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StartseiteVerbrauchertippWie werde ich meinen Diesel los?31.05.2018

GebrauchtwagenWie werde ich meinen Diesel los?

Dieselautos genießen spätestens seit der VW-Abgasaffäre nicht mehr den besten Ruf. Viele Autofahrer wollen ihre Fahrzeuge deswegen loswerden. Doch ist ein Verkauf derzeit empfehlenswert?

Von Hilde Braun

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Blick auf den Tankdeckel eines Diesel-PKW, aufgenommen am Donnerstag (14.06.2012) in Leipzig. Forscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben nachgewiesen, dass Dieselabgase das Krebsrisiko erhöhen. Foto: Hendrik Schmidt dpa (dpa, picture-alliance, Hendrik Schmidt)
Der ADAC rät dazu, einen Verkauf des Dieselfahrzeugs gut abzuwägen. (dpa, picture-alliance, Hendrik Schmidt)
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Ein Diesel ohne funktionierende Abgasreinigung – viele Autofahrer möchten ein solches Fahrzeug loswerden, sei es aus Angst vor Fahrverboten, sei es weil ihnen eine saubere Stadtluft am Herzen liegt. Doch bei einem schnellen Verkauf drohen finanzielle Verluste, sagen Beobachter des Automarktes. Denn die Preise sind im Keller, erklärt Martin Endlein, Leiter der Unternehmenskommunikation der Deutschen Automobil Treuhand GmbH, die Autos bewertet:

"Deswegen ist der Zeitpunkt im Moment eher ungünstig, es muss natürlich mit Einbußen gerechnet werden, denn der Händler muss ja dieses Fahrzeug auch wieder weiterverkaufen."

Ältere Modelle können nachgerüstet werden

Auch der ADAC rät dazu, einen Verkauf gut abzuwägen. Johannes Boos ist Leiter der Unternehmenskommunikation vom Automobilclub Deutschland. Für einen Verkauf des eigenen Diesels ist die persönliche Situation entscheidend. Also wo wird das Auto benötigt und wie oft beispielsweise. Dabei sollte man sich von Fahrverboten in Umweltzonen auch nicht irritieren lassen:

"Denn in welchem Umfang es Fahrverbote letztendlich gibt, ist noch offen und selbst bei Fahrverboten können Autofahrer noch gucken, welche Alternativen bestehen, zum Beispiel die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder ob Ausnahmeregelungen greifen zum Beispiel für Anwohner."

Ob abseits der Städte, in denen Fahrverbote kommen könnten, sollten Autofahrer nach Ansicht von Johannes Boos erst einmal abwarten. Ältere Fahrzeuge, die die Norm Euro 6 nicht erfüllen können, können sogar gegebenenfalls nachgerüstet werden.

"Da hat ein ADAC-Test gezeigt, Nachrüstungen sind technisch möglich. Da ist der Gesetzgeber aus unserer Sicht gefragt, die notwendigen Rahmenbedingungen und Zulassungsanforderungen festzuschreiben und Verbraucher dürfen natürlich nicht auf den Kosten einer Nachrüstung sitzenbleiben."

Solange diese Rahmenbedingungen jedoch noch nicht gegeben sind, sollten Dieselbesitzer mit ihrem Verkauf warten, solange das Auto noch gut in Schuss ist. Kaum ein Händler nimmt noch einen Diesel an, so die Erfahrung von Martin Endlein:

"22 Prozent der Dieselhändler nehmen derzeit keine Dieselfahrzeuge mehr in Zahlung, aber es gibt trotzdem aus unserer Sicht immer die Möglichkeit ein Fahrzeug an den Handel zu verkaufen, wenn man dort ein Gegengeschäft - also sich wieder für ein neues oder gebrauchtes Auto entscheidet."

Klage gegen den Händler oder Hersteller möglich

Neuwagenkäufer hingegen sollten sich überlegen, ob sie sich noch einmal für einen Diesel entscheiden, vor allem dann, wenn sie in Städten unterwegs sind, in denen Fahrverbote möglich sind. Dann macht eine Alternative zum Diesel durchaus Sinn. Dieselautos der neuesten Generation haben laut ADAC keine Problemen mit erhöhten Abgaswerten. Johannes Boos:

"Das ist Euro 6 d-Temp, diese Fahrzeuge werden bei der Typzulassung auch im Realbetrieb auf ihren Ausstoß an Schadstoffen untersucht, und ein ADAC-Test hat erst vor wenigen Tagen gezeigt: Diese Fahrzeuge sind tatsächlich auch im Realbetrieb sauber."

Eine Alternative zum Verkauf könnte übrigens eine Klage gegen den Händler oder den Hersteller des Fahrzeugs mit manipulierter Abgasreinigung sein. Es hat bereits eine ganze Reihe von Urteilen gegeben, die für die Autobesitzer positiv ausgefallen sind.

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