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StartseiteForschung aktuellGefährliches Spiel mit dem Wind10.11.2006

Gefährliches Spiel mit dem Wind

Forschungsprojekt untersucht den menschlichen Einfluss auf den Monsun

Nicht nur mit dem Weltklimagipfel in Nairobi, auch in Peking findet zurzeit eine große Umwelt-Konferenz statt. Dort treffen sich aus aller Welt angereiste Erdsystemforscher - also jene Wissenschaftler, die großräumige Umweltveränderungen und deren Folgen für das ganze System Erde untersuchen. Eines der größten Sorgenkinder der Forscher ist zurzeit Südostasien. Der für die Region lebenswichtige Monsun verändert sich und immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass der Menschen dafür verantwortlich ist.

Von Monika Seynsche

Monsun-Regensturm in der indischen Stadt Bombay (AP Archiv)
Monsun-Regensturm in der indischen Stadt Bombay (AP Archiv)

" Wir sitzen in einem dunklen Raum und zündeln mit Streichhölzern. Dabei haben wir keine Ahnung, was um uns herum ist. Der ganze Raum könnte mit Schießpulver gefüllt sein, aber wir werden es erst merken wenn es zu spät ist. "

Der dunkle Raum, den Vikram Mehta vom Forschungszentrum für Veränderungen des Erdsystems im amerikanischen Maryland beschreibt, ist das asiatische Monsun-System. Das ist eines der einflussreichsten und zugleich labilsten Klimaelemente der Welt. Die massiven Regenfälle im Sommer bilden die Hauptwasserquelle der gesamten Region. Bleiben sie aus oder kommen zur falschen Zeit, sind katastrophale Dürren und Hungersnöte die Folge.

Im Prinzip ist das Monsun-System ganz einfach aufgebaut: die riesigen Landmassen Südostasiens erwärmen sich im Sommer stärker als die umgebenden Ozeane. Die warmen Luftmassen steigen auf und durch die Sogwirkung strömt feuchte Luft vom Meer nach und bringt große Regenmengen mit. Im Winter dreht sich das Spiel um: Dann sind die Landmassen kühler als die Ozeane und trockene Winde strömen vom Land Richtung Meer. Congbin Fu von der Chinesischen Akademie in Peking untersucht das Monsunsystem seit Jahren und ist besorgt.

" In den letzten Jahren hat sich der Wintermonsun abgeschwächt, denn durch das wärmere Klima kühlen die Landmassen nicht mehr so stark aus, wie früher. Und das ist definitiv eine Folge des anthropogenen Klimawandels, denn die Erwärmung die wir zurzeit sehen, lässt sich mit natürlichen Schwankungen nicht mehr erklären. Außerdem hat sich die Niederschlagsverteilung in Asien verändert. In China zum Beispiel haben wir seit einigen Jahrzehnten ein sehr trockenes Klima im Norden und ein sehr feuchtes im Süden des Landes. Aber ob das auch auf den Klimawandel zurückzuführen ist oder ob das natürliche Schwankungen sind, können wir noch nicht sagen. "

Natürliche Schwankungen des Monsuns-Systems gab es immer schon. Denn eine Unzahl verschiedener und zum Teil noch unbekannter regionaler und globaler Faktoren beeinflusst die Regenfälle. Einer der wichtigsten allerdings ist bekannt: die Landnutzung wirkt sich auf den Monsun aus.

" Verändert man das Land, erwärmt es sich stärker oder schwächer und das beeinflusst wiederum die Luftzirkulation und damit den Monsun. "

Durch den hohen Bevölkerungsdruck werden immer mehr Wälder in Asien abgeholzt und der helle Boden freigelegt. Der erwärmt sich im Sommer nicht so stark wie die dunklen Bäume, das Temperaturgefälle zum kühlen Ozean wird kleiner und so könnten großflächige Abholzungen die sommerlichen Regenfälle abschwächen. Außerdem nimmt die Luftverschmutzung zu. Die Partikel in der Luft wirken wie ein Sonnenfilter und könnten ebenfalls die Erwärmung der Landmassen verringern. Gleichzeitig schmelzen aber auch die Gletscher im Himalaja und legen dunklen Boden frei, der sich stärker erhitzt als die weißen Flächen. Wie sich diese menschengemachten Veränderungen auf den Monsun auswirken werden, wissen die Forscher nicht. Deshalb hat Congbin Fu jetzt zusammen mit Kollegen ein internationales Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Monsun zu untersuchen.

" Da Asien eine so große Region ist, schlagen wir vor, die Forschung zuerst auf vier besonders sensible Regionen zu konzentrieren: Städte, Küsten, Hochgebirge und Halbwüsten. "

Heute wird das Projekt auf der Umwelttagung in Peking vorgestellt. Vikram Mehta hält es für sehr wichtig:

" Die Hälfte der Erdbevölkerung lebt in Asien. In China, Indien, Indonesien Pakistan und Bangladesh. Die meisten Menschen dort sind extrem arm, es gibt viele verschiedene Religionen und es kommt immer wieder zu Naturkatastrophen. Damit die vielen Menschen überleben und friedlich miteinander umgehen können, müssen wir das für sie lebenswichtige Monsunsystem und seine Veränderungen verstehen, damit sich die Menschen daran anpassen können. "

Sollte sich das Monsun-System langfristig verändern, wird das auch die andere Hälfte der Weltbevölkerung in Mitleidenschaft ziehen. Denn der asiatische Monsun beeinflusst das weltweite Klima und die globalen Wasserkreisläufe.

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