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StartseiteCampus & KarriereGeht Flensburg flöten?21.05.2010

Geht Flensburg flöten?

Über die geplante Schließung der Universität Flensburg

In Flensburg haben Studenten und Professoren gegen den drohenden Verlust ihrer Universität demonstriert. Denn angeblich überlegt die Landesregierung Schleswig-Holsteins, die Uni zu einer Hochschule herunterzustufen.

Von Matthias Günther

Bald könnte in Flensburg so mancher Studiengang gestrichen werden. (AP)
Bald könnte in Flensburg so mancher Studiengang gestrichen werden. (AP)

Gedränge im Foyer des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Studierende und Professoren der Universität Flensburg waren heute Vormittag nach Kiel gekommen, um die Debatte über die Zukunft ihrer Uni zu verfolgen und gegen eine drohende Rückstufung zur Pädagogischen Hochschule zu protestieren; auch Kristin-Charlotte Fischer, die in Flensburg Kultur-Sprache-Medien studiert.

"Dann ist mein Studiengang weg. Also ich denke mal, wir können bestimmt noch zu Ende studieren, aber alle anderen werden dann nicht mehr die Möglichkeit haben, den Studiengang zu besuchen. Und der ist halt sehr einzigartig durch die Kooperation mit Dänemark. Und das gibt es dann nicht mehr."

Lehramtsstudent Stefan Finke schätzt die bisherige Möglichkeit, in andere Bereiche hineinzuschnuppern, um seinen Horizont zu erweitern.

"Ich komme ursprünglich aus Gütersloh, bin extra für das Studium nach Flensburg gezogen, weil mich das Studienangebot dort sehr interessiert hat, und bin jetzt auch maßlos enttäuscht, dass darüber diskutiert wird, dass die Uni wieder abgeschafft wird."

An einer Demonstration in Flensburg haben sich gestern auch Vertreter der regionalen Wirtschaft beteiligt. Ihr Argument: Der wirtschaftlich schwache Norden Schleswig-Holsteins braucht eine Universität, die mit der Wirtschaft zusammenarbeitet und dringend benötigte Fachkräfte ausbildet.

In der heutigen Debatte im Landtag machte sich vor allem der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), die Partei der im Raum Flensburg starken dänischen Minderheit, für einen Erhalt der Universität in der jetzigen Form stark. Die SSW-Fraktionsvorsitzende Anke Spoorendonk sagte:

"Der Aufschrei der Region über die Sparpläne an der Uni Flensburg hat in den letzten Tagen an Intensität zugenommen. Der Hochschulstandort Flensburg hat Zukunft, und diese Zukunft lassen wir uns ganz einfach nicht kaputt machen."

Auch der Präsident der Universität Prof. Lutz Reuter war nach Kiel gekommen, um Flagge zu zeigen. Bei einer Rückstufung zur Pädagogischen Hochschule würden von jetzt 3800 noch 3000 Studienplätze übrig bleiben, rechnet er vor, aber, so der Universitätspräsident, gerade die Wirtschaftswissenschaftler in Flensburg seien besonders erfolgreich.

"Sie sind erfolgreich, weil sie mit einem zehnprozentigen Anteil am Universitätshaushalt gut 20 Prozent der Studierenden ausbilden. Sie haben mit großem Abstand die meisten Promotionen und eine hohe Drittmittelquote. An dieser Stelle, um es mal bescheiden zu sagen, können wir uns mit der Christian-Albrechts-Universität in Kiel bestens messen."

Lutz Reuter befürchtet außerdem einen Rückschlag für das deutsch-dänische Verhältnis. Denn drei der vier zur Disposition stehenden Studiengänge sind Kooperationen mit der Syddansk Uni in Sonderburg.

"Die Dänen haben sich äußerst verärgert und frustriert gezeigt. All das, was mit Mühe und viel Geld auch aus der regionalen Wirtschaft aufgebaut worden ist, würde dann kaputt gemacht werden."

Wie die Zukunft der Universität Flensburg aussieht, ist unklar. Die schwarz-gelbe Koalition in Kiel will ihre Sparvorschläge erst in der kommenden Woche vorlegen. Klar ist aber, dass die Uni auf dem Prüfstand steht. Das hat Daniel Günther für die CDU-Fraktion heute im Schleswig-Holsteinischen Landtag deutlich gemacht. Es könne nicht alles so bleiben, wie es ist, sagte er.

"Das können wir uns so in dieser Form nicht leisten. Denn die Schuldenbremse - ich weiß, die mögen Sie nicht - aber sie gilt auch in Schleswig-Holstein. Wir werden auch in allen Bereichen nach Einsparmöglichkeiten suchen."

Und davon könne auch der Bildungsbereich nicht ausgenommen werden, sagte der CDU-Abgeordnete.

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