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StartseiteCampus & KarriereGehirndoping an der Uni23.07.2013

Gehirndoping an der Uni

Neue Studie zu Verhalten von Studierenden und Lehrenden

Aufputschmittel machen an deutschen Hochschulen die Runde. Knapp fünf Prozent der Befragten einer Studie der Universitäten Bielefeld und Erfurt sowie der Bundeswehrhochschule München haben zugegeben, mindestens einmal zu Mitteln fürs Gehirndoping gegriffen zu haben.

Von Nural Akbayir

Das umstrittene Medikament Ritalin soll eigentlich Kindern mit Hyperaktivitätsstörungen helfen. (AP)
Das umstrittene Medikament Ritalin soll eigentlich Kindern mit Hyperaktivitätsstörungen helfen. (AP)

Mal eben eine Tablette eingeworfen, und schon lässt es sich den ganzen Tag oder auch die ganze Nacht hochkonzentriert durchlernen. Das klingt verlockend. Trotzdem finden die meisten Studierenden und Lehrenden verschreibungspflichtige Medikamente zur geistigen Leistungssteigerung sehr bedenklich. Rund zwei Drittel der Befragten lehnen solche Mittel ab, sagt der Bielefelder Soziologe und Studienleiter Sebastian Sattler:

"Ein wichtiger Grund, warum man vor der Einnahme zurückschreckt, sind natürlich Nebenwirkungen. Denn die Mittel besitzen alle ein breites Spektrum an potenziellen Nebenwirkungen. Das kann reichen von Kopfschmerzen über Bluthochdruck, aber auch dass man abhängig wird von solchen Mitteln. Das hält natürlich davon ab, solche Mittel zu nehmen."

Die Angst vor Nebenwirkungen ist das eine, moralische Bedenken das andere. Demnach hätten die Befragten ein schlechtes Gewissen, aufputschende Mittel zu nehmen, und sich dadurch einen eventuellen Lernvorteil zu verschaffen. Das sei unfair denjenigen gegenüber, die ohne Medikamente den Prüfungsstress durchstehen müssen. Diese Meinung ist auch unter zufällig ausgewählten Studierenden verbreitet, die sich nicht an der Studie beteiligt haben.

"Den Stress kennen wir ja alle, aber es ist eben wirklich so, was man dann danach davon hat, ist schon fraglich. Deswegen muss jeder selber wissen."

" Wenn's acht Klausuren gibt, dann kann ich das schon nachvollziehen. Aber nur weil man es nachvollziehen kann, heißt es ja nicht, dass man es auch machen muss. Ich bin dagegen."

"Ich honoriere Ehrgeiz eher als Faulheit. Und wenn man das aus Faulheit macht, würde ich sagen, nee, das kann ich gar nicht nachvollziehen."

"Grundsätzlich kann jeder erst mal machen, was er will. Aber die Frage ist, was die Nebenwirkungen davon sind."

"Muss man halt mal ein bisschen eher anfangen mit dem Lernen, deswegen kann ich sowas gar nicht nachvollziehen."

Dennoch: Knapp fünf Prozent der befragten Studierenden haben zugegeben, mindestens einmal zu Mitteln fürs Gehirndoping gegriffen zu haben. In erster Linie, weil sie unter extremer Prüfungsangst leiden, sagt Studienleiter Sebastian Sattler.

"Wenn man unter Prüfungsangst leidet, dann ist einerseits beispielsweise die Merkfähigkeit reduziert. Und dann ist man in Prüfungssituationen, aber auch vorher, einfach stark gestresst durch diese Angst und muss natürlich auch mit negativen Konsequenzen rechnen."

Doch auch sozialer Druck aus dem Umfeld spielt laut der Studie eine wesentliche Rolle, warum Studierende Aufputschmitteln nehmen.

"Wenn man weiß, dass andere Studierende auch solche Mittel nehmen, dann ist man auch eher geneigt, solche Mittel zu nehmen. Einerseits weil man Angst hat, dass man schlechter abschneiden könnte als Leute, die auch dopen. Andererseits weil man vielleicht auch denkt, ok, wenn das andere machen, dann sind die Mittel vielleicht auch wirksam und effektiv. Oder man denkt vielleicht auch die Mittel sind doch nicht moralisch so problematisch. Und das alles verleitet Studierende eher dazu, solche Mittel zu nehmen."

"Solche Mittel" sind Medikamente, die normalerweise Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen oder Alzheimer-Patienten verabreicht werden. Das bekannteste Präparat ist Ritalin. Ohne die Verschreibung eines Arztes bekommt man die Medikamente nur illegal. Bei gesunden Menschen bewirken sie allerdings nicht immer den gewünschten leistungssteigernden Effekt.

"Teilweise wird auch mehr erwartet von den Medikamenten, als sie letztendlich leisten. Bei manchen Mitteln ist es sogar so, dass gar keine Effekte auftreten oder Studierende sogar schlechter abschneiden. Das heißt, dass sie beispielsweise Substanzen nehmen und sich zwar dann besser einschätzen, aber sie überschätzen ihre Leistung und machen manchmal auch mehr Fehler."

Ein weiteres Ergebnis der Studie zum Medikamentenmissbrauch an deutschen Hochschulen ist: Wer es einmal versucht hat, der macht es häufig auch noch einmal. Knapp ein Viertel der Gehirndoper sind Sebastian Sattler zufolge Wiederholungstäter.

"Das kann damit zusammenhängen, dass sie positive Erfahrungen gemacht haben in der Zeit, in der sie solche Mittel verwendet haben. Und sich auch für die Zukunft erhoffen, dass sie wieder solche positiven Erfahrungen machen. Andererseits kann es natürlich auch schon ein erstes Anzeichen für Abhängigkeiten sein. Psychisch wie auch physisch."

Auch wenn in der Studie nur knapp fünf Prozent der Befragten Studierenden und Lehrenden angaben, schon einmal gedopt zu haben, gibt es selbstverständlich auch eine Dunkelziffer. Und die dürfte wesentlich höher ausfallen.

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