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StartseiteEuropa heuteGeisterflughafen ohne Lotsen09.01.2013

Geisterflughafen ohne Lotsen

Der sizilianische Airport Comiso ist betriebsfertig - aber ohne Personal

Beim Pannenflughafen BER steht Personal bereit, um den unfertigen Flughafen zu betreiben - im italienischen Comiso ist es genau umgekehrt: Der Airport ist seit sechs Jahren fertig und abgenommen - doch es fehlen arbeitswillige Towerlotsen.

Von Stefan Troendle

Am Flughafen Comiso fehlen die Lotsen (AP)
Am Flughafen Comiso fehlen die Lotsen (AP)

"Es braucht noch ein bisschen, aber das wird ein großartiger Flughafen – die Piste ist wunderschön."

Bei der offiziellen Einweihung des Flughafens von Comiso gab sich Massimo D'Alema fast so euphorisch wie Klaus Wowereit. Am 30. April 2007 war das. D'Alema war damals italienischer Außenminister. Kleiner Schönheitsfehler: Sein Flugzeug ist bis heute das einzige, das auf dem Flughafen von Comiso gelandet ist. Der offziell eingeweihte Flughafen ganz im Süden von Sizilien blieb nämlich sechs Jahre geschlossen – obwohl alle Arbeiten fertig sind, fertiger als in Berlin jedenfalls. Rosario di Bernardo, der Präsident der Flughafengesellschaft SOACO:

"Der Flughafen ist komplett fertig – in Sachen Infrastruktur und Arbeiten. Er wurde bereits abgenommen und von der Luftfahrtbehörde zertifiziert – und zwar auf der Luft- und auf der Landseite. Alles ok."

Es gibt ein Instrumentenlandesystem, ein hübsch zweckmäßiges Terminal, jede Menge Check-in-Schalter, eine absolut tadellos funktionierende Brandschutzanlage, Gepäckbänder, ein IATA-Kürzel, CIY, - also alles, was ein Flughafen so braucht. Billiger als BER war er auch – gut 40 Millionen hat der Umbau der ehemaligen Militärbasis gekostet. Nur eines hat Comiso mit dem neuen Berliner Hauptstadtflughafen gemeinsam: Es gibt keine Flugzeuge.

In Comiso hat das damit zu tun, dass die für die Towerlotsen zuständige staatlich beaufsichtigte Flugsicherung ohne finanzielle Garantien keine Controller stellen wollte.

Der Flughafen ist nämlich in privater Hand. Und Comiso ist genauso "arm und sexy" wie Berlin. Daher war, außer Herrn D'Alemas Regierungsjet, bis heute nur ein einziges Mal Motorenlärm auf der Piste zu hören: Der Bürgermeister von Comiso hatte ein kleines illegales Ferrari-Rennen auf der Landebahn genehmigt. Bald wird das nicht mehr möglich sein, denn demnächst sollen in CIY tatsächlich Flugzeuge starten und landen – die Region Sizilien hat sich bereit erklärt, die nötige Summe für die Fluglotsen zu bezahlen. Insofern hofft Flughafenchef Rosario di Bernardo, seine Kollegen in der deutschen Hauptstadt zu schlagen:

"Also ich glaube, in dem Fall sind wir schneller. Comiso wird zuerst öffnen. Vielleicht könntet Ihr Deutschen uns ja mit dem einen oder anderen Vertrag mit Fluglinien helfen."

Denn wegen des langen Hin und Her hat sich bisher noch keine Gesellschaft gefunden, die Comiso anfliegen will. Daher erklärt sich di Bernardo sofort bereit, Berliner Passagiere aufzunehmen, wenn sie denn kommen. Sein Flughafen ist demnächst auf jeden Fall eine sichere Alternative – nebenbei ist das Wetter besser als in Tegel oder Schönefeld. Und eine Berlin-Route wäre auch nicht schlecht:

"Naja – hoffen wir mal, also wenigstens auf Flüge nach Deutschland. In unsere Provinz Ragusa kommen nämlich ziemlich viele Urlauber aus Deutschland – also zumindest von dort, wo die Flughäfen geöffnet sind. Hoffen wir mal das Beste."

Dass tatsächlich Berliner ganz regulär in Comiso landen, könnte übrigens schneller passieren, als man denkt. Denn "Charlie-India-Yankee" liegt nur 70 Kilometer von Catania entfernt, das von Berlin aus direkt angeflogen wird. Der dortige Flughafen hat aber immer wieder ein kleines Vulkan-Problem: Wenn der Ätna ausbricht, muss Catania schließen. Der nächste Ausweichflughafen wäre dann: Comiso.

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