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StartseiteThemen der WocheFriedensnobelpreis verkommt zu einer Farce12.10.2013

Friedensnobelpreis verkommt zu einer Farce

Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) wird vom Nobelkomitee ausgezeichnet

Es muss damit Schluss sein, dass Organisationen mit dem Friedensnobelpreis für ihre bloße Existenz ausgezeichnet werden. Die Vergabe entfernt sich immer mehr vom Geist des Stifters, meint Rainer Burchardt.

Von Rainer Burchardt, freier Publizist

Sitz der Organisation zum Verbot Chemischer Waffen, Den Haag, erhält den Friedensnobelpreis (picture alliance / dpa / Evert-Jan Daniels)
Sitz der Organisation zum Verbot Chemischer Waffen, Den Haag, erhält den Friedensnobelpreis (picture alliance / dpa / Evert-Jan Daniels)

Als Nächstes ist dann wohl der Weltverband der Freiwilligen Feuerwehren dran. Wenn es diese Organisation überhaupt gibt. Nein – dieser Friedensnobelpreis verkommt allmählich zu einer Farce. Und was noch schlimmer ist: Seine Vergabe entfernt sich immer mehr vom Geist seines Stifters Alfred Nobel. Dieser nämlich hatte testamentarisch verfügt, dass der Preis vergeben werden soll an jemanden, "der im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht hat".

Im vergangenen Jahr Nutzen für die Menschheit? Wer hat denn bis vor wenigen Wochen, nämlich seit dem C-Waffen-Einsatz in Syrien, überhaupt von der Existenz dieser Organisation mit Sitz in Den Haag gewusst? Und wie erfolgreich ist denn ihr Wirken etwa im Hinblick auf den Chemiewaffeneinsatz in Syrien mit fast 1500 Toten gewesen? Damit soll ihre Existenz und Arbeit überhaupt nicht infrage gestellt werden. Und natürlich ist es gut und wichtig, dass es die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen gibt, die kontrolliert, ob sich die Unterzeichnerstaaten an ihre Abmachungen halten. Und eine Auszeichnung und Würdigung kann ja so falsch nicht sein, denn das erhöht fraglos den Bekanntheitsgrad einer solchen Organisation.

Aber der Friedensnobelpreis? Wofür soll sie den bekommen? Für ihre bloße Existenz, wie schon vor einem Jahr die Europäische Union? Erneut also eine Lachnummer aus Oslo? Fast genauso fragwürdig wie seinerzeit die Osloer Vorschusslorbeeren für US-Präsident Obama. Ganz davon abgesehen, dass die OPCW es bis heute nicht geschafft hat, die Russen und Amerikaner zur vollständigen Vernichtung ihrer Chemiewaffenarsenale zu bewegen. Sie weiß nicht einmal, wie groß dort die jeweiligen Restbestände noch sind.

So gesehen ist es geradezu mehr als durchsichtig, wenn das Komitee von Oslo, übrigens bestehend aus fünf schon recht bejahrten Persönlichkeiten, auch und gerade angesichts der relevanten und aktuellen Syrienproblematik offenbar glaubte, mal wieder ein politisch-harmonisches Signal setzen zu müssen. Die OPCW ist genau so wichtig und notwendig wie Dutzende anderer Organisationen, die sich etwa gegen Landminen, für Flüchtlinge, gegen bürgerfeindlichen Datenmissbrauch oder anderweitig für das friedliche Zusammenleben der Menschheit einsetzen.

In Syrien, und das ist nur ein Beispiel, reisten die wackeren Kontrolleure erst post festum, also nach dem Giftgaseinsatz, ins Land und suchten nach den Arsenalen, die sie zunächst nicht einmal fanden. Erst das massive Eingreifen Obamas und Putins mit diplomatischem Tauziehen hat Assad dann bewogen, den Chemiewaffenbesitz einzuräumen und der Vernichtung zuzustimmen. Und das kontrolliert jetzt die OPCW – nicht mehr und nicht weniger; sie tut ihre Pflicht und wird ganz sicher sorgfältig und nach ihren bestmöglichen Konditionen tätig sein.

Es kann dennoch kein Zweifel daran bestehen, dass der Friedensnobelpreis schrittweise entwertet wird. Es soll hier gar nicht bewertet werden, wer ihn mehr verdient hätte. Doch es muss endlich Schluss damit sein, dass in Oslo Organisationen für ihre natürlich wichtige, aber bloße Existenz ausgezeichnet werden. Das ist letztlich auch ein anonymisierendes Verfahren. Das haben die Mitarbeiter der OPCW ebenso wenig verdient wie wir als Gesamteuropäer vor einem Jahr. Oder fühlt sich etwa jemand von den 500 Millionen EU-Bürgern als Träger des Friedensnobelpreises? Ich jedenfalls nicht.

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