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StartseiteKommentare und Themen der WocheDer Irak braucht mehr als nur Geld12.02.2018

Geberkonferenz in KuwaitDer Irak braucht mehr als nur Geld

Die Geberkonferenz für den Irak in Kuwait ist richtig, meint Jürgen Stryjak. Denn für den Wiederaufbau werde viel Geld benötigt. Jedoch sollten die Investoren und Geber aus dem Ausland die Bereitstellung von Geldern an Bedingungen knüpfen.

Von Jürgen Stryjak

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Ein kuwaitischer Journalist spricht vor dem Logo der Geberkonferenz für den Irak in sein Handy. (YASSER AL-ZAYYAT / AFP)
Im Irak müsse es vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den Bevölkerungsgruppen geben, meint ARD-Korrespondent Jürgen Stryjak. (YASSER AL-ZAYYAT / AFP)
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Drei Jahre lang wurde rund ein Drittel des Irak von den Terroristen vom sogenannten Islamischen Staat beherrscht. Diese Phase ist weitestgehend Geschichte. Die Dschihadisten wurden aus Mossul vertrieben, zuvor aus der Provinz Anbar westlich von Bagdad sowie aus etlichen anderen Teilen des Landes. Das ist ein Erfolg – einer, der allerdings damit erkauft wurde, dass fast alle diese Landstriche verwüstet wurden. Wohnhäuser, Industrieanlagen, Schulen, Straßen und Brücken liegen in Trümmern.

Für den Wiederaufbau wird viel Geld benötigt. Die internationale Geberkonferenz in Kuwait ist richtig, sie beschäftigt sich nicht nur mit einer innerirakischen Krise, sondern mit einer, die auch das Ausland angeht. Denn wo Menschen aus ihrem Elend befreit werden, dort verringert sich auch das Risiko, dass diese Menschen extremistischen Rattenfängern auf den Leim gehen, die am Ende auch das Ausland bedrohen.

Eins der größten Probleme: Korruption

Aber Moment! Ist Irak aufgrund seiner Ölvorkommen nicht bereits jetzt schon ein vergleichsweise reiches Land? Kann es seinen Wiederaufbau nicht selber bezahlen? Wer zum Beispiel durch das weithin runtergekommene Bagdad fährt, der fragt zwangsläufig: Wo bleibt eigentlich das viele Geld aus dem Ölverkauf? Iraker beantworten diese Frage zumeist nur mit einem Wort: Korruption. Über dunkle Kanäle würden sich die Eliten hemmungslos bereichern.

Das ist eines der drängendsten Probleme, die gelöst werden müssen. Auf der Konferenz hat die Regierung nun versprochen, die Korruption schonungslos zu bekämpfen. Bislang kann man nur hoffen, dass dies auch geschieht. Dass vor wenigen Tagen ein Anti-Korruptions-Aktivist im Irak zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist kein gutes Zeichen.

Gelder an Bedingungen knüpfen

Aber es gibt noch ein Problem: Seit Jahren versucht die schiitische Bevölkerungsmehrheit den Irak zu dominieren. Die Sunniten fühlen sich zu recht diskriminiert. Aber sie sind es, die am meisten Hilfe nötig haben, denn beim Kampf gegen den IS wurden ihre Gebiete verwüstet. Damit die Gelder also die Bedürftigen erreichen, muss es im Irak statt Machtkämpfe eine nationale Versöhnung und vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den Bevölkerungsgruppen geben.

Investoren und Geber aus dem Ausland täten gut daran, die Bereitstellung von Geldern an Bedingungen zu knüpfen, die diese Probleme auch berücksichtigen.

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