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Startseite@mediasresQualitätsjournalismus in Lateinamerika07.08.2017

'Gabriel García Márquez' StiftungQualitätsjournalismus in Lateinamerika

Der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez war auch ein leidenschaftlicher Journalist. 1995 gründete er seine "Stiftung Neuer Iberoamerikanischer Journalismus". Rund zehntausend Lateinamerikaner und Spanier haben seitdem an den Seminaren in Cartagena teilgenommen.

Von Victoria Eglau

Jaime Abello, Direktor der Stiftung Neuer Iberoamerikanischer Journalismus (Deutschlandfunk/ Victoria Eglau)
Jaime Abello, Direktor der Stiftung "Neuer Iberoamerikanischer Journalismus" (Deutschlandfunk/ Victoria Eglau)
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Schriftsteller Gabriel García Márquez Revolutionäre Pflicht zum guten Schreiben

"Gabriel gründete diese Stiftung, weil er wollte, dass der Journalismus in Kolumbien seinen Namen verdient. Unser Journalismus war stark politisiert, die Medienbesitzer pflegten enge Kontakte in die Politik. Gabriel aber wollte den unabhängigen Qualitätsjournalismus fördern",

erzählt Jaime García Márquez, der seit der Gründung vor 22 Jahren in der 'Stiftung Neuer Iberoamerikanischer Journalismus' seines berühmten älteren Bruders arbeitet. Tatsächlich schloss das hochgesteckte Ziel des Schriftstellers, zu einem ethischen, investigativen und erzählerisch brillanten Journalismus beizutragen, von Anfang an ganz Lateinamerika und Spanien mit ein. Chroniken und Reportagen, ein in der lateinamerikanischen Presse nicht allzu verbreitetes Genre, sind ein Schwerpunkt der Journalisten-Workshops in Cartagena.

Jaime García Márquez, Bruder des Schriftstellers und Mitgründer der Journalismus-Stiftung (Picasa)Jaime García Márquez, Bruder des Schriftstellers und Mitgründer der Journalismus-Stiftung (Picasa)

Journalistisches Handwerk soll perfektioniert werden

"Gabo sagte, eine Reportage sei eine Erzählung, die wahr sei, und sie müsse so vollständig wie möglich sein. Er hatte eine Leidenschaft für gut erzählte Geschichten, die zu einem besseren Verständnis der Welt beitragen",

sagt Jaime Abello, der die Stiftung leitet, seit er von Gabo, wie der vor drei Jahren verstorbene García Márquez in Lateinamerika genannt wird, damit beauftragt wurde. Die überwiegend jungen Teilnehmer der Seminare in Cartagena müssen sich bewerben und erhalten - wenn nötig - Stipendien. Sie bekommen die Chance, ihr Handwerk unter Anleitung der besten Vertreter des spanischsprachigen Journalismus zu perfektionieren. Die Stiftung bietet auch eine Online-Beratung für Fragen zur journalistischen Ethik an.

"Für García Márquez waren Ethik und Technik im Journalismus untrennbar, so wie die Fliege und das Summen. Auch war er der Meinung, dass jeder Journalismus per se investigativer Journalismus sein müsse. Diese Ideen haben auch heute noch Gültigkeit."

"Gute Journalisten erobern sich ihre Freiräume"

Seit der Gründung von García Márquez' Stiftung 1995 sind die Bedingungen, unter denen lateinamerikanische Journalisten arbeiten, nicht einfacher geworden. Nach wie vor sind Pressevertreter vielerorts Drohungen und Gewalt ausgesetzt, Beispiel Mexiko und Brasilien. Häufig arbeiten Journalisten in prekären Arbeitsverhältnissen und werden schlecht bezahlt. Und immer noch ist der Journalismus in Lateinamerika starken politischen Einflüssen ausgesetzt. In diesem schwierigen Kontext entstehen mehr und mehr unabhängige Medienprojekte. Die Stiftung veranstaltet unterstützende Workshops – ihr Direktor Jaime Abello:

"Der Journalismus sucht neue Ausdrucksformen und nutzt mehr und mehr die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters. Bei der Vergabe unseres Gabriel García Márquez-Preises im vergangenen Jahr vertraten elf der zwölf Finalisten neue Medienprojekte. Wir ermuntern den Nachwuchs dazu, selbst die Initiative zu ergreifen. Gute Journalisten erobern sich ihre Freiräume. Ich würde sagen, die Medienlandschaft ist vielfältiger geworden."

"Wahrheitssuche" ist das journalistische Ziel

Optimismus in schwierigen Zeiten, in denen auch immer wieder Zeitungen und Sender eingestellt werden. Das Internet, Chance und Ort für alternative, innovative Berichterstattung, stellt den Journalismus zugleich vor riesige und komplexe Herausforderungen - nicht nur in Lateinamerika, sondern rund um den Globus. 

"Angesichts der Flut von Informationen und Meinungen, deren Ziel oft die politische Beeinflussung und Manipulation ist, haben wir Journalisten mehr denn je die Aufgabe, ethisch und transparent zu arbeiten und uns nur von der Wahrheitssuche leiten zu lassen. Nicht nur Journalisten, sondern alle Internet-Nutzer müssen dazulernen, was den Umgang mit Informationen aus den sozialen Netzwerken angeht. Unsere Stiftung will dazu beitragen."

 

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