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StartseiteForschung aktuellGegen Gebärmutterhalskrebs06.10.2008

Gegen Gebärmutterhalskrebs

Nobelpreis für Medizin geht an Entdecker der Papillomviren

Nobelpreis. - Der Nobelpreis für Physiologie/Medizin geht zur Hälfte an den langjährigen Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, Harald zur Hausen, für seine Entdeckung der Erreger von Gebärmutterhalskrebs. Der Deutschlandfunk erreichte den emeritierten Virologen am DKFZ, an dem er noch täglich forscht. Zur Hausen äußerte sich im Gespräch mit Ralf Krauter.

Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen vor dem  Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (AP)
Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen vor dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (AP)

Krauter: Herr Zur Hausen, wann haben Sie die frohe Botschaft erhalten?

Zur Hausen: Ich habe sie um 10:45 Uhr, heute Morgen.

Krauter: Wo waren Sie? Zuhause?

Zur Hausen: Nein, ich war hier im Labor, im Office.

Krauter: Und dort haben jetzt wahrscheinlich schon die Sektkorken knallt!

Zur Hausen: Eigentlich nicht richtig, aber gerade hat eine Mitarbeiterin - weil ich gar nicht drauf vorbereitet war - hat sie mir ein Glas Sekt gebracht. Also insofern haben sie nicht richtig geknallt, aber es ist schon etwas Sekt da.

Krauter: Herzlichen Glückwunsch von uns, vom Deutschlandfunk, Herr Zur Hausen, zu diesem Preis. Die Hälfte des diesjährigen Nobelpreises für Medizin geht an Sie, also ein dicker Brocken für Deutschland, sozusagen. Lassen Sie uns zurückblicken in die Zeit, in der sie die wichtigen Arbeiten gemacht haben! Das war in den 70er Jahren. Wie ging das los? Was war für Sie der Ausgangspunkt, sich für den Zusammenhang zwischen Viren und Krebsentstehung zu interessieren?

Zur Hausen: Ich hatte Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre belegen können, dass in bestimmten menschlichen Tumorzellen, in Lymphomen, die in Afrika vor allen Dingen bei Kindern auftreten, dass das Erbgut da der Eppstein-Barr-Viren nachweisbar war. Und diese Methodik, die ich damals mit meinem Mitarbeiter Heinrich Schulte-Holthausen entwickelt hatte, die hatte uns dann weitergeholfen, später auch beim Gebärmutterhalskrebs entsprechende Untersuchungen zu machen. Zunächst wurde seinerzeit vermutet, dass es Herpes-simplex-II-Viren wären, die beim Gebärmutterhalskrebs eine Rolle spielten. Wir haben viele Tumormaterialien untersucht und fanden das Erbmaterial dieser Viren nicht in den Zellen. Und ich hatte aber schon in der Zwischenzeit begonnen, mich nach anderen Kandidaten umzusehen und war dabei auf Berichte gestoßen, dass genitale Warzen gelegentlich bösartig werden, wenn auch selten. Und so war der erste Kandidat, den ich vorschlug seinerzeit, das Virus, das in genitalen Warzen vorkommen sollte. Das hat uns einige Jahre gekostet, bis meine Mitarbeiter Lutz Giessmann und Michelle de Villiers und andere die Viren dann auch isolieren und charakterisieren konnten. Und im Anschluss daran sahen wir dann mit einer gewissen Enttäuschung, dass sie nicht im Gebärmutterhalskrebs waren, sondern nur in Ausnahmefällen dort gefunden werden konnten. Allerdings halfen uns diese Proben mit bestimmten biochemischen Testen dann auch, die Viren zu finden, die heute als Haupterreger des Gebärmutterhalskrebs gelten müssen....

Krauter: Das sind die so genannten Papillomviren?

Zur Hausen: Das sind die Papillomviren und spezifisch die Typen 16 und 18.

Krauter: Dieser Zusammenhang zwischen Virus und Krebsentstehung, er war seinerzeit, als Sie anfingen mit ihrer Arbeit, nicht so ganz mainstream, die meisten Forscher haben Sie wahrscheinlich belächelt!

Zur Hausen: Das war überhaupt nicht im mainstream und man hatte schon eine Reihe von Untersuchungen in der Vorzeit durchgeführt und war nie auf positive Ergebnisse gestoßen. Und insofern hatte das schon einen, eine gewisse zögerliche Akzeptanz gefunden, dass Viren etwas mit Krebs zu tun haben, obwohl natürlich bei der Hepatitis B und beim Leberkrebs schon Anhaltspunkte zu diesem Zeitpunkt vorlagen und kurz darauf auch einige andere Viren mit menschlichem Krebs in Verbindung gebracht werden konnten. Also insofern waren zumindest die 70er Jahre eine schwierige Periode für diese Forschung.

Krauter: Aber diese Unbillen, die sie damals wahrscheinlich erleiden mussten, die sind jetzt natürlich vergessen?

Zur Hausen: Ja. Die Unbillen waren auch nicht so hart. Also, es ist durchaus erträglich gewesen.

Krauter: Sie haben das gut weggesteckt. Ihre Arbeiten haben ja auch dazu geführt, dass es heute auch eben Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs gibt, gegen humane Papillomviren. Ist das sozusagen der schöne Moment des Forschers, dass die Grundlagenforschung zu so etwas geführt hat am Ende?

Zur Hausen: Ja, ich freue mich, dass heute die Impfung verfügbar ist, und sehe auch mit Freuden, dass diese erfolgreich sich anlässt. Sie ist nicht bei uns entwickelt worden direkt, aber die Grundlagen dafür sind hier entwickelt worden.

Krauter: Herr Zur Hausen, Sie sind, wenn ich es richtig gesehen habe, in einem Alter, wo eigentlich in normale Menschen schon sich ihrer Rente erfreuen. Wie ist es bei Ihnen? Sie arbeiten jeden Tag!

Zur Hausen: Das ist korrekt.

Krauter: Sie können nicht davon lassen!

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