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Ganztagsschule und Inklusion

Gemeinschaftsschule auf Fehmarn ist für alle

Von Claudia van Laak

Damit Inklusion funktioniert, braucht es bestimmte Bedingungen.
Damit Inklusion funktioniert, braucht es bestimmte Bedingungen. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Deutschland hat eine UN-Konvention unterschrieben, nach der behinderte Kinder das Recht haben auf eine Regelschule zu gehen. Auf einem Schulkongress in Berlin wird diskutiert, wie Ganztag und Inklusion zusammengehören. In der Inselschule Fehmarn ist es längst Normalität.

2007 brach sie aus, die Schulrevolution auf der idyllischen Ostseeinsel Fehmarn. 2007 wurden vier Schulen zu einer zusammengeschlossen – Haupt,- Real- und Förderschule, dazu das Gymnasium. Heraus kam die Inselschule Fehmarn, eine Gemeinschaftsschule für 1000 Kinder, eine Schule für Kleine und Große, Schwarze und Weiße, Hochbegabte und Behinderte.

"Das zusammen in einer Schule in ein gemeinsames Lernen umzuwandeln, hieß auch ganz viel Änderung in den Köpfen, sowohl extern in der Bevölkerung als auch intern bei den Lehrkräften, und das war viel schwerer als die Kinder zu inkludieren","

sagt Schulleiterin Michaela Schmeiser. Was für viele Eltern und auch Lehrer im Moment kaum vorstellbar ist – Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichten - das ist in der Inselschule Fehmarn seit fünf Jahren Normalität. Uns fällt es gar nicht mehr auf, sagen Johanna und Jule, Schülerinnen der zehnten Klasse.

""Wir kennen das gar nicht anders, weil wir seit der fünften Klasse so sind, und so eingeschult worden sind. Es gibt immer Leute, die das nicht verstehen und nicht wollen. Wenn man das nicht ausprobiert hat, dann kann man darüber auch nicht urteilen."

Damit Inklusion funktioniert, braucht es allerdings bestimmte Bedingungen, erläutert Schulleiterin Michaela Schmeiser, baulich und personell. Sie ist davon überzeugt: Eine Schule für alle funktioniert nur mit Ganztag.

"Wir haben die Kinder länger da, wir haben länger die Möglichkeit, auf sie einzuwirken, ihnen Werte und Normen beizubringen, das menschliche Miteinander, den respektvollen Umgang, die ganzen Sozialkompetenzen, und sie dann in den Dingen zu fördern, wo sie auch Spaß haben, und die dann für sie mit Schule verkoppelt wird, wie Sport, wie kreative Geschichten, das ist ganz wichtig, diese positive Konnotation von Schule, gerne hingehen wollen."

Der Präsident der Kultusministerkonferenz Ties Rabe sieht dies genauso. Inklusion und Ganztag gehören zusammen, sagt Hamburgs SPD-Schulsenator.

"Im Unterricht alleine hat man überwiegend mit kognitiven Herausforderungen zu tun, jedenfalls so wie sich Unterricht häufig gestaltet. Die Ganztagsschule als ein viel umfassenderer Ansatz bietet aus meiner Sicht vielfältigere Möglichkeiten, auf diese Kinder einzugehen."

Beim Umwandeln von Halbtags- in Ganztagsschulen sind die Länder schon sehr viel weiter als beim gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderungen. Die Lehrer an den Regelschulen fühlen sich vielfach überfordert, die Lehrer an Förderschulen haben den Eindruck, ihre Kompetenzen werden nicht mehr geachtet, sie befürchten, ihre Schulen sollen geschlossen werden. Michaela Schmeiser, Leiterin der Inselschule Fehmarn, hat gute Erfahrungen mit dem Zusammenschluss von Regel- und Förderschule gemacht. Es hilft, wenn es ein gemeinsames Kollegium gibt, sagt sie.

"Ich finde diese Zusammenschlüsse sehr gut, das wird ja sehr zwiespältig gesehen, ich finde es gut, weil wirklich alle voneinander profitieren, und auch eine gegenseitige Akzeptanz da ist, die sonst bei so isolierten Systemen nicht aufkommt, da ist ja immer eine Schlucht, deshalb finde ich das sehr wichtig. Aber ich bin auch dafür, dass mehr Stunden von Förderschullehrkräften in diese integrativen Maßnahmen gegeben werden, weil das ganz wichtig ist."

Zurzeit besucht erst eines von fünf behinderten Kindern eine Regelschule – bei der Inklusion haben die Länder also noch eine Menge zu tun.

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