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StartseiteVerbrauchertippDie Natur ist der beste Pflanzenschutz13.06.2017

Gärtnern ohne GiftDie Natur ist der beste Pflanzenschutz

Schnecken, Unkraut, Blattläuse: Im Kampf gegen Schädlinge und Co setzen immer noch viele Gartenfreunde auf Chemie. Doch es geht auch anders - Nützlinge und Öko-Dünger helfen beim Gärtnern ohne Pestizide.

Von Claudia Rometsch

 Bunte Wildblumen-Saatmischung in einem Naturgarten mit Insektenhotel  (imago stock&people)
Insektenhotels fördern das Ansiedeln von Nützlingen. (imago stock&people)
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Im Natur-Schaugarten in Wachtberg bei Bonn sind Pflanzenschutzmittel tabu. Schädlinge haben dennoch kaum eine Chance. Ein Grund dafür: Statt hochgezüchteter, empfindlicher Zierpflanzen wachsen hier robuste, einheimische Arten. "Hier blüht jetzt gerade sehr schön die Waldanemone, eine Verwandte unseres Buschwindröschens. Dann kommt der Heilziest irgendwann, das sind diese Blätter hier. Und die Graslilien kommen und das Salomonssiegel", erklärt Gartenplanerin Ulrike Aufderheide, Vorstandsmitglied des Vereins Naturgarten. Pflanzenschädlinge werden hier weitgehend durch natürliche Feinde in Schach gehalten. "In einem naturnahen Garten leben sehr, sehr viele Tiere. Und das ist ein Netzwerk, das sich selber reguliert."

Marienkäfer fressen zum Beispiel Blattläuse. Igel, Eidechsen und Vögel beseitigen zuverlässig Schnecken. Das beste Schädlingsbekämpfungsmittel sei deshalb, diesen Tieren Lebensraum zu bieten, sagt Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland.

"Zum Beispiel auch Brennnessel-Ecke, höheres Gras in einer Ecke, Reisighaufen, Insektenhotel. Einfach, dass das Gesamtgefüge ein bisschen unordentlicher ist. Dazu sollte man dann den Mut haben, wenn man gerne Nützlinge im Garten haben möchte und sich selbst etwas zurücknehmen möchte mit der Arbeit."

Nützlinge fördern statt Schädlinge bekämpfen


Fördern kann man Nützlinge auch durch hölzerne Insektenhotels aus dem Handel, Vogel-Brutkästen oder Igel-Häuser. Wenn schnelle Hilfe gefragt ist, etwa bei starkem Schädlingsbefall: Insekten-Nützlinge wie Florfliegenlarven oder Schlupfwespen gibt es mittlerweile auch im Fachhandel. Damit lassen sich zum Beispiel Spinnmilben, Blattläuse oder Apfelwickler wirkungsvoll bekämpfen. Gegen Nacktschnecken empfiehlt der Naturschutzbund, Kaffeepulver rund um die Pflanzen zu streuen. Bei Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Rosenrost helfen Aufgüsse aus Schachtelhalm oder Adlerfarn.

"Die setzt man dann ein bis zwei Wochen mit Regenwasser an, lässt es in der Sonne stehen, bis es so ein bisschen gärt, rührt regelmäßig um und verdünnt dann das Ganze eins zu zehn und bringt das dann aus."

Wenn es schneller gehen soll: Etwa 1,5 Kilogramm Schachtelhalm oder Adlerfarn in zehn Litern Wasser 24 Stunden ziehen lassen und dann eine halbe Stunde köcheln. Im Internet findet man viele weitere Aufgussrezepte gegen Pflanzenkrankheiten. Wenn man unerwünschte Kräuter wie Löwenzahn oder Giersch ohne Chemie bekämpfen will, hilft hingegen nur eines: nämlich jäten.

Alternativ kann man aber den Garten so gestalten, dass diese Kräuter erst gar keine Chance haben. "Das erste was man machen kann, ist sich zu verabschieden vom deutschen Erdgarten. Also von dieser Vorstellung, man hat da irgendwie eine Pflanze und da drumherum ist Erde." Stattdessen kann man dafür sorgen, dass der Boden komplett bewachsen ist - etwa mit Bodendeckern, Wildblumen oder Wildstauden. "Zum Beispiel Facelia oder Ackerbohne. Und die haben den Sinn, dass sie die Oberfläche des Bodens bedecken. Und dadurch können keine Unkräuter aufkommen. Weil die natürlich kein Licht bekommen und nicht keimen können." Den gleichen Effekt hat es, den Boden abzudecken, etwa mit Rindenmulch, Stroh oder Schotter.

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