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Seit 19:15 Uhr Zur Diskussion
StartseiteLebenszeitFurcht vor dem Altwerden09.12.2011

Furcht vor dem Altwerden

Der Anti-Aging-Boom in Deutschland

Schlupflider, Augenringe, Knitterfalten und die Angst vor der immer jünger werdenden Konkurrenz: Es gibt Gemeinheiten im Leben einer Frau, denen ist nur mit schwarzem Humor beizukommen. Oder könnten ein paar Einheiten Botox die Symptome des Alterns doch noch lindern? Während die Potsdamer Kabarettistin Tatjana Meissner der Furcht vor dem Altwerden ein bissig-böses "Warten, bis man sich daran gewöhnt hat" entgegensetzt, boomt in Deutsch-land die Anti-Aging-Medizin -unterdessen auch bei Männern.

Eine Sendung von Judith Grümmer und Michael Roehl (Mod.)

Eine alte Dame geht in Berlin vor einer Seniorentagespflege auf der Straße entlang (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
Eine alte Dame geht in Berlin vor einer Seniorentagespflege auf der Straße entlang (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

"Jeder will älter werden, aber keiner will alt sein", erklärt Prof. Alfred Wolf. Der Ulmer Mediziner ist im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Anti-Aging-Medizin, die die Erforschung und Anwendung gezielter Therapien gegen altersabhängige Erkrankungen propagiert.

Wer "erfolgreich altern" möchte, der kann heute viel tun, um gesund, faltenlos und agil zu bleiben. Für Schönheitschirurgen und Hormonspezialisten, für Fitnesstrainer und Ernährungsberater ein einträgliches Geschäft.

Doch kann man mit medizinischen Therapien und einer gesunden Lebensführung dem Altern tatsächlich für lange Zeit entkommen?
Wie sehr nimmt mit dem Anti-Aging-Angebot auch der Druck zu, für das "erfolgreiche Altern" selbst verantwortlich zu sein?
Oder bedeutet Altern nicht auch, die körperlichen Veränderungen zu akzeptieren –und zwar ohne Botox und Co?

Der Anti-Aging-Boom in Deutschland, diskutieren Sie mit per Telefon unter:
00 800 4464 4464 oder per e-mail: Lebenszeit@dradio.de

Gäste:

Prof. Dr. med. Alfred Wolf ist im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin

Dr. Silke van Dyk ist Soziologin und Alternsforscherin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Die jungen Alten
Analysen einer neuen Sozialfigur. Hrsg. v. Silke van Dyk u. Stephan Lessenich 2009
Campus Verlag

Deutschland altert - und doch auch wieder nicht, denn die Alten werden immer jünger: Sie bleiben länger gesund, sind aktiv und mobil, zudem auch höher gebildet als früher. Vor allen Dingen aber wird die Gruppe dieser jungen Alten immer größer, denn schon bald wird die Generation der Babyboomer ihr langes Rentnerleben beginnen. Als Überalterung beklagt und eingebettet in die Wende zum aktivierenden Sozialstaat, wird diese Entwicklung derzeit zur Initialzündung für eine gesellschaftliche Neuverhandlung des Alters: Was läge näher, so hören wir allerorten, als die Ressourcen dieser Altersgruppe gesellschaftlich zu nutzen, alle Register einer Politik des aktiven Alterns zu ziehen? Der vorliegende Band versammelt erstmalig ins Deutsche übersetzte Grundlagentexte der englischsprachigen Diskussion sowie kritische Beiträge zur deutschen Debatte um das junge Alter und seine gesellschaftliche Bedeutung.

Silke van Dyk - Die Schattenseiten der neuen Altersaktivierung: Was als "Win-win-Strategie" propagiert wird, entpuppt sich als weiterer Schritt zur produktivistischen Mobilmachung - in: Der Freitag

Tatjana Meissner ist Kabarettistin und Autorin aus Potsdam
www.tatjana-meissner.de
Tatjana Meissner
"Alles außer Sex"
Zwischen Caipirinha und Franzbranntwein
Eulenspiegelverlag - Das neue Berlin
2010

Tatjana Meissner nimmt in ihrem zweiten Roman punktgenau, herzerfrischend offen und gewohnt humorvoll die zweite – und wie sie findet: bessere – Hälfte ihres Lebens aufs Korn.
Die Protagonistin hat endlich den Mann fürs Leben gefunden, die Kinder sind aus dem Haus, sie strotzt vor Kraft und Enthusiasmus und glaubt, das Leben endlich genießen zu können. Wären da nicht diese irritierenden Wahrnehmungsstörungen.

Auch wenn sich die Mittvierzigerin fühlt, als läge die ganz große Zukunft noch vor ihr, wird sie vom Leben ausgebremst und muss sich mit neuen, generationstypischen Problemen rumschlagen: mit dem nach Entfaltung schreienden Gesicht, welches ihr jeden Morgen aus dem Spiegel entgegen sieht; mit ihrem Lebensabschnittsbevollmächtigten, der durch seine neue Brille schärfer sieht, aber weniger scharf zu sein scheint. Sie quält sich mit körperlichem Verfall, einschlafender Libido, der Stagnation der Karriere; wundert sich über in Armani-Wolken gehüllte und Mercedes fahrende Freunde in der Midlifecrisis, beschäftigt sich plötzlich mit Erbschaften, Hochzeiten und Todesfällen. Zunehmend trifft sie ihre Freundinnen nicht mehr im Café, sondern beim Arzt oder beim Schönheitschirurgen, ihre Schwester leidet am "Burn-out-Syndrom". Und vor allem: Ihr Traummann macht absolut keine Anstalten, ihr einen Heiratsantrag zu machen.

Nicht mehr zur "Generation i-pod", vielleicht nicht mal mehr zur "Generation Golf" zu gehören, ist ein langer, und schwerer Erkenntnisprozess, den Tatjana Meissner selbstironisch, mit viel Witz und einem frischen Blick auf weibliche Unzufriedenheiten und männliche Unzulänglichkeiten schildert.

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