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StartseiteInformationen am MorgenEin Inkubator für die wirtschaftliche Zusammenarbeit08.01.2016

Gabriel in KubaEin Inkubator für die wirtschaftliche Zusammenarbeit

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bemüht sich in Kuba um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem kommunistisch geführten Land. Die Berliner Humboldt Universität nutzt schon jetzt Kontakte aus DDR-Zeiten für ein deutsch-kubanisches Erfinderlabor.

Von Angela Ulrich

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca beim Deutsch-Kubanischen Entrepreneur-Treffen in Havanna. (AFP/Yamil Lage)
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Marmierca unterzeichnen am Donnerstag die Vereinbarung für ein Verbindungsbüro der deutschen Wirtschaft in Havanna. (AFP/Yamil Lage)
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Jan Ehlers sprüht vor Begeisterung. Der blond gelockte Berliner will Kubas Startup-Szene Atem einhauchen, sie fit machen für den Wandel im Land und für Wettbewerb. Und zwar per Inkubator – was nichts zu tun hat mit Krankenhausgerät:

"Ein Inkubator ist ein Brutkasten für Unternehmen. Wir haben den hier gegründet, damit kubanische Personen von der Uni Havanna ein Unternehmen gründen können."

Die Erfinder in spe sind kubanische Studenten und Professoren. Im Humboldt-Uni Projekt bekommen sie für 100 Tage einen Kreativraum mit freiem Internet und Computern zur Verfügung gestellt – eine Seltenheit in Havanna. Was dabei herauskommt?

"Eine Gruppe versucht eine App zu entwickeln, die offline funktioniert, um den öffentlichen Nahverkehr in Havanna zu organisieren. Jemand anderes macht Area Inspection, dass heißt mit einer Drohne Kameraaufnahmen von Solarfeldern. Das sind Geschäftsideen, die ich durchaus für den kubanischen Markt für erfolgsversprechend sehe.

Genau solche Projekte will Sigmar Gabriel zwischen deutschen und Kubanischen Partnern voranbringen. Und zwar auf Augenhöhe, sagt er:

Vereinbarung für Verbindungsbüro

"Wir kommen dabei nicht als Besserwisser nach Kuba, sondern als Partner."

Gabriel unterschreibt in Havanna eine Vereinbarung über ein künftiges Verbindungsbüro für die deutsche Wirtschaft. Ob es je kommt ist offen. Die Berliner Humboldt Uni nutzt dagegen alte Kontakte aus DDR-Zeiten zu ihrem Pendant in Havanna. Und Jan Ehlers, der Betreuer des noch jungen Erfinderlabors, hat schon einen Interessenten unter den mitreisenden Unternehmern von Gabriels Delegation gefunden: Friedbert Pflüger, früher CDU-Staatssekretär, heute Berater mittelständischer Unternehmen. Einer seiner Kunden, der Solarspeicher baut, könnte sich für die kubanischen Projekte interessieren:

"Eigentlich eine gute Idee, ob man die nicht zusammenbringen könnte."

Politische Öffnung im Schneckentempo

Bisher stehen dem häufig noch bürokratische Hemmnisse der kubanischen Staatswirtschaft im Wege. Denn so klar das Land um wirtschaftliche Impulse wirbt – die politische Öffnung geht allenfalls im Schneckentempo voran. Und Vorsicht – wenn Länder wie Deutschland nicht aktiv werden, droht der Ausverkauf Kubas in Richtung USA, warnt Ex-Politiker Pflüger:

"Das was Deutschland wirklich leisten kann, ist eine strategische Beratung der Spitzen der kubanischen Regierung, wie man die notwendige wirtschaftliche Transformation so gestaltet, ohne dass Kuba wieder wie schon in den 1950er-Jahren wieder eine Art Kolonie der Vereinigten Staaten von Amerika wird."

Sigmar Gabriel trifft unterdessen einen Regierungsvertreter in Havanna nach dem anderen. Am letzten Tag könnte noch Präsident Raul Castro dazukommen. Dabei ist der Vizekanzler auch als SPD-Chef unterwegs, im Museum zu Ehren des Nationalhelden Kubas, José Marti. Das über 100 Meter hoch aufragende Marti-Monument auf dem Revolutionsplatz in Havanna erspart sich Gabriel.

"Sie müssen wiederkommen wirbt der Museumsführer, wir haben von oben eine wunderbare Aussicht."

Aber – der Aufzug ist seit Langem kaputt.

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