• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 08:30 Uhr Nachrichten
StartseiteKultur heuteGebrannte Skulpturen30.06.2012

Gebrannte Skulpturen

Zum Tod des Malers und Bildhauers Norbert Prangenberg

Nach einer grundständigen Ausbildung zum Goldschmied in den 60er-Jahren wandte sich Norbert Prangenberg den Holzschnitten und der Malerei zu. Später kam die Bildhauerei. 1982 nahm er an der wegweisenden documenta 7 teil, die vorführte, was ein erweiterter Kunstbegriff ist. Anfang des neuen Jahrtausends ergänzte Prangenberg dann sein Repertoire um großformatige, hohe Keramiken.

Von Ute Wegmann

Eine Besucherin betrachtet ein überdimensionales Werke von Norbert Prangenberg. (picture alliance / dpa - Jens Wolf)
Eine Besucherin betrachtet ein überdimensionales Werke von Norbert Prangenberg. (picture alliance / dpa - Jens Wolf)

An einem Silvesterabend Ende der 70er, während die Raketen in den Himmel fliegen, stellt sich Norbert Prangenberg auf die Straße und ruft: "Schluss mit den Kompromissen. Ich such mir eine richtig gute Galerie und bald bin ich in New York." An diesem Abend beginnt er seinen Weg in die Welt der freien Kunst. "Aufbruch für immer" heißt der Titel einer Zeichnung aus dem Jahr 1979.

Er fertigt minimalistische Zeichnungen an, geometrische Figuren auf kariertem Papier, Bilder, die Freunde für die ersten Malversuche seiner Kinder halten. "In der Einfachheit und Reduzierung", sagt er, "ist für mich eine größere Vielfalt enthalten, als in einer nach außen hin vielgestaltigen, komplizierten Form."Die Formen seiner künstlerischen Sprache bleiben einfach: Kreise, Ovale, Dreiecke, Rechtecke, stern- und spiralförmige Linien und Wellen finden sich auch in seiner Malerei und auf den Oberflächen seiner plastischen Werke.

Die Worte des Silvesterabends klingen rückblickend wie ein Orakel. Karsten Greve, einer der weltweit renommierten Galeristen, interessiert sich für ihn, stellt 1980 zum ersten Mal seine Werke aus, neben kleinformatigen Zeichnungen sind das große Blätter mit Transparentpapier, darin geschnittene Löcher, die einen Blick auf die darunterliegende Malschicht freigeben. Im Jahr 1981 erhält Norbert Prangenberg den Förderpreis des Landes NRW für Bildende Kunst.

"Glückliche Momente" hat er die Augenblicke genannt, in denen er anfängt zu malen und so sagt er, "in denen man gar nichts will." Er wünschte sich, seine Bilder sähen aus "wie vom Himmel gefallen", frei vom Einfluss der abendländischen Maltradition.

Sein Interesse gilt schon früh Joseph Beuys und dessen Schülern Blinky Palermo und Reiner Ruthenbeck. Frei von idealistischen Konzepten will er mit seinen Bildern neue emotionale, sinnliche Räume schaffen, den eigenen Körper in den malerischen und plastischen Formfindungsprozess einbeziehen. Anfänglich im Umfeld der 'neuen Wilden' wahrgenommen, wird Norbert Prangenberg 1982 zur documenta 7 eingeladen. Es folgen Ausstellungen im Museum Haus Lange in Krefeld und im Bonner Kunstverein. 1983 die erste Ausstellung in London und 1986 endlich New York. Es folgen annähernd 80 Einzel- und etwa 50 Gruppenausstellungen.

In den 80er-Jahren beginnt Norbert Prangenberg mit seinen plastischen Arbeiten. Riesige Amphoren, aber auch kleinere Gebilde, Formen aus glasiertem Ton. Die Rauheit des Materials und die glatte Oberfläche der Glasur erzeugen eine besondere Spannung.

Fingerspuren, Ritzungen, Löcher in den Wandungen der Gefäße zeigen seine körperliche Beziehung zum Objekt und seine Spontaneität. Parallel entstehen großformatige Öl- und Pastellbilder. Ungezwungen, nie schwer, sondern von einer quirligen Lebendigkeit, mit Mut zur Farbe, aber auch zu tiefem Schwarz.

1993 verlässt Norbert Prangenberg das Rheinland und geht nach Bayern. An der Münchner Akademie der Bildenden Künste tritt er eine Professur für Keramik und Glas an. Die großen Keramikamphoren, die er Figuren nennt, überzieht er mit organischen Gebilden, blüten- und blumenartig – oder muschelgleich stülpen sie sich aus der großen Form. Der Schriftsteller Rolf Steiner beschreibt ihre Wirkung als "monolithisch", "ohne Bedeutungsüberschuss. In ihrem Schatten wird Stille möglich...".

Stille, Freiheit, Zeitlosigkeit, Offenheit für den Raum, eigentlich für das ganze Universum und die Freude am Spielerischen, die Freude am Leben, Heiterkeit, all das vermittelt das Werk des Künstlers Norbert Prangenberg.

Sicherlich hat er seinen Studenten neben aller fachlichen Kompetenz auch eins weitergeben: Wenn Du ein Ziel hast, dann hab keine Angst vor dem Weg. Und wenn du Glück hast, erreichst du New York.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk