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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin gemeinsames Denkmal Israels und Deutschlands06.09.2017

Gedenkstätte für Opfer des Olympia-AttentatsEin gemeinsames Denkmal Israels und Deutschlands

Der neu eröffnete Gedenkort im Münchner Olympiapark, der an die Opfer des Olympia-Attentat von vor 45 Jahren erinnern soll, sei ein gemeinsames Denkmal Israels und Deutschlands, kommentiert Michael Watzke im Dlf. Um so trauriger sei die Reaktion einiger Hinterbliebener bei der Eröffnung gewesen.

Von Michael Watzke, freier Landeskorrespondent Bayern

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Ein Videoloop ist am 04.09.2017 in München (Bayern) bei der Vorbesichtigung des Erinnerungsortes an das Attentat von 1972 auf die israelische Olympiamannschaft zu sehen. (Felix Hörhager/dpa)
Das am 6. September eröffnete Denkmal im Münchner Olympiapark könne dabei helfen, die beim Attentat 1972 entstandenen Wunden heilen zu lassen, meint Michael Watzke. (Felix Hörhager/dpa)
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Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Die Wunde des Olympia-Attentats 1972 ist nach 45 Jahren nicht verheilt. Aber die Angehörigen der damals ermordeten israelischen Sportler und des deutschen Polizisten finden seit heute einen Ort, der ihren Schmerz lindern hilft. Ein Mahnmal im Olympiapark München, das die Architekten als Kerbe in die Hügellandschaft geschnitten haben. Wie eine offene Wunde. Aber weil diese Wunde atmen kann, weil sie jederzeit für jeden zugänglich ist, wird sie nun vielleicht besser heilen. Die Ehefrauen, Töchter und Söhne der Terroropfer mussten quälend lang – zu lang – auf diesen Augenblick warten.

Warum ist dieses Mahnmal so wichtig? Es ist schließlich nicht der erste und einzige Gedenkort, der an die Opfer des 5. Septembers erinnert. Drei weitere Mahnmale nennen die Namen der zwölf Ermordeten oder weisen auf die grausame Fratze der palästinensischen Terrorgruppe "Schwarzer September" hin. Bevor die Hinterbliebenen in den Olympiapark kamen, besuchten sie die KZ-Gedenkstätte in Dachau. Und einige haben wohl auch das NS-Dokumentationszentrum am Münchner Königsplatz angeschaut.

Eine geteilte Wunde

Doch der heute eröffnete Erinnerungsort im Olympiapark unterscheidet sich von den Holocaust-Gedenkstätten. Denn dieses Deutschland 1972 war eine junge, noch zerbrechliche, aber wachsende Demokratie. Ein Land, das sich seiner Vergangenheit immer bereitwilliger stellte und aus ihr lernte. "Diese Bundesrepublik von 1972", so hat es Bundespräsident Steinmeier heute formuliert, "war nicht mehr das Nazi-Deutschland der Olympischen Spiele 1936. Deutschland war angekommen in der Gemeinschaft demokratischer Staaten." Das sollten die Olympischen Spiele 1972 zeigen. "Die heiteren Spiele", die der Terror jäh unterbrach. Diesen Schmerz, diesen Einschnitt, spürten Deutsche und Israelis gleichermaßen. Sie teilten die Wunde.

Eine ungerechte Behauptung

Deshalb ist es traurig, dass einige der Hinterbliebenen heute in ihrem Schmerz Salz in die Wunde streuten. Indem sie, wie Ankie Spitzer, die Witwe des ermordeten Fechttrainers André Spitzer, behaupteten, Zitat: "Die deutschen Beamten, die uns damals hätten schützen sollen, waren arrogant und haben uns belogen. Sie sagten uns, wir wären schuld, weil wir den Terror auf deutschen Boden getragen hätten. Sie wollten einfach nur weiterfeiern."

Diese Aussage verschweigt, dass auch der Staat Israel damals wollte, dass die Spiele weitergehen. Es ist eine ungerechte Behauptung - nicht nur gegenüber der Witwe von Anton Fliegerbauer, jenes Polizisten, der beim Geisel-Befreiungsversuch ums Leben kam. Sondern auch gegenüber Menschen wie Münchens Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, der sich damals als Austausch-Geisel anbot. Und nicht nur er.

Der heute eröffnete Gedenkort im Münchner Olympiapark ist ein gemeinsames Denkmal Israels und Deutschlands. So sollten wir 1972 erinnern.

Michael Watzke  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Michael Watzke (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

 

 

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