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StartseiteSport am WochenendeKampf gegen Manipulationen 08.01.2017

FußballKampf gegen Manipulationen

Die FIFA will offenbar die Mega-WM mit 48 Teams. Auf der nächsten Sitzung am 10.01.2017 könnte sie beschlossen werden. Geht das? Ja, sagt ein Unternehmer aus Chile. Er hat ein Spielsystem für beliebig viele Teams entwickelt - das nebenbei auch Wettbetrug bekämpfen soll.

Von Matthias Friebe

Matchfixing - Spieler und Schiedsrichter können anfällig sein (imago Sportfoto)
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"Das, was sie hier geboten haben, das riecht nun wirklich nach Absprache und Schiebung."

Die Schande von Gijon. In der Vorrunde der WM 1982 stehen sich im letzten Gruppenspiel Deutschland und Österreich gegenüber. Vor der Partie ist klar, ein knapper Sieg der deutschen Mannschaft reicht beiden Teams zum Weiterkommen. Das andere Spiel in der Gruppe zwischen Algerien und Chile ist schon beendet. Algerien muss hilflos zusehen, wie sich nach dem 1:0 der deutschen Mannschaft die beiden Teams nur noch die Bälle hin und her spielen. Ein Nichtangriffspakt.

"Zu bewundern vielleicht einzig und allein nicht etwa die Nerven sondern die Kaltschnäuzigkeit der 22 Profis dort unten trotz aller Proteste, dieses Spiel in dieser Art und Weise über die Zeit zu bringen. Und man kann froh sein, wenn diese Zeit abgelaufen ist."

Wettbetrug gehört zum Alltag

Empörte Kritik von ARD-Kommentator Eberhard Stanjek. Empörte Kritik in der gesamten Fußballwelt. Um eine zweite Schande von Gijon zu verhindern, werden deshalb die letzten Spiele einer Gruppe inzwischen zeitgleich ausgetragen. Absprachen gibt es dennoch, davon ist Leandro Shara überzeugt. Der Chilene ist Geschäftsführer der Firma Matchvision und schlägt ein völlig neues System für Turniere vor.

"Alles hat sich entwickelt: Kommunikation, Medizin, Echtzeit-Statistiken, nur Turnierformate nicht."

Dabei geht es aber nicht nur um abgesprochene Ergebnisse, um den Turnierverlauf zu beeinflussen: Bei 500 Mrd. Umsatz auf dem globalen Wettmarkt gehört auch Wettbetrug zum Alltag. Vielen ist noch der Fall Robert Hoyzer bekannt. Der später zu einer Haftstrafe verurteilte Schiedsrichter hatte im Auftrag einer kroatischen Wettmafia um den früheren Fußballer Ante Sapina mehrere Spiele bewusst verpfiffen. Andere Fälle auch aus anderen Sportarten ließen sich problemlos ergänzen.

Um auch solche Fälle zu verhindern, plädiert Leandro Shara für ein völlig neues Turniersystem, ein Format ohne Gruppen. Absolute Flexibilität. Das gilt sogar für die Teilnehmerzahl. Shara erklärt, sein System funktioniere auch mit anderen Feldern als 16, 32 oder den gerade bei der von der FIFA diskutierten 48 Teams.

"Die FIFA sagt, es ist unmöglich eine WM mit 36 Mannschaften zu spielen. Sie haben versucht, für die WM 2006 in Deutschland etwas Neues zu kreieren. Das war aber unmöglich. Wir glauben, dass es geht und dass man damit Match-Fixing reduzieren kann."

Das soll durch ein recht einfaches System mit drei Töpfen funktionieren. Bei 36 Teams wären das drei Töpfe mit je zwölf Mannschaften. Diese könnte man zum Beispiel nach Stärke in der Weltrangliste sortieren.

"Dann wären im Topf A die Topteams wie Deutschland und Argentinien, vielleicht Brasilien, vielleicht auch die Niederlande."

Die anderen beiden Töpfe könnten dementsprechend der Rangliste angepasst werden. Soweit, so einfach. Das Neue ist jetzt der Modus.

"Es spielt keine Rolle, in welchem Topf Ihr Team einsortiert wird. Es spielt gegen eine Mannschaft aus A wie Argentinien, ein Team aus B wie die Schweiz und ein Team aus C, wie Korea. Drei Spiele, so wie heute."

Keine Vierergruppen

Der entscheidende Unterschied ist, es werden keine Vierergruppen gebildet, sondern am Ende der Vorrunde gibt es eine große Tabelle mit allen in diesem Fall 36 teilnehmenden Mannschaften. In gewissem Sinne spielt also jeder gegen jeden. Die ersten 16 erreichen das Achtelfinale.

"In der zweiten Runde spielt dann der 1. der Vorrunde gegen den 16., der 2. gegen den 15., der 3. gegen den 14."

Nach strengem Schema also werden weitere Paarungen ausgetragen. Und hier sieht Shara den entscheidenden Vorteil seines neuen Turnierformats.

"Jedes Team wird versuchen, so gut wie möglich da zu stehen. Argentinien will immer besser als Brasilien sein und andersherum. Algerien will über Ägypten stehen, England vor Deutschland. Der gesamte Wettkampf wird sehr eng, kein Team wird es sich leisten können, Punkte abzugeben."

So könne sich vor dem letzten Gruppenspiel niemand sicher sein, weiter zu kommen und keiner wird schon davor komplett chancenlos sein, weil es eben eine Kompletttabelle aller Teilnehmer gibt.

"Sonst versuchen große Teams, die die ersten beiden Spiele gewonnen haben, im dritten Spiel Karten oder Verletzungen zu verhindern. Jetzt müssen sie sehen, Erster zu werden, um einen schwächeren Gegner in der nächsten Runde zu bekommen."

Mehr Live-Spiele und Fernsehgelder

Leandro Shara rechnet vor, dass so die Wahrscheinlichkeit für Absprachen und/oder Matchfixing von rund zwei Drittel auf unter 10 Prozent reduziert werden können. Er sieht obendrein noch viele weitere Vorteile, die er – ganz Verkäufer – auch anzupreisen versteht. Zeitgleiche Gruppenspiele wären in seinem System nicht mehr nötig, es gäbe mehr Live-Spiele und Fernsehgelder. Und: länger dauern muss das Turnier auch nicht.

"Heute dauert die WM 32 Tage mit 32 Teams, unser System hat 36 Teams in 32 Tagen. Sogar mit 42 Mannschaften bräuchte es nur zwei Tage mehr."

Und noch ein kleiner Nebeneffekt. Weil jedes Team ähnlich schwere Gegner hat und selbst eine starke Mannschaft aus Topf A gegen eine weitere aus diesem Topf spielen muss, wären attraktive Eröffnungsspiele drin. Einige Turniersysteme hat Shara mit seiner Firma schon konzipiert und in verschiedenen Sportarten implementiert. Beispiel im Fußball ist die Copa Peru, der peruanische Pokal, der mit 50 Mannschaften ausgetragen wird. Kontakte zu FIFA oder UEFA hat es zwar schon gegeben, die großen Fußballorganisationen haben aber kein rechtes Interesse an Sharas Ideen. Sie wollen beim traditionellen System bleiben.

Inwieweit Manipulationen auf dem globalen Wettmarkt damit effektiv eingedämmt werden können, muss sich noch zeigen. In jedem Fall aber, glaubt Leandro Shara, sollen Spiele wie die Schande von Gijon damit der Vergangenheit angehören.

"Die Partie ist vorbei. Beide Mannschaften sind eine Runde weitergekommen. Mehr braucht man jetzt nicht mehr zu sagen. Zurück nach Deutschland."

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