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Seit 13:56 Uhr Wirtschafts-Presseschau
StartseiteThemen der WocheGeklonte Menschen und ethische Bedenken18.05.2013

Geklonte Menschen und ethische Bedenken

Über die Folgen des Klonens menschlicher Zellen

Jetzt haben wir uns also wieder so richtig schön aufgeregt. Dafür sollten wir Shoukrat Mitalipov und seinen geklonten menschlichen Stammzellen wirklich dankbar sein. Klonen - schon das Wort lässt einen erschauern. Und alle, alle sagen: Nein, da ist endgültig eine Grenze erreicht, das darf nicht sein.

Von Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Das Klonen menschlicher Zellen schien unmöglich - nun haben Forscher es geschafft (picture alliance / dpa / OHSU Handout)
Das Klonen menschlicher Zellen schien unmöglich - nun haben Forscher es geschafft (picture alliance / dpa / OHSU Handout)

So viel Einigkeit ist in der bioethischen Debatte selten. Und so billig ist sie auch selten zu haben, denn wem tritt man mit dem Protest gegen Klone eigentlich auf die Füße? Klone bevölkern Science-Fiction-Welten, ein realer Bedarf für geklonte Menschen zeichnet sich nirgends ab.

Ein geklonter Mensch wäre keine Kopie eines lebenden Individuums, sondern eine eigenständige Persönlichkeit. Schließlich legen die Gene nur den Startpunkt fest, nicht aber den Verlauf der persönlichen Entwicklung. Trauernde Eltern, die ihr verlorenes Kind wiederhaben wollen, Diktatoren, die ihre Herrschaft an sich selbst weitergeben möchten - sie alle könnten von einem Klon nur enttäuscht werden. Auch die Nutzung von Klonen als lebende Organbanken wäre nur in einer über Jahrzehnte stabilen Diktatur denkbar. Die Halbwertszeit von Autokraten sinkt aber weltweit, sodass geheime Klonprogramme unwahrscheinlicher werden. Geklonte Menschen sind eine Luftnummer. Nichts spricht gegen ein weltweites Verbot. International besteht da Einigkeit, aber genau deshalb ist es auch nicht besonders dringlich.

Echte Debatten gibt es nicht um geklonte Menschen, sondern nur um geklonte Stammzellen als individuell maßgeschneidertes Reparaturgewebe für kranke Menschen. Das ethische Problem: Es wird für jede Behandlung ein menschlicher Embryo erzeugt. Der existiert nur für Stunden und besteht nur aus ein paar Hundert Zellen. Aber theoretisch hat er das Potenzial, ein Mensch zu werden. Reicht dieses Potenzial aus, ihn als Mensch zu betrachten? Der Gruselfaktor ist hier deutlich geringer und vielleicht deshalb gehen die Meinungen weit auseinander. In Deutschland ist die Sache klar geregelt: Die Erzeugung von Embryonen - und damit das Klonen - ist verboten. Auf das Embryonenschutzgesetz konnte sich der Bundestag allerdings erst nach langer, kontroverser Debatte einigen. Es gibt eben eine Vielfalt moralisch vertretbarer Positionen. Wenn deutsche Kirchenvertreter nun sagen, die Experimente in Portland würden gegen die Menschenwürde verstoßen, dann ist das eine Meinung unter vielen. Es gibt auch gute Argumente für die Arbeit an embryonalen Stammzellen, etwa die ethische Verpflichtung, das Leiden von Patienten zu mindern.

Das Gute ist, diese Debatte brauchen wir im Moment nicht zu führen. Deutschland ist nicht das Gewissen der Welt, wenn andere Kulturnationen den Weg des therapeutischen Klonens ausloten wollen, dann ist das ihr gutes Recht. Parallel werden deutsche Forscher Alternativen erproben, etwa adulte Stammzellen. Es wird noch Jahre dauern, bis aus diesen interessanten Ansätzen verlässliche Therapien entstehen. Man sollte sich vom Gruselfaktor des Wortes Klonen nicht beeindrucken lassen. Erst wenn sich zeigt, dass es hier um mehr geht, als um einzelne Laborexperimente, lohnt sich eine erneute ethische Debatte um den Status des Embryos. Sie heute schon führen zu wollen, wäre verfrüht, denn Moral ist nicht in Erz gegossen.

Wenn sich die Umstände ändern, dann ändern sich häufig auch die Überzeugungen. Das gilt insbesondere, wenn die betroffenen Menschen angesichts neuer Möglichkeiten konkrete Ängste und Wünsche entwickeln, so wie erst kürzlich in der Diskussion um die Präimplantations-Diagnostik. Auf diesem Feld balanciert eine neue Regelung die verschiedenen Interessen aus. So wird es auch beim therapeutischen Klonen sein, wenn sich das irgendwann zu einer ernsthaften Therapiemöglichkeit entwickelt. Vielleicht wird es unter bestimmten Bedingungen zugelassen, vielleicht nicht. In jedem Fall wird die Entscheidung ethisch gut begründet sein. Kein Grund, sich heute schon zu Gruseln. Klone eigenen sich als Aufreger, aber eher auf der großen Leinwand als in der moralischen Debatte.

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