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Gefährliches Wettrüsten im Pazifischen Raum

Indien testet Langstreckenrakete

Von Ruth Kirchner, ARD / RBB

Gefährliches Wettrüsten in Asien: Indien testet eine atomwaffenfähige Langstreckenrakete
Gefährliches Wettrüsten in Asien: Indien testet eine atomwaffenfähige Langstreckenrakete (dpa / picture alliance)

Indien jubelt. Doch während in Dehli der Aufstieg Indiens in den illustren Kreis der Länder mit Interkontinentalraketen gefeiert wird und als deutliches Signal Richtung China, wiegelt Peking hochmütig ab.

Mit einer gewissen Arroganz kommentieren chinesische Experten den indischen Raketentest. Indien sei keine wirkliche Bedrohung, betonen sie. Denn die Volksrepublik hat schon lang Atomraketen und damit deutlich mehr Abschreckungspotenzial. Indien hinke China weiterhin hinterher. Und das werde sich auch mit der neuen Rakete nicht ändern, heißt es.

Aber Arroganz und Herablassung sind die falschen Reaktionen. Denn der indische Raketentest dürfte jetzt jedermann klar gemacht haben, was Sicherheitsexperten schon lange mit wachsender Sorge beobachten: In Asien findet ein gefährliches Wettrüsten statt. Allen voran kaufen und entwickeln die Rivalen Indien und China neue Waffensysteme, modernisieren mit Nachdruck ihre Streitkräfte und ihre Waffentechnologie.

Anders als früher geht es nicht mehr nur um eng begrenzte Konflikte und Grenzstreitigkeiten, etwa zwischen Indien und Pakistan oder entlang der indisch-chinesischen Grenze in abgelegenen Himalaya-Regionen. Es geht heute um nationale Kerninteressen: um die regionale Vormachtstellung in Asien und um Handelswege im Indischen Ozean.

Dort baut China seinen Einfluss seit Jahren aus – finanziert und baut Häfen in Pakistan, Bangladesch und Sri Lanka. Peking will damit Schifffahrtswege für die Rohstoff- und Energielieferungen aus dem Nahen Osten und Afrika sichern. Wie aufsteigende Mächte in früheren Jahrhunderten baut China seine militärische Stärke aus, um seinen Rohstoffnachschub zu sichern.
Indien sieht das als Bedrohung und rüstet daher ebenfalls auf. Wie auch andere Länder im Pazifik – darunter Indonesien, Vietnam und Malaysia. Denn die Konfliktlinien sind keineswegs auf den Indischen Ozean begrenzt. Im Südchinesischen Meer, in den Gewässern vor Japan und Südkorea – überall gibt es Spannungen mit dem mächtigen Nachbarn China.

Die Volksrepublik müsste sich dem eigentlich stellen. Denn Aufrüstung und militärische Muskelspiele sind nur eine Seite der Medaille. Zur anderen Seite gehört – zumindest in der klassischen militärischen Abschreckungstheorie – Vertrauensbildung. Und da fehlt es auf allen Seiten, vor allem aber auf der chinesischen. Es reicht halt nicht aus, verbal seine eigenen friedlichen Absichten ständig zu wiederholen, wenn man gleichzeitig alles daran setzt, seinen Einflussbereich auszubauen und selbst vor niedrig-schwelligen Konfrontationen wie zuletzt mit den Philippinen im südchinesischen Meer nicht zurückschreckt.

Es wäre daher dringend an der Zeit, dass China etwas weniger auftrumpfend in den Ausbau seiner Militärmacht investiert und etwas mehr in Transparenz, echte Konfliktlösung und Vertrauensbildung. Andernfalls droht sich die Aufrüstungsspirale in Asien immer weiter zu drehen - mit unvorhersehbaren Folgen. Denn je mehr militärische Technologie die Länder in Südostasien anhäufen, desto unsicherer wird die Region und desto größer die Gefahr, dass die Waffen auch tatsächlich eingesetzt werden.



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