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Gedämpfte Erwartungen

Auftakt im Doping-Prozess gegen Eufemiano Fuentes

Von Hajo Seppelt

Spritze mit Tropfen an der Spitze
Spritze mit Tropfen an der Spitze (Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)

Der Prozess gegen den spanischen Dopingdrahtzieher Fuentes ist in vielerlei Hinsicht ein Musterbeispiel dafür, warum Dopingaufklärung im Hochleistungssport in den allermeisten Fällen im Sande verläuft. Wie soll man eines vermutlich seit vielen Jahren agierenden Dopingfachmanns strafrechtlich habhaft werden, wenn zur selben Zeit eine gesetzliche Grundlage zur Verfolgung gar nicht existierte?

Es ist ein Treppenwitz der Sportgeschichte, dass Fuentes und Co. sich jetzt dafür verantworten sollen, beim Dopen der Athleten womöglich die Hygienevorschriften nicht eingehalten zu haben. Waren etwa die Nadeln nicht steril oder war das Mindesthaltbarkeitsdatum der fürs Doping benutzten Medikamente überschritten?

Die Beantwortung solcher Fragen wäre natürlich nicht ganz unwichtig, aber sie geht völlig am Kern des Problems vorbei. Im Klartext - am Ende dieses Prozesses könnte die Botschaft stehen: Wer sauber dopt und beim Sportbetrug die Packungsbeilage beachtet hat, hatte nach dem Gesetz korrekt gehandelt. Ein bizarres Signal.

Ein wirkliches Interesse, den Fall überhaupt vor Gericht zu bringen, war in Spanien zudem ohnehin nicht erkennbar. Obwohl die Exekutive vor allem in Form der landesweit agierenden Guardia Civil tatsächlich viele Beweise über Doping im Spitzensport weit über Fuentes hinaus zutage förderte, blieb die Judikative immer bemerkenswert untätig. Auch im Fall des deutschen Fuentes-Gehilfen Markus Choina – weil ein Rechtshilfeersuchen der deutschen Behörden abgelehnt wurde, kam es hierzulande zur Einstellung des Verfahrens. Choina kam straffrei davon. Immer wieder hieß es in den vergangenen Jahren auch, der Prozess gegen Fuentes selbst würde gar nicht eröffnet.

Ein schwerfälliger spanischer Justizapparat ist der eine Grund, der deutliche Fingerzeig der Politikprominenz, die Nationalhelden des Sports zu schützen, dürfte den Elan auch nicht befördert haben. Bemerkenswert ist etwa, dass rund 100 Blutbeutel aus der Fuentes-Affäre noch immer in einem Labor in Barcelona lagern, von welchen Sportlern, weiß keiner. Weil es keiner ermittelt, weil es offenbar keiner wissen will, auch in den jetzigen Prozess werden diese Beweismittel nicht eingeführt. Eine Riesenchance bleibt ungenutzt, da Fuentes schon 2006 einräumte, auch Fußballer, Leichtathleten und Tennisspieler behandelt zu haben. Man möchte sich gar nicht ausmalen, was womöglich herauskommen könnte, wenn Fuentes über seine Praktiken als Olympiaarzt 1984 in Los Angeles und 1992 bei den Spielen vor der eigenen Haustür in Barcelona berichten würde. Es liegt ja auf der Hand anzunehmen, dass er in Zeiten keiner oder kaum effektiver Dopingkontrollen noch ausufernder manipuliert haben dürfte als später. Aber er selbst will keine Namen nennen, so wie vermutlich auch die Zeugen im Prozess, etwa der schon einmal wegen Dopings gesperrte Alberto Contador - um sich nicht selbst zu belasten.

Der einzige Anknüpfungspunkt für Dopingbekämpfer könnte es sein, wenn andere Zeugen Fakten auf den Tisch bringen, die später sportjuristisch zu verwerten wären. Aber der Eindruck nach dem Prozessauftakt stimmt nicht hoffnungsvoll. Die juristische Aufarbeitung des Fuentes-Falls ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es macht, damit nichts herauskommt.

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