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Gangstersaga, Kampfpoesie und Knast-Drama

Tom Hardy in den DVD-Premieren "The Take", "Warrior" und "Bronson"

Von Hartwig Tegeler

Ähnlich wie der frühe Robert de Niro ist auch Tom Hardy dafür bekannt, dass er seinen Körper für die Rolle umformt.
Ähnlich wie der frühe Robert de Niro ist auch Tom Hardy dafür bekannt, dass er seinen Körper für die Rolle umformt.

Der britische Schauspieler Tom Hardy ist ganz oben angekommen. Nach Rollen in <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="170774" text="&quot;Inception&quot;" alternative_text="&quot;Inception&quot;" /> und <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="172821" text="&quot;Dame, König, As, Spion&quot;" alternative_text="&quot;Dame, König, As, Spion&quot;" /> spielt er den Bösewicht im nächsten Batman-Streifen. Nun kommen drei Filme auf BluRay und DVD auf den Markt, in denen Hardy atemberaubende Vorstellungen hinlegt.

Die Gangstersaga "The Take - Zwei Jahrzehnte in der Mafia" beginnt mit einer Einstellung im Knast. Gitter, Gänge; Freddie wird entlassen. Türen werden aufgeschlossen.

"Ich komm also vorzeitig raus."

"Ja, wegen besonderer Umstände."

Und nur mit seinem Gang und der Körperhaltung, dem Schwingen der Hüfte, dem Grinsen und dem Naseschniefenden, hat Tom Hardy der Figur des Gangsters schon in den ersten zwei, drei Minuten des Films so etwas wie eine unauslöschbare Signatur als dunkle, schwarze Sinnlichkeit eingeschrieben. Unruhe des Körpers, ein Vibrieren, das in seiner Bedrohlichkeit an den jungen Robert de Niro in Martin Scorseses Film "Taxi-Driver" erinnert. Immer kurz vor der Explosion. Cousin Jimmy holt Freddie aus dem Knast ab:

"Ist eine Menge an dir vorbei gelaufen. Hat sich viel verändert."

"Das einzige, das an mir vorbeigelaufen ist, ist die viele Kohle, als ich im Knast war."

Regisseur David Drury erzählt in "The Take" vom Aufstieg und Fall eines Gangsters. Das neue Alphatier gegen den alten Mafiosi, der ein letztes Mal sein Muskeln spielen ließ und gegen den Jüngeren doch schon verloren hat:

"Trink ordentlich, zieh dir Koks rein. Denn wenn die Feier gelaufen ist, marschierst du mit deinem blöden Cousin hier mit leeren Händen raus."

"Wirklich?"

Wieder Tom Hardys Schniefen.

"Seien wir ehrlich, du verarscht mich, seitdem du wieder aus dem Knast gekommen bist. Dein Geld kannst du für immer abschreiben. Sei froh, dass ich dich lebend nach Hause gehen lasse."

Und noch einmal, wieder als Körpersignatur, lässt Tom Hardy "seinen" Freddie in "The Take" schniefen. Kurz danach wird der alte Gangaster mit aufgeschlitzter Halsschlagader verbluten. Explosion. - "The Take" erzählt eine Gangster- und Familiengeschichte, die in düsterste Abgründe führt. Und die, die am Anfang noch beste Freunde waren, Freddie und Cousin Jimmy, stehen sich am Ende als Todfeinde gegenüber:

"Wenn das hier vorbei ist, leg ich dich um. - Du weißt einen Scheiß. Gleich in der Leichenhalle hättest du mich erschießen müssen."

"The Take", der ein Jahr davor entstandene Film "Bronson" von Nicolas Winding Refn und "Warrior" von Gavin O´Connor sind bei uns nicht ins Kino gekommen, sondern auf DVD beziehungsweise BluRay erschienen. Aber alle drei Filme liefern ein eindrucksvolles Bild von der Präsenz des 1977 in London geborenen Tom Hardy. Christopher Nolan wusste wohl genau, warum er dem die Rolle des Bösewichtes in neuen "Batman"-Film gab. Abgrundtiefe wie tiefdunkle Körperlichkeit:

"Mein Name ist Charles Bronson"

Dunkle Sinnlichkeit, wie gesagt:

"Und ich hatte immer nur ein Ziel. Ich wollte berühmt werden."

Höllenschlunde reißt Tom Hardy gerne mit seinen Figuren auf.

"Ich spürte eine Berufung in mir. Bedauerlicherweise konnte ich nur nicht sagen welche."

Ähnlich wie der frühe Robert de Niro ist auch Tom Hardy dafür bekannt, dass er seinen Körper für die Rolle umformt. Für "Bronson" trainierte er sich ebenso Muskelmasse an wie auch für die Rolle des Ex-Marines und Martial-Arts-Kämpfers Tommy in "Warrior". Doch um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es geht dabei nicht um plumpes Adrenalin-Macho-Kino. "The Take" ist ein komplexes Gangsterdrama, das den Vergleich mit Gangsterfilmen von Martin Scorsese oder dem Mafia-Epos "Der Pate" von Coppola nicht zu scheuen braucht.

Und "Warrior" ist zwar ein Genrefilm, aber Regisseur Gavin O´Connor und Hauptdarsteller Tom Hardy erschaffen neben den elektrisierenden Kampfszenen gleichzeitig eine schöne eindrucksvolle Poesie, eine Bruder-Bruder- und Vater-Sohn-Bezieung. Tom Hardy verbindet Körper und Charakter, Männlichkeit und Psyche und lässt so Figuren entstehen, die tief, ja, zum Heulen anrühren, beispielsweise, wenn den zerstrittenen Brüdern - am Ende werden sie im Martial-Arts-Finale gegeneinander antreten - kein klärendes Gespräch gelingt. Ein Muskelmann, der vergeblich die Verzweiflung hinter der Muskelmasse halten will:

"Weißt du was, du kannst noch so viel mit Fotos von deiner Frau rumlaufen und sagen ´Ich verzeih dir!´, ´Ich verzeih Pop!´, ´Ich verzeih allen!´, aber trotzdem bist du einfach nur ... Scheiße!"

Tom Hardy Figuren bekommen so eine Seele. Eine der herzerweichendsten Filmszenen der letzten Zeit ist in "Warrior" zu sehen: Der Sohn findet seinen alkoholkranken Vater - Nick Nolte. Nach mehr als drei Jahren ist er das erste Mal wieder sturzbetrunken. Der Sohn, der ihn hasst, dieser durchtrainierte Kämpfer weiß nicht, was er mit dem weinenden Mann machen soll.

Nimmt ihn in den Arm, legt ihn aufs Bett und wiegt ihn ... der Sohn den Vater ... wie ein kleines Kind. Und dabei das Gesicht von Tom Hardy, unsicher, verzweifelt; und es vermittelt uns einen Eindruck davon, was zerstört worden ist, als dieser Warrior noch der kleine Sohn dieses Alkoholikers war. Hier sehen wir Tom Hardy, sehen einen großen Schauspieler bei seiner bewegenden Arbeit.



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