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StartseiteKultur heuteFür und Wider von Kunstfilmen in 3D30.11.2012

Für und Wider von Kunstfilmen in 3D

Wim Wenders und Ang Lee diskutierten in der Berliner Akademie der Künste

Die beiden Filmregisseure Wim Wenders und Ang Lee repräsentieren nicht das Spektakelkino. Trotzdem haben sie ihre letzten Filme mit neuester Technik gedreht, in 3D-Technik. In Berlin erzählten sie von den Möglichkeiten und den Schattenseiten dieser Technik für den Kunstfilm.

Von Rüdiger Suchsland

Ang Lee gewann einen Golden Globe für "Brokeback Mountain" und kennt Wim Wenders seit knapp 20 Jahren. (AP)
Ang Lee gewann einen Golden Globe für "Brokeback Mountain" und kennt Wim Wenders seit knapp 20 Jahren. (AP)
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Der Deutsche Wim Wenders und der in Amerika lebende Chinese Ang Lee, beides als Filmregisseure eher Erben des europäischen Autorenfilms, als des effekthascherischen Spektakelkinos, haben ihre beiden letzten Filme in der neuen 3D-Technik gedreht: Wenders den Tanzfilm "Pina" über das Ensemble und das Lebenswerk der verstorbenen Wuppertaler Choreografin Pina Bausch, Ang Lee den märchenhaften Bestseller "The Life of Pi", zu deutsch "Schiffbruch mit Tiger" über einen indischen Halbwüchsigen, der als Einziger ein schlimmes Schiffsunglück überlebt, und über 200 Tage in einem Rettungsboot auf dem Ozean auf Hilfe wartet - zusammen mit einem ausgewachsenen Tiger.

Gestern diskutierten beide einen ganzen Spätnachmittag lang in der Berliner Akademie der Künste über die neuen Techniken und ihre Effekte auf die Filmkunst.

Als "Gipfeltreffen" hatte der Verleih diese Begegnung etwas arg vollmundig und bombastisch annonciert, als handle es sich um Abrüstungsverhandlungen unter Staatsmännern. Tatsächlich war es mehr ein Adventskaffeeplausch unter alten Freunden, die sich seit bald 20 Jahren kennen und an die alten Zeiten zurückerinnerten.

"Ich mag ihre Filme nicht nur, ich verehre Dich"."

schwärmte Ang Lee über den Kollegen und erinnerte an 1993, als er als völlig unbekannter Filmemacher auf der Berlinale den Goldenen Bär gewann.

Aber warum möchte ein so ausgewiesener Autorenfilmer jetzt mit 3D arbeiten?

""Ich denke nicht, dass ich diesen Film in 2D hätte machen können."

erklärte Ang Lee und schwärmte recht vorbehaltlos von der neuen Technik. Demgegenüber betonte Wim Wenders auch deren Schattenseiten:

"Für viele Leute ist es eine reine Attraktion, für die Studios vor allem ein Mittel, um noch mehr Geld zu verdienen, aber weder die Filmemacher noch das Publikum hat dazu eine richtige Beziehung."

Im weiteren Gespräch erinnerten beide Regisseure an die Geschichte des 3D-Bildes, von gescheiterten Versuchen in den 50er-Jahren - sogar Alfred Hitchcock drehte seinen schlechtesten Film auf 3D - bis heute wo die Digitalisierung des Filmbildes und die riesigen Rechenleistungen der Computer ein technisches Niveau erreichten, das die Utopie eines "sehgerechten" Kinobildes plötzlich realistisch erscheinen ließ. Der Durchbruch kam 2009 mit James Camerons "Avatar". Man hätte eine naive Vorstellung von Hollywood, wenn man wirklich daran glaubte, hier gäbe es kein genaues Kalkül, hier ginge es nicht auch darum, einen Film, der sowieso mit höchsten Erwartungen verbunden ist, dafür zu instrumentalisieren, um eine technische Revolution durchzusetzen - und sei es auch nur eine Scheinrevolution.

Die Nachteile wurden nicht verschwiegen: der Grauschleier durch die dunkle Brille, die Verengung des Gesichtsfelds, der Pop-Up-Buch-Effekt, das Nachziehen der Bilder bei schnellen Kamerabewegungen. Entscheidend ist aber erst der mittelbare Effekt der derzeitigen 3D-Technik: Sie reißt den Betrachter aus jener tagtraumgleichen Versenkung heraus, die doch seit seinen Anfängen eines der wesentlichen Elemente des Kinosehens ist.

All das verschwiegen Wenders und Ang Lee nicht. Im Gegenteil:

"We are still learning and we are still confused."

Plötzlich sind die Meister wieder Schüler und man wird den Verdacht nicht los, dass in diesem Reiz des Neuen, dem noch mal Anfangen und Entdecken können, der größte Reiz der 3D-Technik für Regisseure wie Lee und Wenders liegt.

Bemerkenswert war auch, wie erklärte Anti-Naturalisten, wie diese beiden Filmemacher, plötzlich eine Technik loben, weil alles angeblich so "echt" aussähe, weil alles wie in der Natur erscheint.

Entscheiden wird sich alles aber an der Kinokasse. Weil 3D-Filme viel, viel teurer in der Herstellung sind, und weil die Kinokarten für 3D viel teurer, wird in Amerika bereits zurückgerudert. Kein optimistischer Befund. Vielleicht aber kann ja Ang Lees "Life of Pi" - ab Weihnachten auch in Deutschland im Kino, eine Trendwende einleiten.

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