ist die Sprache des Nachbarlandes wenig populär bei tschechischen Schülern. Deutsche Bildungspolitiker sind alarmiert.


Deutschunterricht in der Abiturklasse des Prager Gymnasiums Malostranske. Ein Theaterstück wird gemeinsam geprobt. Vier Stunden wöchentlich pauken die Schüler die Sprache von Goethe und Schiller

"Ich studiere Deutsch, weil ich Deutsch mag und die deutsche Literatur mag. Die deutsche Kultur ist für die Tschechen auch interessant, weil wir Nachbarn sind und viel zusammen erlebt haben."

Die 18-jährige Anna ist allerdings die Ausnahme. Nur etwa jeder zehnte Jugendliche entscheidet sich für die Sprache des Nachbarlandes. Die Mehrheit der Schüler bevorzugt Englisch. Eine richtige Entscheidung - so der Nationale Wirtschaftsrat in Tschechien. Das Expertengremium fordert eine radikale Reform des Fremdsprachenunterrichts. Englisch soll die einzige Pflichtsprache an den Schulen werden. Eine zweite Fremdsprache sei reine Energieverschwendung lautet die klare Empfehlung der Regierungsberater.

"Die Vorschläge des Wirtschaftsrates werden derzeit auf politischer Ebene diskutiert. Noch ist nichts entscheiden. Wir analysieren die Situation und überlegen was dafür und was dagegen spricht Englisch als einzige Pflichtsprache an den Schulen einzuführen."

Doch der Trend ist bereits jetzt eindeutig. Schon seit Jahren wird immer weniger Deutsch an tschechischen Schulen unterrichtet. Nur knapp jeder fünfte Tscheche beherrscht zumindest Grundkenntnisse der deutschen Sprache. In der jungen Generation schwindet zunehmend das Interesse. Die meisten Lehrer dagegen kritisieren die Pläne Deutsch vom Stundenplan zu streichen. Schulleiterin Jitka Voldanova:

"Diese Idee finde ich gar nicht vernünftig. Ein Abiturient sollte mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen, weil wir ein kleines Land sind und von deutschsprachigen Ländern umgegeben sind. Es ist wichtig, sich in einer Fremdsprache zu verständigen."

Auch die deutsche Seite ist alarmiert. Vor Ort in Prag warb zuletzt die bayerische Sozialministerin Chrstine Haderthauer dafür die Reformpläne wieder in der Schublade verschwinden zu lassen

"Ich habe noch einmal hervorgehoben, dass ich mit einige Sorge sehe, dass eine Bestrebung besteht im Rahmen der Bildungspolitik dem Englischen sehr stark Vorrang einzuräumen - bis hin zu Überlegungen, nicht mehr die Wahl zu lassen zwischen Deutsch und Englisch."

Mit Sachargumenten versucht die deutsche Seite die tschechischen Bildungspolitiker zu überzeugen. Deutschland ist der mit Abstand wichtigste europäische Handelspartner. Viele deutsche Firmen in Tschechien suchen händeringend nach qualifizieren Mitarbeitern mit Fremdsprachenkenntnissen. Ab dem 1. Mai öffnet sich der deutsche Arbeitsmarkt vollständig für tschechische Arbeitnehmer. Ohne Deutsch jedoch bleibt der Weg in das Nachbarland schwierig, so Heike Uhlig vom Goethe-Institut in Prag.

"Wir denken, dass hier große Chancen vertan werden, wenn man nur auf Englisch setzt. Deutsch ist eine Sprache, die hier zur Karriere dienen kann."

Die Wunschkarriere mit einem gut bezahltem Job im Nachbarland ist ein Hauptgrund weshalb viele junge Tschechen versuchen das in der Schule Versäumte später nachzuholen. Die Nachfrage nach Deutschkursen am Goethe-Institut ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

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