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StartseiteUmwelt und VerbraucherLos Angeles testet helle Straßen17.04.2018

Gegen KlimaerwärmungLos Angeles testet helle Straßen

Los Angeles hat eine der größten Autodichten der Welt. Im Sommer heizt sich der Asphalt großflächig auf - und damit auch die Luft. Weil das im Zuge des Klimawandels noch extremer werden könnte, lässt die Stadt ihre Straßen jetzt mit einem hellen, kühleren Spezialmaterial beschichten.

Von Reinhard Spiegelhauer

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Blick auf Downtown Los Angeles mit hellem Straßenbelag auf dem Highway. Die Stadt streicht mehr Straßen weiß, damit sich Fahrbahnflächen weniger schnell aufheizen.  (AFP / Robyn Beck)
Blick auf Downtown Los Angeles mit hellem Straßenbelag auf dem Highway. Die Stadt streicht mehr Straßen weiß, damit sich Fahrbahnflächen weniger schnell aufheizen. (AFP / Robyn Beck)
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Greg Spotts ist sonnengebräunt, er trägt ein helles, kariertes Hemd mit offenem Kragen, blaue Stoffhose und braune Schuhe. Ins dunkle Haar mischen sich immer mehr helle, graue Haare. Und Spotts selber mischt graue Straßen in die schwarze Asphaltwüste von Los Angeles:

"Wir sind hier an der Ecke Coronado / Mayberry Street. Und wir schauen hier auf einen der vierzehn Blöcke, in denen wir eine neue, experimentelle, ‘kühle’ Straßenbeschichtung verwenden."

Wir stehen in einer ruhigen Wohngegend, Vögel zwitschern, hier und da bellt ein Hund. Kleine Häuschen, davor Autos. Die Mayberry Street ist gerade frisch asphaltiert worden - mit normalem, schwarzen Asphalt.

"Ich habe hier einen Temperaturfühler: Der Asphalt hat um die 53° Celsius. An einem ganz normalen Tag mit 24 Grad. Jetzt messen wir um die Ecke auf Coronado Street mit der kühlen Beschichtung ..."

Beschichten mit kühlem Belag

Knapp 46 Grad Celsius stehen auf dem Display, sieben Grad weniger ...

Greg Spotts ist für nachhaltigen Straßenbau zuständig. In der Stadt seien rund zehn Prozent der Fläche asphaltiert, sagt er. Weit über hundert Quadratkilometer. So viel, wie 17.000 Fußballfelder.

"Die Temperatur von Straßen und Parkplätzen spielt eine große Rolle für die Temperatur in der Stadt. Umweltschützer haben uns gesagt: Kühlerer Straßenbelag ist gut - aber wir haben nicht eine Straße in ganz Kalifornien gefunden, wo das schon mal ausprobiert worden ist."

Aber Los Angeles macht jetzt den Test. Und nachdem bisher nur einzelne Straßen aufgehellt worden sind, will Spotts jetzt mehr:

"Wir möchten gerne alle Straßen in einer besonders heißen Wohngegend der Stadt mit dem kühlen Belag beschichten."

Die Frage ist, wie dann der Gesamteffekt ist, sagt Spotts. ‘Wenn wir alle und nicht nur einzelne Blocks in einem Gebiet heller machen.’

90 Millionen Dollar für Kühlmaßnahmen

Renea Vincent kommt die Straße entlang, sie führt ihren Cocker-Mischling Gassi. Die helle Beschichtung ist eine gute Idee, findet sie. Und zieht die Schuhe aus, um einen Barfuß-Vergleich zu machen:

"Ich stehe auf dem alten Asphalt, der ist ziemlich warm. Und jetzt der andere, der ist kühler."

Wie viel Grad, das könne sie nicht sagen, sagt Renea - ihre Füße seien keine guten Thermometer. Aber eine gute Sache sei das schon:

"Wenn die ganze Stadt kühler würde, würde das Energie sparen. Und die Reifen würden länger halten. Macht das Viertel kühler!"

Von Juni bis Oktober ist es in Los Angeles immer wieder 35 bis über 40 Grad heiß. Die Stadt gibt jährlich um die 90 Millionen Dollar aus, um öffentliche Gebäude herunterzukühlen.

Klimaschutz als Gesundheitsvorsorge

Aber es gibt auch Kritik an der neuen Straßenbeschichtung: 40.000 Dollar kostet die Meile. Und: Sie herzustellen und die Straße aufzubringen ist aufwändig. Wissenschaftler sagen, die CO2 Bilanz sei vielleicht sogar negativ. Kein Killerargument, findet Greg Spotts:

"Bisher haben wir uns alle vor allem darum gekümmert, CO2 Emissionen zu verringern, um die Klimaerwärmung zu bremsen."

Aber der Klimawandel sei ja schon da, meint er, und wir müssten darauf reagieren:

"Was viele Leute nicht bedenken: Es gibt Alte und Kranke, die sich keine Klimaanlage leisten können. Für die kann die Hitze sogar tödlich sein."

Die Hitze in der Stadt zu verringern, ist auch Gesundheitsvorsorge.

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