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StartseiteSprechstundeGutes Sehen auch im Alter15.07.2014

FrüherkennungGutes Sehen auch im Alter

Wenn man über Alterserkrankungen spricht, dann denken viele an Schlaganfall oder Demenz, nicht aber, dass viele Ältere von Sehbehinderung oder Erblindung betroffen sind. Dass es soweit kommt, liegt auch an Versorgungslücken bei Früherkennung, Behandlung und Rehabilitation von Augenerkrankungen.

Von Renate Rutta

Eine Lesebrille liegt auf einem Bücherstapel. (picture alliance / dpa / Ismo Pekkarinen)
Wer gut sehen kann, kann das Leben besser genießen. (picture alliance / dpa / Ismo Pekkarinen)
Weiterführende Information

Intelligente Sehhilfen (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 16.05.2011)

"Bislang ist es in der Gesellschaft so, dass wir allgemein sagen, das ist halt ein alter Mensch und der sieht halt schlecht. Und das kann nicht so bleiben."

Fordert Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes und selbst betroffen von Blindheit. Denn eine Sehverschlechterung beeinträchtigt unseren Alltag.

"Dass ich nicht mehr erkennen kann, welche Buslinie kommt jetzt, dass ich nicht mehr erkennen kann, wer kommt mir auf der Straße entgegen, den ich kenne. Es betrifft damit auch die Beziehungen."

Und die Familie ist ganz intensiv mitbetroffen.

Eine Sehbehinderung beeinträchtigt das ganze Leben. Der Sehsinn ist von herausragender Bedeutung für uns, so Professor Focke Ziemssen, Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik Tübingen:

"80 Prozent der Sinneseindrücke, die unser Gehirn erreichen, sind letztlich visuelle Informationen, erreichen also das Gehirn von dem Auge. Das hat Folgen auf verschiedene Systeme."

Verschlechtert sich das Sehen, dann erlebt der ältere Mensch das als starken Einschnitt in seine Leistungsfähigkeit. Zeitung lesen, Hobbies, Einkaufen, Ausstellungen besuchen – all das, was unser Gehirn anregt, wird schwieriger. Viele fühlen sich ausgeschlossen. Mögliche Folgen: Ängste und Depressionen, aber auch Stürze.

Schlechtes Sehen führt häufig auch zu Stürzen

Wenn das Binokularsehen ausfällt, also das räumliche Sehen, dann fehlt dem Gleichgewichtssinn und dem Gehirn eine wichtige Information, um zum Beispiel auf Unebenheiten zu reagieren. Wenn dann noch der Betroffene ein schlechtes Kontrastsehen entwickelt. Ist er gerade in der Dämmerung oder in der typischen Situation umgeschlagene Teppichkante sehr stark gefährdet zu stürzen.

Da wäre es eine Hilfe, Rücksicht zu nehmen und etwa Treppenstufen zu markieren aber auch lesbare Fahrpläne und Formulare zu gestalten.
Manchmal weist ein Sturz erst auf eine Augenerkrankung hin, wie Professor Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn von einer älteren Dame berichtet:

"Auch das Auge war blau, weil sie eben aufs Auge gestürzt ist. Und dabei zeigte sich, dass zum Glück keine Verletzung am Auge vorlag, bis auf Blutungen in der Bindehaut, die harmlos waren. Aber es zeigte sich gleichzeitig, dass die Dame hochgradig sehbehindert war durch einen grünen Star und grauen Star, der einfach jahrelang nicht beachtet und behandelt worden ist. Und sehr gut behandelbar gewesen wäre."

Das ist kein Einzelfall. Eine Studie in Unterfranken bei 200 Senioren in mehreren Heimen zeigte, dass 30 Prozent von ihnen sehbehindert oder blind waren, aber nicht ausreichend versorgt waren. Denn Augenärzte kommen selten in Heime.

Versorgungslücken bei der Früherkennung

Mit vergrößernden Sehhilfen konnten einige sogar wieder lesen. Offenbar gibt es also Versorgungslücken bei Früherkennung, Behandlung und Rehabilitation von Augenerkrankungen, die es zu beheben gilt.

"Wir empfehlen von der Fachgesellschaft her eine Untersuchung ab dem 50. Lebensjahr, da es Erkrankungen gibt, die noch keine Symptome, Beschwerden machen aber schon vorhanden sind und schon behandelt werden müssen. Deswegen spielt die Früherkennung bei diesen Erkrankungen, die dann meist chronisch verlaufen, eine ganz wichtige Rolle."

Das Problem ist häufig, dass diese Vorsorgeuntersuchungen einfach nicht stattfinden, dass teilweise die von der Kasse nicht finanziert werden, aus Gründen die inakzeptabel sind in einem Wohlstandsland und dass Fahrten zu einer Augenarztpraxis einfach nicht bezahlt werden.

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