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StartseiteEuropa heuteAuf Kuschelkurs mit Russland24.03.2014

Front NationalAuf Kuschelkurs mit Russland

Die Chefin der französischen Rechtsextremen des Front National, Marine Le Pen, wirbt für enge Beziehungen mit Russland. Präsident Wladimir Putin habe mehr Respekt verdient für seine "patriotistischen" Leistungen. Mögliche Missstände dieser Politik sieht man im Front National nicht.

Von Ursula Welter

Ein Rednerpult des Front National (afp / Kenzo Tribouillard)
Außenpolitisch sieht der Front National viele Gemeinsamkeiten mit Russland. (afp / Kenzo Tribouillard)
Weiterführende Information

Träume der Sozialisten platzen (Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 24.03.2014)

Europäischer Wind und Politikverdrossenheit (Deutschlandfunk, Podium, 22.03.2014)

Lokale Abstimmung, nationale Bedeutung (Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 20.03.2014)

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Die Kommunalwahl in Frankreich gilt auch als Stimmungstest für Präsident Hollande und die Oppositionspartei UMP von Ex-Präsident Sarkozy und wie erwartet mussten die regierenden Sozialisten eine herbe Niederlage hinnehmen. Bei der ersten Runde lagen sie bei nur knapp 38 Prozent während die Konservative UMP knapp 47 der Stimmen gewinnen konnte, so die vorläufigen Ergebnisse. Neben der UMP hat auch der rechtsextreme "Front National" zugelegt, sie kamen landesweit auf knapp 5 Prozent.

Neben der lokalen Politik des Front National, die bei einer Kommunalwahl klar im Vordergrund steht, stellt sich aber auch die Frage welche außenpolitischen Schwerpunkte im Parteiprogramm des FN definiert werden. Bei vielen Gelegenheiten beschwört Marine Le Pen die "Vorrangigkeit des Nationalstaates”,  als Vorbild bei der Durchsetzung eigener und oder nationaler Interessen nennt Le Pen Putin. Da sind sich Vater und Tochter einig. Die Gründe für diese ideologische Nähe des FN zum Regime im Kreml schilderte Ursula Welter.

Le Pen applaudiert Putin

Der betagte Ehrenpräsident des Front National ist aktiv. Sei es im Kommunalwahlkampf, sei es auf dem internationalen Parkett. So lobte Jean-Marie Le Pen zuletzt die Krim-Politik des russischen Präsidenten, Wladimir Putin habe "eine recht gute Leistung" abgeliefert.

Mit seiner Meinung steht Jean-Marie Le Pen in den Reihen der französischen Rechtspopulisten nicht alleine da. Wladimir Putin hat viele Anhänger im "Front National" , vorne weg die Tochter des Ehrenpräsidenten und Parteichefin, Marine Le Pen:

 "Putin hat es geschafft, die zu bezwingen, die das Volk ausrauben wollten, die Oligarchen, das rechtfertigt eine gewisse Bewunderung, ich wünschte von Zeit zu Zeit würde es bei uns in Frankreich ähnlich laufen."

Die Bande des "Front National" mit Moskau sind eng geknüpft. Im vergangenen Sommer reiste die Parteichefin durch Russland, besuchte dabei auch die Krim, freute sich über das Buch des Pravda-Journalisten Bolshakov, das den Titel trägt, "Marine Le Pen, warum Russland sie braucht", und sprach vor russischen Studenten. Denen erklärte Sie, was sie auch auf französischem Boden gerne sagt, dass Frankreich in Gefahr, die EU eine Diktatur und die NATO überflüssig sei:

"Frankreich ist derzeit in die NATO verwickelt, von der ich übrigens nicht weiß, gegen wen sie uns sinnvoller Weise verteidigen soll…. Übrigens kann das auch keines der NATO-Mitglieder beantworten, wenn man sie fragt. Deshalb fordere ich für meinen Teil, dass Frankreich die NATO verlässt."

Raus aus der NATO, hin zu Russland

Gegen das atlantische Bündnis, für eine enge Partnerschaft mit Russland. Das ist es, was Marine Le Pen im Sinn hat.

Um diese, und andere geopolitische Botschaften zu verbreiten, hat sie einen Mann in ihr Team geholt, der regelmäßig seinen ideologischen Teppich Richtung Moskau ausrollt, Aymeric Chauprade, Absolvent französischer Eliteschulen, Experte für internationale Fragen und Spitzenkandidat des "Front National" zu den Europawahlen im Departement "Île-de-France".

Bei der Sommerakademie der Partei stelle sich Chauprade zuletzt ausdrücklich an die Seite Moskaus und kritisierte jene Kräfte, die die NATO bis an die Grenzen Russlands und Chinas ausbreiten wollten.

Die Chefin der Rechtspopulisten, Marine Le Pen, saß in der ersten Reihe und applaudierte, wie alle anderen auch:

"Es sei nicht verständlich", fuhr der außenpolitische Berater des extremen  "Front National" fort, "warum die westliche Presse Putin derart diabolisiere, der doch Russland in so spektakulärer Weise seit 1999 wieder aufgerichtet habe."

Gemeinsame xeno- und homophobe Ansichten

Und wieder applaudierte Marine Le Pen. Sie hatte bei ihrem Besuch, wenige Wochen zuvor in Moskau, unterstrichen, es stimme nicht, dass Putins Russland einer Diktatur gleich komme, im Gegenteil:

"Ich fühle mich eher diesem Modell des Patriotismus verbunden, als dem Modell der Europäischen Union, mit seinen total offenen Grenzen, dem Freihandel."

Von gemeinsamen Werten mit dem Russland des Wladimir Putin spricht Marine Le Pen, während ihr Vater zur Silberhochzeit von Wladimir Jirinowski nach Moskau reist, dessen xenophobe und homophobe Ansichten er teilt.

Der außenpolitische Berater des Front National wiederum, Aymeric Chauprade, ermuntert die russische Politik auf seine Weise.

Vor Dumaabgeordneten erklärte er, worin er den Niedergang der Zivilisation sehe. Sein "Appell von Moskau", der auf Chauprads Internet-Seite nachzulesen ist, zählt als Beleg für diesen "Niedergang der Zivilisation und der souveränen Staaten " die Aufstände in Georgien und der Ukraine Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe in Frankreich und die "Pussy Riot"-Bewegung in Russland auf. Hinter all dem stecke, so der Berater von Marine Le Pen, die westliche Allianz der Globalisierungsfreunde, die Medien und nicht zuletzt die USA - Chauprade spricht von einer, Zitat, "neuen Form des Terrorismus".

Wenige Monate später ist er es, den Marine Le Pen auf die Krim reisen lässt. Rechtsnationalistische Kräfte hatten gleichgesinnte Parteien im Westen zur Beobachtung des Krim-Referendums eingeladen, und – ganz auf der Linie der russisch gelenkten Gastgeber – berichtete er per Telefon:

Alles laufe ruhig, von Druck und Einflussnahme weit und breit keine Rede. 

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