Kommentar /

Gefasstheit, Stolz und Zuversicht

Das WM-Aus der DFB-Nationalmannschaft

Von Herbert Fischer-Solms, Deutschlandfunk

Manuel Neuer hat keine Chance, den Kopfstoß von Carles Puyol zu halten.
Manuel Neuer hat keine Chance, den Kopfstoß von Carles Puyol zu halten. (AP)

Deutschland als Fußball-Weltmeister ? Ja, das stimmt. So ist es gekommen, exakt auf den Tag, am 8. Juli 1990, heute vor 20 Jahren.

Damals ergaben die schwarz-rot-gold gefärbten Fußball-Feste und die auf die deutsche Einheit zustrebenden politischen Veränderungen eine vielfach explosive Mischung, eine Schneise von Gewalt und Zerstörung zog sich nach den nächtlichen Jubelfeiern durch Ost- und West-Deutschland. Diesmal gab es, Polizeiangaben zufolge, hier und da ein paar schlechte Verlierer, aber im Großen und Ganzen Gefasstheit und Stolz auf das Erreichte.

Der erneute Griff der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach den Sternen, es wäre der vierte gewesen, ist missglückt. Es war das Ende eines traumhaften Höhenfluges, das abrupt erfolgte, weil man sich soeben gerade mit der scheinbaren Unverwundbarkeit dieser DFB-Auswahl vertraut gemacht hat, die so ganz anders als andere war. Es war das - mit unter 25 Jahren - jüngste aller bisherigen deutschen WM-Teams. Es war das, wenn man so sagen will, bunteste bisher, nie standen so viele Spieler mit Migrationshintergrund in einem deutschen WM-Kader, und die ewig-hochpolitische Frage, ob Deutschland ein Einwandererland sei, wurde eher nebenbei, quasi spielerisch, positiv beantwortet.

Vor allem aber waren es die sportlichen Qualitäten, die diese Mannschaft und - nicht zuletzt - ihr Trainer-Team auszeichneten. Die Floskel von den Deutschen als eine "Turniermannschaft", vor allem aber von den "deutschen Tugenden" blieb erstmals im Stehsatz. Schon werden Vergleiche mit der deutschen Europameister-Mannschaft von 1972 mit Beckenbauer, Netzer, Overath gezogen, die Fußball nicht arbeitete, sondern, ganz undeutsch, technisch zelebrierte.

Es gibt zwar nie eine Garantie, aber doch so etwas wie einen Wechsel auf die Zukunft dieser Nationalauswahl 2010, die mit ihren Auftritten im fernen Südafrika in Deutschland Herzen höher schlagen und Einschaltquoten steigen ließ. Die Enttäuschung über die – verdiente – Niederlage im Halbfinale gegen großartige Spanier wird morgen vergessen sein. Ob übermorgen ein dritter oder ein vierter Platz unterm Strich steht, ist ziemlich nebensächlich. Nie hat eine Länderauswahl öfter als die Deutschen im kleinen Finale gestanden, am Samstag in Port Elisabeth gegen Uruguay bereits zum fünften Mal. Das signalisiert, dass Deutschland im Fußball - der international Volkssport Nummer eins ist - eine Macht war und auch nach Südafrika bleibt.

Mit der Freude, die dieses junge DFB-Team verbreitet, hinter dem schon die nächste Spielergeneration wartet, wird es weitergehen. Die Weichen dazu wurden bereits vor dem Abpfiff von Durban gestellt - von der einen Seite. Der DFB-Führung möchte man dazu eine weiterhin glückliche Hand wünschen.

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